DaimlerChrysler Schrempp vertröstet die Märkte

Der Vorstandschef übt sich in Optimismus und vertröstet die Märkte auf 2004. Für das laufende Jahr kassiert er die Umsatzprognose, hält aber an den bereits reduzierten Gewinnzielen fest. Die Investoren spielen mit.

Stuttgart - Nach einem Verlust von fast einer Milliarde Euro beim US-Autobauer Chrysler ist der operative Konzerngewinn von DaimlerChrysler  im zweiten Quartal um fast zwei Drittel auf 600 Millionen Euro gesunken.

Steigende Gewinne von Mercedes, im Nutzfahrzeuggeschäft und in der Dienstleistungssparte hätten den operativen Verlust von 948 (Vorjahr: plus 414) Millionen Euro bei Chrysler nicht ausgleichen können, teilte DaimlerChrysler am Donnerstag in Stuttgart mit. Der operative Gewinn brach in den drei Monaten von April bis Juni 2003 zwar um fast zwei Drittel auf rund 0,6 Milliarden (Vorjahr: 1,682) Milliarden Euro ein. Der Konzern übertraf damit die Erwartungen von Analysten jedoch deutlich.

Schrempp vertröstet die Märkte auf das Jahr 2004

Das bereits reduzierte Ziel von Chrysler, 2003 mit einem kleinen operativen Gewinn abzuschließen, sei inzwischen aber mit "erheblichen Risiken" behaftet. Dennoch strebe DaimlerChrysler "weiter an, 2003 im Konzern einen Operating Profit aus dem laufenden Geschäft von etwa fünf Milliarden Euro zu erreichen", hieß es weiter.

Zugleich zeigte sich Konzernchef Jürgen Schrempp optimistisch, dass das Jahr 2004 für den Konzern besser als das Vorjahr ausfallen werde. Angesichts zahlreicher neuer Modelle und den Verbesserungen bei den Effizienzsteigerungsprogrammen sehe "der Trend sehr positiv aus", sagte er in einer Telefon-Analystenkonferenz. Die Fusion von Daimler-Benz und Chrysler vor fünf Jahren bezeichnete er trotz der aktuellen Probleme erneut als erfolgreich.

Prognosen bereits im Vorfeld deutlich gesenkt

Im Juni hatte DaimlerChrysler seine Gewinnprognose von zuvor "mehr als 5,8 Milliarden Euro" gesenkt und erklärt, Chrysler werde im zweiten Quartal etwa eine Milliarde Verlust verbuchen und sein Ergebnisziel von zwei Milliarden Euro 2003 weit verfehlen.

Ergebnisse des zweiten Quartals 2003 nach Sparten

Umsatz im 2. Quartal (zum 30. Juni) 2003 2002
Mercedes Car Group 13,2 13,1
Chrysler Group 11,8 16,4
Nutzfahrzeuge 7,0 7,4
Dienstleistungen 3,5 4,0
Angaben in Milliarden Euro
Operatives Ergebnis 2. Quartal 2003 2002
Mercedes Car Group 861 845
Chrysler Group -948 414
Nutzfahrzeuge 211 -7
Dienstleistungen 334 227
Übrige Aktivitäten 228 253
Angaben in Millionen Euro
Absatz 2. Quartal 2003 2002
Mercedes Car Group 318.000 329.000
Chrysler Group 734.200 771.100
Nutzfahrzeuge 125.700 129.100
Absatz in Einheiten

Im ausführlichen Quartalsbericht bezifferte DaimlerChrysler den operativen Gewinn im Gesamtkonzern mit 641 Millionen Euro, der Nettogewinn lag demnach im Zeitraum April bis Juni bei 109 Millionen Euro. Die Zahl der Beschäftigten weltweit ging binnen Jahresfrist um rund 2000 auf gut 372.000 zurück.

Umsatz 2003 wird stärker schrumpfen als erwartet

Der Konzernumsatz von DaimlerChrysler wird 2003 voraussichtlich stärker schrumpfen als bislang erwartet. Wegen der Aufwertung des Euro zum Dollar und der damit verbundenen Umrechnungseffekte, aber auch wegen des schwächeren Absatzes werde der Umsatz nur 135 (Vorjahr: 149,6) Milliarden Euro erreichen. Bisher hatte der Konzern mit 145 Milliarden Euro gerechnet. Bereits im zweiten Quartal lag der Konzernumsatz mit 34,3 (39,3) Milliarden Euro unter dem Vorjahresniveau, währungsbereinigt belief sich das Minus auf zwei Prozent.

Börse honoriert das Ergebnis mit Kursanstieg

Börse honoriert das Ergebnis mit einem Kursanstieg

An der Börse ist das Quartalsergebnis mit einem deutlichen Kursplus gefeiert worden. Die Aktie notierte am Nachmittag auf 31,20 Euro, ein Plus von 3,4 Prozent.

"Die Marktreaktion hat uns überrascht", erklärte Aktienhändler Stefan Buchholz von der DZ Bank in Frankfurt. "Insbesondere der Umatz lag klar unter den Erwartungen. Aber offenbar haben viele Marktteilnehmer noch Schlechteres erwartet". Auch sei der Ausblick auf den ersten Blick nur verhalten ausgefallen. "Aber der Markt ist heute ohnehin erstaunlich robust", sagte Buchholz und begründete dies mit den freundlichen Zahlen aus dem Hause Siemens . Der Technologiekonzern hatte bereits am Morgen Zahlen vorgelegt.

Händler Stephan Linz von der Baden-Württembergischen Bank in Stuttgart vertrat eine andere Ansicht: "Die Zahlen sind auf den ersten Blick recht positiv", sagte er. "Das Ergebnis von Chrysler ist deutlich besser als erwartet. Hier wurde mit einem viel höheren Verlust gerechnet. Auch der Ausblick ist im Prinzip in Ordnung."

Analysten: "Das Problem ist Chrysler"

Analysten äußerten sich zwiespältig: "Die Zahlen sind sicher besser als erwartet. Aber für die positive Überraschung ist vor allem die Lkw-Sparte verantwortlich", sagte Michael Punzet von der Landesbank Rheinland-Pfalz. "Das Problem ist Chrysler. Die Aussagen zu den Chrysler-Zielen sind für mich eine versteckte Gewinnwarnung", fügte er an.

"Die Gewinnprognose ist nach wie vor ambitioniert", sagte Stephan Droxner von der Landesbank Baden-Württemberg mit Blick auf die angepeilten fünf Milliarden Euro. "Das ist noch nicht in trockenen Tüchern. Allerdings ist das Erreichen des Ziels etwas realistischer geworden."

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