Lufthansa Der Krisengewinner

Trotz schwacher Konjunktur und Nachwirkungen der SARS-Epidemie hat die Airline im zweiten Quartal einen operativen Gewinn erzielt. Konzernchef Mayrhuber bleibt dennoch vorsichtig für das Gesamtjahr.

Frankfurt - Die Lufthansa  hat nach einem kräftigen Verlust im ersten Quartal im zweiten Vierteljahr überraschend einen operativen Gewinn von 65 Millionen Euro erwirtschaftet. Analysten zeigten sich überrascht: Sie hatten erwartet, dass die Lufthansa auch im zweiten Quartal einen operativen Verlust ausweisen werde.

"Wir haben trotz Konjunkturschwäche, Irak-Krieg und SARS ein beachtliches Ergebnis erzielt", sagte der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Mayrhuber am Mittwoch in Frankfurt. Die Aktie der Lufthansa  zog im frühen Handel deutlich an und gehörte zu den größten Gewinnern im Dax.

"Keine schwarzen Zahlen in diesem Jahr"

Da die Airline in den ersten drei Monaten dieses Jahres noch einen Verlust von 415 Millionen Euro verbucht hatte, schließt die Fluglinie das erste Halbjahr mit einem operativen Verlust von 354 Millionen Euro ab.

Der Ausblick der Lufhansa auf das Gesamtjahr bleibt trotz der überraschend guten Zahlen verhalten. Mayrhuber sprach zwar davon, dass die Talsohle der Krise jetzt durchschritten sei. Insgesamt erwartet Mayrhuber aber "keine deutliche Verbesserung für die zweite Jahreshälfte". Somit sei für das Gesamtjahr nicht mit einem positiven Ergebnis zu rechnen.

Umsatz ging zurück

Der Umsatz zwischen Januar und Juni sank den Angaben zufolge um 7,4 Prozent auf 7,6 Milliarden Euro. Die Erlöse im Kernbereich Fluggeschäft gingen um 7,5 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro zurück. Die sonstigen betrieblichen Erträge, zum Beispiel aus dem Verkauf von Maschinen, verdoppelten sich dagegen auf 896 Millionen Euro. Nach Steuern entstand im ersten Halbjahr ein Fehlbetrag von 392 Millionen Euro gegenüber einem Verlust von 27 Millionen Euro ein Jahr zuvor.

Sparen, sparen, sparen

Im gesamten ersten Halbjahr stiegen die Kosten um 4,8 Prozent auf 8,6 Milliarden Euro. Allein die Personalkosten erhöhten sich um exakt 7 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres. Für Treibstoff gab die Airline 658 Millionen Euro aus - 3,5 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2002. Im zweiten Vierteljahr reduzierte die Lufthansa ihre Gesamtkosten allerdings um 0,3 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Dies ist die Folge eines harten Sparkurses. "Für alle Unternehmensbereiche ist weiter hohe Kostendisziplin erforderlich", betonte Mayrhuber, der den 95.000 Mitarbeiter zählenden Konzern seit Juni führt.

Seit April gilt Kurzarbeit für das Kabinenpersonal. Der Einstellungsstopp und die Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich beim Bodenpersonal machten sich bemerkbar. Bereinigt um den Zukauf von Töchtern - darunter die italienische Gesellschaft Air Dolomiti - sanken die Personalkosten um 3,3 Prozent.

"Qualitätsoffensive" gegen Billigflieger

Um den Angriff der Billigflieger zu kontern, hat die Lufthansa eine Innovations- und Qualitätsoffensive gestartet. Internet an Bord, die Ausstattung der Lufthansa- Lounges mit Funkanschlüssen für Laptops, das neue Lufthansa-Terminal in München oder die verbesserte Business Class ab Herbst sind Bestandteile eines verbesserten Angebots für den Kunden.

Doch dass das Fliegen im Schnitt immer billiger wird, spürt auch die Lufthansa. Die Zahl ihrer Fluggäste stieg im ersten Halbjahr um 5,0 Prozent auf 22 Millionen. Gleichzeitig sank aber der Umsatz um 7,4 Prozent auf 7,6 Milliarden Euro im ersten Halbjahr dieses Jahres.

Kein Kommentar zu Swiss

Zu den Gerüchten über eine Kooperation mit der Schweizer Fluggesellschaft Swiss hat sich die Lufthansa in ihrem Halbjahresbericht nicht geäußert. Finanziell leisten könnte sich die Lufthansa einen Einstieg jedenfalls: Die Netto-Verschuldung betrug zum Ende des Halbjahres vergleichsweise niedrige 1,3 Milliarden Euro.

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