Telekom Geschenk oder durch Treue erworben?

Die Firma will ihr Versprechen einlösen und im September den Aktionären der ersten Stunde ihre Gratispapiere ausliefern. Unklar ist noch, ob die Bonusaktien versteuert werden müssen.

Bonn - Die Telekom hatte Privatanlegern beim Börsengang im Herbst 1996 für jeweils zehn gekaufte Aktien eine Gratisaktie in Aussicht gestellt, in Aussicht gestellt, wenn die Anteilscheine knapp drei Jahre lang im Depot bleiben. Der Anspruch wurde auf höchstens 30 Bonuspapiere begrenzt. Besitzer von 300 Telekom- Aktien können deshalb zum 30. September mit der Zuteilung von 30 Gratisaktien rechnen, die zur Zeit knapp 1200 Euro (etwa 2350 Mark) wert sind.

Die Besteuerung von Treueaktien ist weiter ungeklärt. Aus Kreisen der Länder-Finanzminister verlautete, eine Mehrheit der Länder wolle die für den 30. September 1999 geplante Zuteilung der Treueaktien wie Gewinnausschüttungen eines Unternehmens behandeln. In diesem Fall müßten die Aktionäre die Bonusaktien zu ihrem persönlichen Höchstsatz bei der Einkommensteuer (Grenzsteuersatz) versteuern.

Die Telekom geht dagegen davon aus, daß die Privatanleger die Treueaktien bereits im November 1996 automatisch miterworben hätten und deshalb nicht mehr steuerpflichtig seien.

In den Kreisen der Finanzminister hieß es weiter, es handele sich um einen "schwierigen Präzedenzfall". Deshalb könne auch angesichts einer Fülle rechtlicher Probleme keine Entscheidung "übers Knie gebrochen werden".

Der frühere Bundespostminister und CSU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bötsch warnte vor einem "großen Vertrauensbruch", der dem Unternehmen und der deutschen Aktienkultur bei einer Steuerpflicht der Bonus-Aktien entstehen würde.

Beim aktuellen Börsengang hat die Telekom Kleinanlegern ein ähnliches Treueangebot in Aussicht gestellt. Die Frage der Besteuerung ist daher auch für Neu-Aktionäre nicht ganz unwichtig.