RWE Auf gutem Weg

Die Konzerntöchter Innogy und American Water sorgen für ein verbessertes Betriebsergebnis. Zwar wird der Gewinn wie von Konzernchef Harry Roels angekündigt durch Abschreibungen gedrückt, doch Analysten sind zufrieden.

Essen - Höhere Strompreise und die Beiträge neuer Tochtergesellschaften haben den Betriebsgewinn von Deutschlands zweitgrößtem Energiekonzern RWE  in der ersten Jahreshälfte 2003 in die Höhe getrieben. Allerdings drückten die vergangenen Akquisitionen auf Grund der hohen Finanzierungskosten sowie Firmenwertabschreibungen den Nettogewinn deutlich nach unten.

Das Betriebsergebnis erreichte 2,935 Milliarden Euro nach 2,169 Milliarden Euro in den ersten sechs Monaten des Vorjahres, wie RWE am Dienstag in Essen mitteilte. Besonders positiv hätten sich die Konsolidierungen von American Water, der britischen Innogy und der tschechischen Transgas ausgewirkt.

Nettogewinn schrumpft nach Abschreibungen

Bereinigt um Großakquisitionen und Währungseffekte habe RWE im Kerngeschäft rund 13 Prozent über Vorjahr gelegen. Der Nettogewinn schrumpfte den Angaben zufolge jedoch auf 621 (818) Millionen Euro. RWE begründete dies mit planmäßigen Firmenwertabschreibungen und Finanzierungskosten seiner jüngsten Übernahmen.

Für das Gesamtjahr prognostiziert RWE eine Steigerung des Betriebsgewinns im unteren zweistelligen Prozentbereich. Von Reuters befragte Analysten hatten im Mittel ihrer Prognosen einen Betriebsgewinn von 2,9 Milliarden Euro vorausgesagt.

Verschuldung soll schneller sinken als geplant

Die Nettoverschuldung konnte RWE schneller als bislang geplant auf 22,3 Milliarden Euro zum 30. Juni verringern. Für 2005 hat der Konzern sein Verschuldungsziel von ursprünglich 22 Milliarden Euro nunmehr auf unter 20 Milliarden Euro angepasst.

RWE bekräftigte, den Konzernumbau trotz des Widerstandes der kommunalen Aktionäre bei RWE Gas zum 1. Oktober umzusetzen. RWE hatte im Juni einen tief greifenden Konzernumbau angekündigt. Kern der neuen Strategie ist neben der Bündelung der Energieerzeugung in einer neuen Gesellschaft die Zusammenlegung des Vertriebs von Strom und Gas in einem weiteren Unternehmen.

Unter dieser Tochter mit dem Arbeitstitel "Energy" sollen mehrere regionale Vertriebsgesellschaften aufgehängt sein, darunter auch die Energy Nord. RWE hatte den kommunalen Aktionären angeboten, ihren rund 20-prozentigen Anteil an RWE Gas in einen an Energy Nord zu tauschen. Das hatte die Aktionärsgruppe aber kategorisch abgelehnt.

Währungseffekte belasten kaum

RWE-Finanzvorstand Klaus Sturany rechnet 2003 mit keiner nennenswerten Auswirkungen durch den starken Euro. "Die negativen Währungseffekte schlagen insgesamt kaum auf das Nettoergebnis durch, da sie durch niedrigere Goodwill-Abschreibungen und ein verbessertes Finanzergebnis weitgehend kompensiert werden", sagte Sturany am Dienstag.

Unter dem Strich seien die Auswirkungen des starken Euros keine substanzielle Belastung für RWE. Der Konzern ist über Tochtergesellschaften in den USA und Großbritannien vertreten.

RWE hat im ersten Halbjahr auf operativer Ebene eine "Punktlandung" geleistet, schrieb Analyst Christian Schindler von der Landesbank Rheinland-Pfalz in einer ersten Einschätzung an Morgen. Die Ertragszahlen seien durch die Beteiligungen Heidelberger Druckmaschinen und Hochtief beeinträchtigt worden, während sich das Kerngeschäft gut entwickelt habe. Gleichwohl stufte der Experte den Titel weiter mit "Underperformer" ein.

Verwandte Artikel