RTV Börsenneuling ohne Pfiff?

Zeichnungsgewinne mitnehmen, aber nicht langfristig einsteigen: Analysten sehen für den Börsendebübanten RTV Family keine ähnliche Erfolgsgeschichte, wie sie der Konkurrent EM.TV hinlegte.

Frankfurt - Mit dem Börsendebüt der RTV Family Entertainment bekommt der Mediensektor im Neuen Markt Nachwuchs. Mit dem Emissionserlös von rund 46,7 Millionen Mark plant der Anbieter von Kinderfilmen und Familiensendungen, seinen Filmrechtehandel zu internationalisieren.

Fraglich ist allerdings, ob die Medientochter der Ravensburger AG damit eine ähnliche Erfolgsstory schreiben wird wie der TV-Vermarkter EM.TV. Die Firma gehörte im Herbst 1997 zu den Pionieren des Neuen Marktes und konnte seit dem Börsengang den Kurs mehr als verzehnfachen.

Die derzeitige Medien-Euphorie am Neuen Markt wird der RTV-Aktie nach Ansicht Michael Gierses von der Frankfurter Fondsgesellschaft Union Investment einen guten Start bescheren. Auch im vorbörslichen Handel mache der Börsendebütant mit Preisen von 17 bis 19 Euro eine sehr gute Figur. Auf lange Sicht sei der Titel jedoch nicht zu empfehlen: "In unser Portfolio kommt RTV nicht, da der Bereich Kinderfilme durch EM.TV sehr gut abgedeckt ist", sagte Gierse, der für die Auswahl der Medientitel für den Fond "Uni Neue Märkte" zuständig ist.

Um ein Strohfeuer handele es sich bei der hohen Nachfrage nach RTV jedoch nicht, schätzt Manfred Krause vom Düsseldorfer Börsenmakler Schnigge. Seit dem die Bookbuildingspanne am 1. Juni bekanntgegeben wurde, hätten die Umsätze täglich bei mehr als 100.000 Stück gelegen. "Natürlich werden einige nur die Zeichnungsgewinne mitnehmen, aber ich glaube nicht, daß der Kurs nach der Bekanntgabe der Zuteilung extrem heruntergeht", sagte Krause.

Riskante Kostenstruktur

Die Parallelen zwischen RTV und seinem Konkurrenten EM.TV sollten nicht überstrapaziert werden, warnt Giese. "Die Produktion ist bei RTV ein fundamental nicht zu unterschätzender Risikofaktor", sagte er. Dieses Kriterium sei auch ausschlaggebend gewesen, um nicht Senator Film, sondern Kinowelt in das Portfolio aufzunehmen. "Die lukrative Vermarktung von Filmrechten ist sicherer."

Die für die Film- oder Fernsehproduktion notwendigen hohen Investitionen lasteten schwer auf den Unternehmensergebnissen. "Gerade am Neuen Markt kann das wegen der Veröffentlichungspflicht von Quartalsergebnissen den Kurs lädieren", sagte Gierse.

Wie die Analysten der Deutschen Bank Research unterstreicht Gierse außerdem, daß sich EM.TV im vergangenen Jahr mit dem Joint-Venture mit der Kirch-Gruppe eine "einzigartige Gelegenheit" aufgetan habe, um das weltweite Geschäft auszubauen. Eine vergleichbare Chance sieht er für RTV gegenwärtig nicht.

Anna Trömel (Reuters)