Euro Fast schon auf pari mit dem Dollar

Das Stocken der Friedensgespräche auf dem Balkan trieb die Währung am Devisenmarkt zeitweise auf den neuen Tiefstand von 1,0265 Dollar.

Frankfurt - Der Euro hat an den internationalen Devisenmärkten seine Rutschpartie gegenüber dem Dollar auf ein neues Tief fortgesetzt. Danach konnte sich der Kurs aber ein wenig erholen. Die Europäische Zentralbank hielt es nicht für unmöglich, daß der Euro auf einen Kurs von einem Dollar fallen könnte.

Die EZB stellte am Nachmittag einen Referenzkurs von 1,0316 Dollar fest, nur knapp über dem bisher niedrigstem Referenzkurs der jungen Währung von 1,0315 Dollar am Freitag. Die US-Währung wechselte damit für rund 1,90 Mark den Besitzer.

Der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Herbert Hax kritisierte, Deutschland trete seit der Wahl bei den Strukturreformen auf der Stelle. So würden überfällige Reformen des Steuersystems verschleppt, an den Arbeitsmärkten nähmen die Regulierungen noch zu. "Es geschieht nichts in Deutschland." So könne das Vertrauen der internationalen Anleger in den Euro-Raum nicht gestärkt werden.

Besorgt zeigte sich Hax über die steigende Euro-Skepsis in Großbritannien. "Für Großbritannien ist der Beitritt zur Währungsunion durch den Kursverlust des Euros weniger attraktiv geworden. Es wäre schlecht, wenn der Beitritt nun scheitern würde", warnte Hax. Interventionen der EZB zur Stützung des Euros lehnte er strikt ab. Solche Eingriffe könnten nur kurzfristige Effekte haben.

Eugenio Domingo Solans, Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank, sieht den Euro gegenüber dem Dollar wieder auf Erholungskurs. Es sei jedoch nicht gänzlich auszuschließen, daß der Euro in nächster Zeit für einen Dollar gehandelt werde, sagte er der spanischen Zeitung "ABC" (Montagausgabe). Die europäische Währung werde sich aber erholen, sobald verschiedene wirtschaftliche und politische Probleme ausgeräumt seien.

Auf der Generalversammlung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich war der Euro nach den Worten des Ratsmitglieds der Europäischen Zentralbank und Gouverneurs der Bank von Portugal, Antonio Jose Fernandes de Sousa, kein Thema. Zum derzeit schwachen Euro wollte sich de Sousa am Rande der Generalversammlung nicht äußern.