Telekom Kein Vergleich mit US-Klägern

Der Konzern will die in den USA anhängigen Schadenersatzklagen nicht per Vergleich beenden. Damit will die Telekom jedes Schuldeingeständnis für angeblich falsche Angaben in Geschäfts- oder Börsenprospekten vermeiden.

Bonn - Finanzchef Karl-Gerhard Eick sagte am Donnerstag in Bonn bei der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen, ein Vergleich mit den Klägern in den USA sei "keine Alternative" für die Telekom. Die Telekom habe zwar Verzögerungen bei den Verfahren beispielsweise durch fortgesetzte Einsprüche und die Ablehnung von Vergleichsvorschlägen einkalkuliert. Dessen ungeachtet strebe der Telekommunikationskonzern aber keinen Vergleich an, mit dem in zahlreichen Fällen so genannte Sammelklagen beendet würden.

Die Telekom sieht sich in den USA mehreren Klagen von Aktionären ausgesetzt, die dem Unternehmen unter anderem unrichtige Angaben zur Bewertung des Eigenkapitals vorwerfen. Zahlreiche Kläger haben sich dort zu Klagegemeinschaften zusammengeschlossen (so genannten Sammelklagen).

Auch in Deutschland haben mehrere tausend Aktionäre den größten europäischen Telekom-Konzern auf Schadenersatz für den drastischen Kursverlust der Aktien auf weniger als ein Zehntel des Höchstkurses von rund 105 Euro verklagt.

Als Ursache für den Kursverfall gelten neben teuren Zukäufen und Wertberichtigungen die auf breiter Front bei den Investoren nachlassende Zuversicht über die Geschäftsaussichten der Telekom-Unternehmen.

Die Telekom hatte stets bestritten, dass sie unrichtige Angaben in ihren Geschäftsberichten oder Börsenprospekten gemacht habe. Rückstellungen bildete der Bonner Konzern bislang nur für die Rechtsanwaltskosten, nicht jedoch für Schadenersatz.

Im Mittelpunkt der in Deutschland von der Staatsanwaltschaft untersuchten Vorwürfe steht die angeblich falsche Bewertung des Immobilienvermögens der Telekom im Jahr 1995. Bislang hat die Staatsanwaltschaft noch kein konkretes Ermittlungsergebnis vorgelegt.