US-Notenbank Bondmärkte warten auf ein Zeichen

Wohin steuert die US-Konjunktur? Vor allem auf diese Frage erhoffen sich die Märkte am Dienstag eine Antwort. Mit einer weiteren Zinssenkung rechnen Volkswirte nicht - eher schon auf zarte Anzeichen einer möglichen Zinswende.

Washington/Frankfurt - Nach den kräftigen Turbulenzen an den internationalen Rentenmärkten und verstärkten Anzeichen für eine Konjunkturbelebung in den USA rechnen Volkswirte mit einem Stillhalten der amerikanischen Notenbank (Fed) an diesem Dienstag.

Im Blickfeld stehe die Konjunktureinschätzung der Fed und weniger die Leitzinsentscheidung, heißt es bei den Experten einhellig. Die Fed hatte zuletzt Ende Juni die Leitzinsen um 25 Basispunkte auf den historisch niedrigen Stand von ein Prozent gesenkt.

"Der Markt ist gespannt, wie US-Notenbankpräsident Alan Greenspan die Entwicklung an den Bondmärkten interpretiert und zu entschärfen gedenkt", sagte Chefstratege Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank.

Aus Sicht von HSBC Trinkaus & Burkhardt wird die Fed den Wachstumsoptimismus der Märkte ein wenig zügeln und verdeutlichen, dass noch nicht alles Gold ist, was glänzt. Daher rechnen nur wenige Beobachter mit Kommentaren, dass die Notenbank die Zinsen bald wieder erhöhen könnte.

Kritik an der Kommunikationsstrategie

"Die Fed wird die Risiken für die Konjunktur neutral gewichten", heißt es bei den Fed-Experten von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Dies gelte insbesondere für das verarbeitende Gewerbe. Die zuletzt von der Fed angeführten Abwärtsrisiken auf der Inflationsseite dürften zunächst beibehalten werden.

Die Risiko-Einschätzung für die Konjunkturentwicklung der Fed wird nach Einschätzung der Deka Bank "nach den vielen Verunsicherungen, die die Fed in den vergangenen Monaten am Rentenmarkt ausgelöst hat", im Fokus stehen.

Im Mai und Anfang Juni hatten Deflationssorgen der Fed und die Ankündigung, im Kampf gegen das Schreckgespenst der Ökonomen auch "unkonventionelle Maßnahmen" zu ergreifen, die Renditen auf historische Tiefstände fallen lassen. Im Juli drehte der Wind dann ebenso schnell und nicht minder heftig. Die Deflationssorgen der US-Notenbank schienen verflogen. An den Rentenmärkten sackten die Kurse ab und die US-Renditen sprangen um rund einen Prozentpunkt in die Höhe. Die Kommunikationsstrategie war daraufhin erheblicher Kritik ausgesetzt, heißt es bei der Commerzbank.

Die Hoffnung für den US-Arbeitsmarkt wächst

"Eine ausgeglichene Risikoeinschätzung" für die realwirtschaftliche Entwicklung erwartet die Deka Bank angesichts dieser Turbulenzen. Dabei dürfte die Fed einen Rückgang der Inflation als unwillkommen ansehen.

Die Deutsche Bank rechnet wie auch die Deka Bank und die Commerzbank mit einem Stillhalten der US-Währungshüter. Eine erneute Lockerung der Geldpolitik dürfte aus Sicht der Commerzbank in den kommenden Monaten nur dann anstehen, wenn die Kernteuerung weiter rückläufig wäre und sich gleichzeitig Zweifel an der Nachhaltigkeit des Aufschwungs einstellten.

Der Ausblick für den Arbeitsmarkt biete dazu aber in jüngster Zeit wenig Anlass, heißt es bei der Commerzbank. Angesichts der jüngsten Daten zu den Erstanträgen hätten sich die Aussichten für die Beschäftigung tendenziell verbessert.

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