Tagesausblick Neue Gesichter bei Allianz und Eon

Stahl, Strom, Telekommunikation, Versicherungen und Gase - gleich fünf Börsenschwergewichte ziehen heute Bilanz. Michael Diekmann und Wulf Bernotat debütieren dabei als Zahlenvorleger.

Hamburg/Frankfurt - Der Hitzesommer gönnt uns endlich einmal eine kurze Verschnaufpause, da sorgen zahlreiche Konzerne mit ihren Quartals- und Halbjahreszahlen für reichlich Ersatzaufregung.

Die meisten Augen richten sich sicherlich nach München, wo Michael Dieckmann, seit rund 100 Tagen Chef der Allianz , die Halbjahreszahlen präsentiert. Die Allianz ist laut Analysten nach vier Quartalsverlusten in Folge im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt. "Ursache sind im wesentlichen weniger Abschreibungen auf das Wertpapier-Portfolio", sagt Ralph Dibbern von M.M. Warburg. Analysten rechnen im Durchschnitt mit einem Nachsteuerergebnis von 225 Millionen Euro nach minus 356 Millionen Euro im Vorjahr und einem Verlust von 520 Millionen Euro im Vorquartal.

Besonderes Interesse gilt natürlich auch der Entwicklung der Dresdner Bank, bei der wohl erneut ein Stellenabbau ins Haus steht. Trotz der Fortschritte bei der Kostensenkung dürfte im zweiten Quartal bei der Allianz-Tochter ein Verlust von 110 Millionen bis 230 Millionen Euro angefallen sein. Neu-Dreba-Chef Herbert Walter sagt heute in Frankfurt, ob die Experten richtig liegen.

Telekom überrascht mit Reingewinn

Kai-Uwe Ricke, Primus der Deutschen Telekom , ist im Gegensatz zu Diekmann schon fast ein Routinier in Sachen Zahlenvorlage. Die Bonner haben entgegen den Erwartungen auch im zweiten Quartal wieder einen Reingewinn erzielt und auch sonst die Erwartungen übertroffen. Angesichts dessen stellte der Bonner Konzern für das Geschäftsjahr 2004 wieder eine Dividende in Aussicht, wie er bereits am Donnerstagmorgen zur Zwischenbilanz mitteilte. Von April bis Juni verbuchte das Unternehmen ein positives Nettoergebnis von 256 Millionen Euro nach einem Verlust von über zwei Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Analysten hatten im Schnitt einen Fehlbetrag von 115 Millionen Euro erwartet, nachdem die Telekom im ersten Quartal mit 853 Millionen Euro Gewinn überrascht hatte.

Die dritte "Dax-Bilanz" am Donnerstag kommt aus Essen. Nur relativ kurz konnten sich die Aktionäre von ThyssenKrupp  über Monate an einem immer stärkeren Gewinnwachstum erfreuen. Zum Geschäftshalbjahr hatte der Mischkonzern noch Märkte und Investoren mit deutlich über den Erwartungen liegenden Ergebniszahlen überrascht. Von April bis Juni, dem dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2002/03 (30. September), sieht die Sache offensichtlich schon wieder anders aus: Die erhoffte konjunkturelle Unterstützung ist ausgeblieben. Analysten erwarten sinkende Gewinne. Die Neun-Monats-Zahlen werden nach Einschätzung von Analysten auf den ersten Blick aber noch positiv erscheinen. Experten prognostizieren im Schnitt einen Umsatz von 27,56 (Vorjahr: 26,95) Milliarden Euro, eine Verbesserung beim Vorsteuer-Ergebnis auf 606 (440) Millionen Euro und beim Netto-Gewinn auf 379 (286) Millionen Euro.

