Montag, 19. August 2019

MLP Aus und vorbei

2. Teil: Die Lage spitzt sich zu

Wo bleibt der Finanzvorstand?

Forderungen nach Termühlens Rücktritt werden laut, nach Erneuerung und einem weniger zentralistischen Führungsstil. Firmengründer und Ziehvater Manfred Lautenschläger hält aber trotz aller Konflikte an dem einstigen Senkrechtstarter fest. Viel ändert sich indes nicht im Sommer 2002. Ein neuer Pressesprecher findet sich, die Investor-Relations-Abteilung soll aufgestockt werden.

Einen Finanzvorstand - eigentlich eine Selbstverständlichkeit bei Konzernen dieser Größe - hat das Unternehmen aber immer noch nicht. Für Außenstehende hat es zuweilen den Anschein, als würde es Termühlen genügen, von Quartal zu Quartal die versprochenen Wachstumsraten am Markt abzuliefern.

Doch mit den jährlichen Gewinnzuwächsen von 30 Prozent kann MLP am Markt nicht mehr punkten. Sie sind vor allem Ergebnis jener scharf kritisierten kreativen Buchführung und nur mit Hilfe von Rückversicherungsgeschäften und dem Verkauf zukünftiger Provisionsansprüche zu erreichen. Das eigentliche Kerngeschäft - die Finanzberatung und Vermittlung von Anlageprodukten - hat damit nur noch wenig zu tun.

Die Lage spitzt sich zu

Anfang Oktober 2002 spitzt sich die Lage für MLP zu. Die Staatsanwaltschaft lässt wegen des anhaltenden Verdachts der Bilanzfälschung erneut die Büroräume von MLP durchsuchen. Zugleich weitet die Finanzaufsicht ihre Ermittlungen gegen den Finanzdienstleister aus.

Es geht nicht mehr nur um Insiderhandel, sondern auch um mögliche Kursmanipulation. Zu allem Überdruss gerät Unternehmensgründer Lautenschläger durch Presseberichte in den Verdacht, den Gewinn durch eine fingierte, milliardenschwere Lebensversicherung in 2001 nach oben getrieben zu haben.

Und auch "Börse Online" legt nach. Das Magazin berichtet nicht nur von angeblich aufgeblähten Vorsteuergewinnen im Jahr 2000 und 2001, sondern stellt zugleich die Zahlungsfähigkeit von MLP in Frage. Andere Magazine berichten überdies von einem angeblichen Exodus kompletter Teams zur Konkurrenz. Auch diese Berichte weist MLP entschieden zurück und erwirkt vereinzelt Einstweilige Verfügungen gegen die Berichterstatter.

Gegen Ende des Jahres besetzt Termühlen den lange von den Märkten geforderten Posten eines Finanzvorstandes. Er holt Uwe Schroeder-Wildberg vom Discount-Broker Consors mit ins Boot. Vor allem seinem Drängen wird die Tatsache zugeschrieben, dass MLP die Bilanzierung auf eine konservativere Praxis umstellt.

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