Dienstag, 20. August 2019

Die Steuer-Kolumne Reform plus Reform gleich Null

Eine Reform frisst die andere auf, und der Beitragszahler ist der Verlierer. Denn was den Bürgerinnen und Bürgern über die Steuerreform gegeben werden soll, wird ihnen über die Gesundheitsreform wieder abgenommen. Dem Bürger bleiben rund elf Euro pro Monat.

Damit wird das Ziel der vorgezogenen Steuerreform - mehr Geld für den Konsum - unerreichbar. Selbst in den Reihen der Koalition wird der gefundene Kompromiss - zu Recht - kritisiert. Der SPD-Sozialexperte Peter Dreß räumte beispielsweise ein, dass der Versicherte der Verlierer dieser Reform sei.

Hartmut Fischer
Zwar spricht die Grünen-Unterhändlerin Birgitt Bender von einem beträchtlichen Solidarbeitrag, den beispielsweise die Pharmaindustrie leisten müsse - wie dieser Beitrag jedoch aussieht, bleibt im Dunkeln. Den Löwenanteil der Kosten für die Gesundheitsreform müssen die Versicherten tragen.

500 Euro kommen schnell zusammen

Die jährlichen Belastungen, so der Vorschlag zur Gesundheitsreform, soll zwei Prozent des Bruttoeinkommens nicht übersteigen. Dieser Betrag ist schnell erreicht. Bei einem Jahreseinkommen von 30.000 Euro wären dies 600 Euro. Bedenkt man, dass beim Medikamentenkauf bis zu zehn Euro Zuzahlung erfolgen, der Arztbesuch pro Quartal mit weiteren zehn Euro zu Buche schlägt und ein Krankenhausaufenthalt mit bis zu 300 Euro mitfinanziert werden soll, sieht man, wie schnell der Höchstbetrag von 600 Euro erreicht wird. Die Verhandlungsteilnehmer gehen denn auch von Belastungen zwischen 400 und 600 Euro aus - im Durchschnitt also rund 500 Euro, die finanziert werden müssen.

Beispielrechnung

Nehmen wir einen Junggesellen mit einem Bruttoeinkommen von derzeit 30.000 Euro und einer Zuzahlung im Rahmen seiner Gesundheitsversorgung von insgesamt 500 Euro, so würde die folgende Rechnung entstehen:

Derzeitiger Krankenversicherungsbeitrag (14,4 %*) 2.160,00 Euro
Zukünftiger Krankenversicherungsbeitrag (13,0 %*) 1.950,00 Euro
Vorteil 210,00 Euro
Eigenanteile an Krankheitskosten (Medikamente, Ärztepauschale, Krankenhauskosten usw.) 500,00 Euro
Fehlbetrag 290,00 Euro
* jeweils lediglich Arbeitnehmeranteil

Mit dem Fehlbetrag von 290 Euro ist es aber nicht getan. Denn in den Eigenanteilen, die mit zwei Prozent des Jahresbrutto gedeckelt wurden, sind die Kosten für neue Zusatzversicherungen nicht enthalten. Zukünftig muss der Arbeitnehmer jedoch die Kosten für Krankengeld und Zahnersatz über eine obligatorische Versicherung selbst tragen. Hier muss mit monatlichen Gesamtkosten von rund 15 Euro gerechnet werden.

Dies ergibt pro Jahr für Zusatzversicherungen 180,00 Euro
Gesamtfehlbetrag 470,00 Euro

Die Gesundheitsreform bringt also Belastungen für den Versicherten, die mit den kalkulierten Entlastungen durch die Steuerreform verrechnet werden können.

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