Eon legt Zukäufe in Übersee auf Eis

Ein paar Kilometer weiter westlich legt nach genau 106 Tagen im Amt Wulf Bernotat am Donnerstag erstmals als neuer Vorstandsvorsitzender von Eon  Rechenschaft ab. Und das, was er zu verkünden hat, bedeutet für den Düsseldorfer Energiekonzern zumindest in einigen Geschäftsfeldern eine neue Weichenstellung für die Zukunft. Analysten rechnen damit, dass Bernotat zwar keinen Rückzug aus dem US-Markt plant, alle weiteren Zukäufe hier aber vorerst auf Eis legt. Der Fokus wird den Erwartungen zufolge bei Eon künftig auf den Ausbau des europäischen Gasgeschäftes gelegt. Daneben muss Bernotat erläutern, wie er sich die Integration der jüngsten Großakquisitionen - vor allem der Ruhrgas - vorstellt.

Synergien, die durch eine Straffung der Organisation erreicht werden könnten, werden von Analysten auf bis zu 700 Millionen Euro jährlich geschätzt. Die höheren Halbjahresgewinne, die Eon zusätzlich verkünden wird, könnten Bernotat zusätzliche Freude an seinem ersten öffentlichen Auftritt bereiten. Analysten gehen im Schnitt von einem EBITDA von 4,6 Milliarden Euro, einem Betriebsergebnis von 2,5 Milliarden Euro und einem Nettoergebnis von 2,2 Milliarden Euro aus.

Revidiert Linde das Jahresziel nach unten?

Last but not least legt auch Linde  Sechs-Monats-Zahlen vor. Der starke Euro und die anhaltende Konjunkturschwäche dürften die Ergebnisse der Wiesbadener auch im zweiten Quartal belastet haben. Analysten prognostizieren im Mittel aber dennoch einen leichten Anstieg des operativen Ergebnisses (EBITA) auf 156 (Vorjahr 151) Millionen Euro. Beim Vorsteuerergebnis rechnen die Befragten im Schnitt sogar mit einer deutlichen Verbesserung auf 85 (63) Millionen Euro. Negative Währungseinflüsse im Gasegeschäft und die Konjunkturflaute hatten Linde im ersten Quartal einen unerwartet hohen Gewinnrückgang beschert. Bernd Schnarr von der WGZ-Bank geht davon aus, dass die ungünstigen Wechselkursveränderungen und die schwache Nachfrage in den europäischen Ländern die Ergebnisse bei Linde weiter unter Druck setzen. Der Analyst wollte daher nicht ausschließen, dass Linde zu den Halbjahreszahlen den Ausblick für das laufende Geschäftsjahr nach unten revidieren wird.

Dax dürfte im Plus starten

Zusätzlich zu den Zahlen der Schwergewichte gibt es reichlich Datenmaterial aus der zweiten Reihe. So präsentiert der Lübecker Medizintechnikkonzern Drägerwerk , Börsenstar des vergangenen Jahres, ebenfalls am Donnerstag seine Halbjahreszahlen. Auch bei Fraport , AVA , Aareal Bank , Bechtle , Beru , Koenig & Bauer , BHW Holding , Beate Uhse  und Plambeck  wird heute Bilanz gezogen.

Aufgrund der positiven Zwischenbilanzen von Allianz und Deutscher Telekom wird der Dax  am Donnerstag zum Auftakt voraussichtlich ins Plus ziehen. Die Deutsche Bank  ermittelte einen vorbörslichen Stand von 3.415 Punkten, die Citibank und Lang & Schwarz errechneten ihn bei 3.414 Zählern. Am Vorabend hatten schwache US-Börsen den deutschen Leitindex von seinem Tageshoch geholt. Er ging mit plus 0,51 Prozent auf 3.398,89 Punkten aus dem Handel.

Der Dow Jones  war am Mittwoch um 0,4 Prozent beziehungsweise 38 Punkte auf 9.272 gefallen. Der S&P-500-Index sank um 0,6 Prozent auf 984 Zähler. Der Nasdaq  notierte unverändert bei 1.687 Punkten.

Uns wie immer einige Stunden voraus hat die Börse in Tokio am Donnerstag fest geschlossen. Der Nikkei legte um 160,72 Punkte oder 1,65 Prozent auf 9913,47 Punkte zu. Der breiter angelegte Topix stieg um 14,18 Punkte oder 1,49 Prozent auf 965,94 Punkte.

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