Nasdaq Nach dem Nemax stirbt die Nasdaq

Der Deutschland-Ableger der weltgrößten Technologiebörse hat binnen sechs Monate nur enttäuschende Umsätze generiert. Ende August wird das Segment geschlossen - die US-Börse besinnt sich auf ihre Wurzeln.

New York / Bremen - Nur rund ein halbes Jahr nach seinem Start wird der Handelsplatz Nasdaq Deutschland Ende August wieder geschlossen. Der Handel an der elektronischen Plattform bei der Börse Berlin-Bremen werde mit Wirkung vom 29. August ausgesetzt, teilte der Vorstand im Anschluss an eine außerordentliche Sitzung der Anteilseigner in Bremen mit. Die Entscheidung sei nach "sorgfältiger Prüfung der wirtschaftlichen Perspektiven" gefallen.

Der Ableger der US-Hochtechnologiebörse war erst im März gegründet worden. Die Anteilseigner Nasdaq Europe, Commerzbank, comdirect bank und Dresdner Bank übertragen ihre Anteile den Angaben zufolge an die Bremer Börse. Bereits Ende Juni war bekannt geworden, dass die Nasdaq Europe mit Sitz in Brüssel nach gut zwei Jahren dicht gemacht werden soll, der Ableger in Tokio ist ebenfalls geschlossen.

Letzter Handelstag für die Nasdaq Deutschland wird der Freitag, der 29. August sein. Nach den enttäuschenden Ausflügen im Ausland will sich die US-Börse nun wieder auf den Heimatmarkt konzentrieren. Die deutschen Anteilseigner des Segments waren nicht bereit, nach dem Ausstieg der Amerikaner deren 50-prozentigen Anteil zu übernehmen. Die Entscheidung zur Schließung fiel nun auf einer Sondersitzung des Aufsichtsrats, nach "sorgfältiger Prüfung der wirtschaftlichen Perspektiven".

"Was wir hatten, reichte auf Dauer nicht"

Damit ereilt den Deutschland-Ableger dasselbe Schicksal wie das einstmals hoch gehypte Börsensegment "Neuer Markt": Wegen zahlreicher Skandale der dort gelisteten Unternehmen und zuletzt geringen Interesses der Anleger schloss die Deutsche Börse AG den Neuen Markt im vergangenen Jahr.

Trotz eines leichten Aufschwungs an den Aktienmärkten kam die Nasdaq Deutschland seit ihrem Start Ende am 21. März nie auf nennenswerte Umsätze: Im Juni wurde mit allen gehandelten Aktien gerade einmal ein Umsatz von 147 Millionen Euro gemacht. Das entspricht dem Handelsvolumen eines mittleren M-Dax-Wertes. Im Durchschnitt gab es pro Tag zwischen 1200 und 1900 Transaktionen.

Der neue Nasdaq-Chef Robert Greifeld hatte deshalb schon seit einigen Wochen kaum noch einen Zweifel daran gelassen, dass er das Deutschland-Experiment beenden will. "Die Amis wollten raus, weil nichts läuft", hieß es bei einer der beteiligten deutschen Banken. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Nasdaq Deutschland, Axel Schubert, sagte der dpa: "Was wir hatten, reichte auf Dauer nicht aus."

Marktanteil von 15 Prozent in unerreichbarer Ferne

Der finanzielle Schaden des gescheiterten Experiments hält sich in Grenzen: Das Grundkapital der Nasdaq Deutschland belief sich lediglich auf zwölf Millionen Euro. Die Hälfte der Anteile sowie die Namensrechte waren im Besitz der Nasdaq. Auf die Börse Berlin-Bremen sowie die Dresdner Bank entfielen jeweils 15 Prozent, auf die Commerzbank und deren Online-Tochter comdirect jeweils zehn Prozent. Die Anteile sollen nun an die BWB Holding übertragen werden, die Trägergesellschaft der Bremer Börse.

Arbeitsplätze fallen kaum weg: Die Nasdaq Deutschland kam mit knapp 20 Beschäftigten aus, von denen die meisten nun wieder an die Bremer Börse zurückkehren. Allerdings bedeutet das schnelle Aus einen erheblichen Imageverlust, vor allem für die kürzlich miteinander verschmolzenen Börsen Berlin und Bremen. "Der Imageschaden ist natürlich da. Wie groß er ist, wird sich in den nächsten Monaten zeigen", sagte Schubert.

Ziel war eigentlich, bis 2006 auf einen Marktanteil von 15 Prozent zu kommen und hinter der Deutschen Börse die Nummer zwei zu werden. Bei "günstiger Marktentwicklung" sollten schon 2004 Gewinne geschrieben werden. Diese Hoffnung hatten die Eigentümer aber schon kurz nach dem Start begraben müssen.

Alle Versuche, einen Ersatz für den 50-Prozent-Anteil der Amerikaner zu finden, scheiterten in den vergangenen Wochen. Als potenzieller Investor galt vorübergehend die internationale Börse Euronext. Schließlich handelten sich die Nasdaq- Verantwortlichen dort aber eine Absage ein.

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