Börse Greenspan schaukelt Märkte hoch

Die Aussicht auf langfristig niedrige Zinsen lässt die US-Börsen im späten Handel deutlich steigen. Die Fed verbreitet vorsichtigen Konjunkturoptimismus - ohne von einer Zinserhöhung zu reden. Diese Schaukel-Politik dürfte den Dax über die 3400 Punkte heben, zumal auch Lufthansa, MAN und UBS für Schub sorgen.

Hamburg - Die US-Notenbank (Fed) hat am Dienstag erwartungsgemäß die Leitzinsen unverändert auf dem niedrigsten Niveau seit 45 Jahren belassen und erneut vor den Gefahren sinkender Preise für die Konjunktur gewarnt. Zugleich betonten die Währungshüter in Washington ungewohnt deutlich ihre Bereitschaft, die Zinsen "für eine beträchtliche Zeit" niedrig zu halten. Die sich langsam erholende US-Wirtschaft soll dadurch weitere Impulse erhalten.

Der Schlüsselzins in den USA liegt damit weiter bei 1,0 Prozent und damit nur halb so hoch wie in Euroland. Den Konjunkturausblick beurteilte die Fed eher verhalten optimistisch.

Die Aussicht auf weiter niedrige Zinsen und damit geringe Finanzierungskosten für die Unternehmen lösten an der Wall Street Kursgewinne aus: Der Dow Jones , der bis zum Zinsentscheid um den Vortagesschluss gependelt war, gewann im späten Handel ein Prozent auf 9310 Punkte. Der Nasdaq  kletterte im späten Handel sogar um 1,5 Prozent.

Dax deutlich fester erwartet

Dies dürfte auch dem Dax am Mittwoch einen deutlichen Schub geben. Der Index, der am Vortag mit einem Plus von 1,3 Prozent geschlossen hatte, dürfte im frühen Handel über die Marke von 3400 Punkten klettern.

In ihrer Erklärung hoben die Währungshüter hervor, dass ihre Hauptsorge für absehbare Zeit dem Risiko eines weiteren unerwünschten Inflationsrückgangs gelte. Dieses sei derzeit höher als die Chance für einen deutlichen Anstieg der Teuerung. "In diesem Umfeld gehen wir davon aus, dass die lockere Geldpolitik für eine beträchtliche Zeit beibehalten werden kann", teilte die Fed mit.

In den USA gehen die Experten und auch die Regierung von einer spürbaren konjunkturellen Belebung in der zweiten Jahreshälfte aus. Bereits im zweiten Quartal war das US-Bruttoinlandsprodukt auf das Jahr hochgerechnet um 2,4 Prozent gestiegen. Dieses Wachstumstempo reicht aber noch nicht aus, um für mehr Beschäftigung zu sorgen. Volkswirte rechnen erst ab einem Wachstum von 3,5 Prozent mit Impulsen für den Arbeitsmarkt.

Zinserhöhung frühestens 2004 - Warten auf Preisdaten

Volkswirte erkannten in der Erklärung der Fed wenig neue Aspekte. Lediglich das Signal, die Zinsen in diesem Inflationsumfeld für länger niedrig halten zu wollen, sei ungewohnt deutlich gewesen. Weitere Zinsänderungen erwarten die Experten in diesem Jahr daher nicht mehr. Anfang 2004 rechnen die meisten Experten mit einer Erhöhung der Zinsen.

Mit Spannung werden nun die Erzeuger- und Verbraucherpreisdaten aus den USA erwartet, die am Donnerstag beziehungsweise Freitag veröffentlicht werden sollen. In den vergangenen Monaten haben die Preise praktisch stagniert.

Zu den Konjunkturaussichten äußerte sich die Fed zurückhaltend. "Aufwärts- wie Abwärtsrisiken für das Erreichen nachhaltigen Wachstums in den nächsten Quartalen halten sich nach Einschätzung des Ausschusses in etwa die Waage", hieß es.

Lufthansa überrascht mit operativem Gewinn

Lufthansa überrascht

Die Deutsche Lufthansa  hat am Mittwoch Morgen einen operativen Gewinn für das zweite Quartal gemeldet und damit positiv überrascht.Der operative Gewinn betrug 65 Millionen Euro, teilte die Airline mit. "Wir haben trotz Konjunkturschwäche, Irak-Krieg und Sars ein beachtliches Ergebnis erwirtschaftet", sagte der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Mayrhuber.

Im ersten Quartal hatte die Lufthansa noch einen operativen Verlust von 415 Millionen Euro verbucht. Für das Gesamtjahr rechnet die Lufthansa weiterhin nicht mit einem positiven operativen Ergebnis.

UBS stützt Finanztitel

Auch Finanztitel könnten durch den unerwartet hohen Quartalsüberschuss der Schweizer Großbank UBS  Auftrieb erhalten. Die UBS hatte den Gewinn im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent auf 1,64 Milliarden Schweizer Franken (1,06 Mrd Euro) gesteigert und damit die Analystenerwartungen übertroffen. Dies könnte auch der Aktie der Deutsche Bank  helfen.

MAN steigert Ergebnis

Technologieaktien könnten dagegen unter Druck kommen. Der weltgrößte Anbieter von Produktionsanlagen für die Chipindustrie, Applied Materials hatte am Vorabend mitgeteilt, im dritten Geschäftsquartal einen Verlust in Höhe von 37 Millionen US-Dollar verbucht zu haben. Auch der Umsatz ging deutlich zurück.

Der Maschinenbauer und Nutzfahrzeugkonzern MAN  steigerte dank der Erholung in der Nutzfahrzeugsparte sein Ergebnis im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum wie erwartet deutlich.

Medion mit Ergebnissprung, Nikkei sehr fest

Der im MDAX notierte Handelselektronik-Dienstleister Medion  bestätigte nach einem Umsatz- und Ergebnis-Sprung im ersten Halbjahr seine Wachstumsprognosen für 2003 erneut. Am Markt wird außerdem darüber spekuliert, dass Medion bei der insolventen Elektronikfirma Grundig einsteigen könnte.

Tokio deutlich fester - Euro gibt ab

Die Börse in Tokio hat die guten Vorgaben aus den USA aufgenommen und am Mittwoch deutlich zugelegt. Der Nikkei stieg um 2,0 Prozent auf 9752 Punkte. Am Devisenmarkt notierte der Dollar um 11.00 Uhr Ortszeit fester mit 118,78-81 Yen nach 118,63-65 Yen am späten Vortag. Der Euro tendierte am Morgen zum Dollar leichter bei 1,1252 Dollar nach 1,1362-64 Dollar am späten Vortag.

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