Deutsche Telekom T-Aktionäre gehen wieder leer aus

Analysten zeigen sich von den guten Zahlen überrascht. Wichtigster Wachstumsträger bleibt T-Mobile. Die Schulden sinken schneller als erwartet. Vorstandschef Ricke gibt den rund drei Millionen T-Aktionären allerdings erneut einen Korb. Erst für das Jahr 2004 wird der Konzern voraussichtlich wieder eine Dividende zahlen.

Bonn - Die Deutsche Telekom  hat auch im zweiten Quartal 2003 überraschend einen Reingewinn erzielt und die Erwartungen von Analysten weit übertroffen. Nach dem vorzeitigen Erreichen des lange angestrebten Schuldenziels von noch 53 Milliarden Euro soll allerdings erst für das kommende Geschäftsjahr wieder eine Dividende gezahlt werden, die die Aktionäre dann in 2005 erhalten sollen. Die Aktie startete am Morgen zunächst im Plus, rutschte dann allerdings leicht in die Verlustzone.

Der Konzernüberschuss habe 256 Millionen Euro betragen, teilte die Telekom am Donnerstag mit. Das um Sondereffekte bereinigte Nettoergebnis belief sich im Zeitraum April bis Ende Juni auf rund 175 Millionen Euro nach rund 100 Millionen im ersten Vierteljahr. Nach dem Milliardenverlust im Vorjahresquartal hatten Branchenexperten im Schnitt mit einem Minus von 27 Millionen Euro gerechnet und prognostiziert, dass die Telekom wegen eines verschlechterten Geschäftsumfeldes nicht an die gute Entwicklung des ersten Quartals anknüpfen könne.

Das operative Ergebnis (Ebitda) betrug den Angaben zufolge im zweiten Quartal 4,598 Milliarden Euro, Analysten hatten hier im Durchschnitt mit 4,368 Milliarden Euro gerechnet. Der Konzernumsatz stieg binnen Jahresfrist um 4,7 Prozent auf 13,593 Milliarden Euro.

Analysten zeigen sich von den Zahlen positiv überrascht

Telekom-Analyst Hannes Wittig von Dresdner Kleinwort Wasserstein bewertete am Morgen das Quartalsergebnis positiv. "Das ist sehr ordentlich", sagte er. Die Zahlen seien "durchweg solide". Analyst Frank Rothauge von Sal. Oppenheim sagte, die Zahlen hätten seine Erwartungen übertroffen. Allerdings sei der voraussichtliche Dividendenausfall auch im laufenden Geschäftsjahr "eher eine Enttäuschung".

Theo Kitz von der Münchner Privatbank Merck Finck erklärte: "Vor allem das Nettoergebnis war deutlich besser als erwartet. Das wird die Anleger beeindrucken." Positiv wertete er auch die Schuldenreduktion und die Verbesserung des Free Cash-Flow. Einziger Wermutstropfen sei T-Mobile USA. "Hier hat sich die Kundenzahl enttäuschend entwickelt", sagte Kitz.

Erst 2005 soll es wieder eine Dividende geben

Schlechte Nachrichten gab es allerdings für die rund drei Millionen Aktionäre der Deutschen Telekom: sie werden aller Voraussicht nach auch für dieses Jahr auf eine Dividende verzichten müssen.

"Der Vorstand strebt an, für das Jahr 2004, zahlbar im Jahr 2005, wieder eine Dividende auszuschütten", teilte die Telekom weiter mit. "Vorher müssen wir solide unterwegs sein", erklärte Vorstandschef Ricke. Bereits 2002 hatten die Käufer der "Volksaktie" wegen der gigantischen Telekom-Verluste keine Dividende erhalten. Die Dividende war zum Abbau der Milliarden-Verschuldung für das Geschäftsjahr 2002 gestrichen und für 2001 bereits gekürzt worden.

Mit einem binnen Jahresfrist um 11,5 Milliarden Euro auf 53 Milliarden Euro gesenkten Schuldenstand hat die Telekom ihr für das Gesamtjahr angestrebtes Schuldenziel bereits Ende Juni erreicht. Die Schulden des Konzerns hatten vor allem wegen Zukäufen und Mobilfunk-Investitionen mit rund 70 Milliarden Euro einen Höchststand erreicht.

Die Telekom will auch 2003 weiter ihre Schulden abbauen. Mittelfristig sollen die Nettofinanzverbindlichkeiten auf das Zwei- bis Dreifache des bereinigten Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) gesenkt werden, wie Vorstandschef Kai-Uwe Ricke am Donnerstag ankündigte.

Als Begründung für das unerwartet gute Abschneiden im zweiten Quartal nannte die Telekom eine Verbesserung der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit, machte aber zunächst keine weiteren Angaben dazu. Seit der Ablösung des langjährigen Vorstandchefs Ron Sommer im Juli vergangenen Jahres drückt die Telekom verstärkt auf die Kostenbremse und hat ihre Investitionsausgaben deutlich gekürzt.

Vorstandschef: "Kein Grund zur Entwarnung"

Konzernergebnis: "Schwarze Null" für 2003 erwartet

Im ersten Vierteljahr 2003 hatte die Telekom erstmals nach sechs äußerst verlustreichen Quartalen auf Grund von Steuerveränderungen und Kostensenkungen wieder einen Nettogewinn ausgewiesen. Für das Gesamtjahr strebt Konzernchef Kai-Uwe Ricke ein positives Konzernergebnis ("Schwarze Null") und ein Ebitda (Ergebnis vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und Amortisationen) zwischen 17,2 bis 17,7 Milliarden Euro an. Auf der Hauptversammlung im Mai hatte Ricke dies noch als Mindestziel bezeichnet.

Ricke will noch keine Entwarnung geben

Mit der aktuellen Entwicklung liege die Telekom voll im Plan, vor allem hinsichtlich der operativen Ertragskraft sagte Ricke. Allerdings warnte er ausdrücklich davor, das Halbjahresergebnis auf das Gesamtjahr hochzurechnen. Die konjunkturelle Lage in Deutschland werde auch in der zweiten Jahreshälfte schwierig bleiben; es bestehe "bei weitem kein Grund zur Entwarnung", betonte Ricke. Ziel bleibe ein stabiler Geschäftsverlauf bei der Telekom.

T-Mobile: Schluss mit Jammern

Nach Meinung von Analysten haben sich im jüngsten Quartal vor allem die Unternehmenssparten Mobilfunk und Systemhaus gut entwickelt. T-Mobile USA erwirtschaftete ein Ebitda (Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) von 443 Millionen Euro nach 323 Millionen Euro im Vorquartal. Auf Jahressicht peilt die Telekom für ihre Mobilfunktochter ein Ebitda in der Größenordnung von 1,5 Milliarden Dollar an, erklärte Vorstandschef Ricke weiter. Dieser liege damit deutlich über dem Vorjahr.

Das Kundenwachstum lag mit 606.000 Neukunden im Rahmen der Erwartungen. Der monatliche Umsatz je Kunde (ARPU) stieg im zweiten Quartal gegenüber der Vorjahresperiode um vier Dollar auf 53 Dollar.

Auf der für rund 40 Milliarden Dollar vor rund zwei Jahren erworbenen US-Tochter ruhen die Wachstumshoffnungen der Telekom, da der europäische Mobilfunkmarkt Sättigungstendenzen zeigt.

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