Allianz "Wir sind noch nicht über den Berg"

Wie erwartet ist die Allianz nach vier Quartalsverlusten in Folge in die Gewinnzone zurückgekehrt. Konzernchef Diekmann bleibt vorsichtig: Weiterhin stehen alle Geschäftssegmente auf dem Prüfstand. Die Dresdner Bank belastet das Ergebnis in dreistelliger Millionenhöhe.

München - Michael Diekmanns Premiere als oberster Zahlenvorleger der Allianz  ist geglückt. Der Versicherungskonzern ist nach vier Quartalsverlusten in Folge in die Gewinnzone zurückgekehrt. Im zweiten Quartal sei ein Gewinn von 622 Millionen Euro erzielt worden, teilte die Allianz am Donnerstag mit. Im ersten Halbjahr betrug der Überschuss damit 102 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von 1,6 Milliarden Euro erzielt.

Insgesamt stiegen die Beitragseinnahmen im Versicherungsgeschäft wechselkursbereinigt um 11,5 Prozent. Der Zuwachs im Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft betrug 18,2 Prozent. Die Combined Ratio im Schaden- und Unfallgeschäft konnte verbessert werden und beträgt nun 97,1 Prozent.

Im Bankgeschäft, das zum überwiegenden Teil durch die Entwicklung bei der Dresdner Bank bestimmt wird, konnten zwar sowohl der Verwaltungsaufwand im Vergleich zur Vorjahresperiode um 17,9 Prozent als auch die Risikovorsorge im Kreditgeschäft deutlich reduziert werden, nach Abschreibungen auf Finanzanlagen und Goodwill, Steuern und Anteilen Dritter ergab sich dennoch ein negativer Ergebnisbeitrag von 437 Millionen Euro (minus 1,058 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum).

Die leichte Erholung an den Kapitalmärkten führte zu deutlich niedrigeren Abschreibungen auf die Kapitalanlagen der Allianz-Gruppe. Sie beliefen sich im zweiten Quartal auf 0,8 Milliarden Euro, im Vergleich zu 2,3 Milliarden Euro im ersten Quartal.

Analysten vom Vorsteuer-Ergebnis enttäuscht

"Der Trend zeigt in die richtige Richtung, doch wir sind noch nicht über den Berg. Wir halten auch bei dem gegenwärtigen positiveren Konjunktur- und Kapitalmarktumfeld weiter an der kontinuierlichen Überprüfung aller Geschäftssegmente und der Konzentration auf operative Ergebnisverbesserungen fest", sagte Diekmann bei der Präsentation der Zahlen.

Im dritten Quartal dürften sich die Abschreibungen bei einer Seitwärtsbewegung der Aktienmärkte laut Perlet zwischen 300 Mio und 400 Millionen Euro bewegen. Analysten zeigten sich enttäuscht: Das Nachsteuerergebnis - das von einer Steuererstattung profitierte - habe zwar die Prognosen übertroffen. Beim dem Ergebnis vor Steuern habe die Allianz dagegen "klar unter den Prognosen gelegen".

"Makler vermitteln verstärkt unsere Produkte"

Die Geschäftserfolge des Lebensversicherungsgeschäftes in den USA und Italien hätten maßgeblich zum Umsatzwachstum der Allianz Gruppe beigetragen, hieß es weiter. In den USA habe der deutliche Ausbau des Vertriebsnetzes in den vergangenen Jahren mit zu dem starken Zuwachs in Originalwährung von 47,8 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro beigetragen. In Italien zeige sich der Geschäftsbereich Bancassurance, der schwerpunktmäßig durch UniCredito und Banca Antoniana Popolare Veneta getragen wird, weiterhin als starker Wachstumsträger. Die Beitragseinnahmen stiegen in Italien um 26,2 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro.

Auch in Deutschland konnte die Allianz Leben nach eigenen Angaben den positiven Trend im Lebensversicherungsmarkt für sich nutzen. "Hier spielen die Finanzkraft sowie die Leistungsfähigkeit von Allianz Leben eine besondere Rolle. Makler vermitteln verstärkt unsere Produkte und suchen die Zusammenarbeit mit einem finanzstarken Produktlieferanten. Parallel verlief auch das Neugeschäft in der Allianz Pensionskasse mit 110.000 Verträgen sehr erfolgreich", sagte Controlling-Vorstand Helmut Perlet.

Außerdem hat die Allianz weitere Veränderungen in ihrem Protfolio in Aussicht gestellt. "Wir haben uns sehr kritisch mit der Rentabilität unserer Gesellschaften und ihren Portfolios auseinandergesetzt", sagte Vorstandsvorsitzender Michael Diekmann. Um das Ergebnispotenzial der Gruppe auszuschöpfen und die Kapitaleffizienz zu steigern werde sich der Konzern "selektiv" aus einzelnen Bereichen zurückziehen.

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