Boeing Der Absturz

Die Branchenkrise verschärft sich. Der Konzern meldet ein enttäuschendes Quartalsergebnis und senkt zudem seine Prognose für das laufende Jahr.

Chicago - Nach einer Milliardenabschreibung im Raumfahrtgeschäft hat der weltgrößte Flugzeugbauer Boeing  seine Umsatz- und Gewinnprognosen für das laufende und kommende Jahr zurückgenommen. Wie das Unternehmen am Mittwoch in Chicago mitteilte, rechnet es wegen der anhaltend schweren Krise in der Zivilluftfahrt 2004 nur noch mit der Auslieferung von 275 bis 290 Flugzeugen. Zuvor war Boeing von 275 bis 300 Passagiermaschinen ausgegangen. Das Geschäft werde sich nicht vor 2005 erholen.

Im zweiten Quartal verzeichnete Boeing einen Verlust je Aktie (EPS) von 0,24 US-Dollar im Vergleich zu einem Gewinn von 0,96 Dollar ein Jahr zuvor. Zwischen April und Juni sank der Umsatz um acht Prozent auf 12,78 Milliarden Dollar. Boeing schloss nun nicht länger aus, angesichts der 1,2 Milliarden Dollar schweren Abschreibung auch im Gesamtjahr in die Verlustzone zu geraten. Der Konzern strich seine Prognose für das laufende Jahr nach dem US-Bilanzierungsstandard GAAP von 68 bis 88 Cent Gewinn je Aktie auf minus sieben bis plus drei Cent zusammen.

Prognosen auch für 2004 gesenkt

Auch für das kommende Jahr senkte der Konzern seine Erwartung. Statt 2,10 bis 2,30 Dollar je Aktie wie bisher peilt Boeing nur noch 1,75 bis 1,95 Dollar je Anteilsschein an. Während die Umsatzprognose für das laufende Jahr unverändert bei rund 49 Milliarden Dollar liegt, senkte Boeing die Schätzung für 2004 von bislang 52 bis 54 Milliarden Dollar auf rund 52 Milliarden Dollar.

Die Zahl der ausgelieferten Flugzeuge sank den Angaben nach im zweiten Quartal um 34 Prozent auf 74 Maschinen. Der Umsatz in der Zivilsparte ging um 24 Prozent auf 5,82 Milliarden Dollar zurück. Der Betriebsgewinn sei um 44 Prozent auf 313 Millionen Dollar gesunken, hieß es.

Milliardenabschreibung im Raumfahrtgeschäft drückte die Rüstungssparte kräftig ins Minus. Zwar stieg der Umsatz um sieben Prozent auf 6,56 Milliarden Dollar, doch der Betriebsgewinn brach von 639 Millionen Dollar ein Jahr zuvor auf minus 429 Millionen Dollar ein.

Das Geschäft "implodiert"

"Es wird wohl noch bis 2006 oder 2007 dauern, bis für Boeing wieder normale Jahre kommen", sagte ein deutscher Luftfahrtanalyst. Einen Umsatzrückgang um ein Viertel im zivilen Flugzeugbau, wie ihn Boeing präsentiert habe, werde es beim europäischen Mitbewerber Airbus nicht geben, sagte er. Das Geschäft "implodiere". Trotz aller Probleme würde er die Aktie auf "Neutral" belassen, denn langfristig könnte man gut in die Aktie investieren. Unter ihr bisheriges Acht-Jahrestief von 25,00 Dollar werde sie kaum fallen.

An der Wall Street sackte die Aktie im frühen Handel um rund 2,5 Prozent. Zuletzt erholte sie sich jedoch wieder deutlich und wurde gut ein Prozent fester mit 32,92 Dollar gehandelt.

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