Steuern Ab jetzt in die eigene Tasche

Am Samstag abend um 22.48 Uhr schlägt die Gedenkuhr des Bundes der Steuerzahler. Bürger und Wirtschaft haben dann "rein rechnerisch" die für 1999 fälligen 1658 Milliarden Mark an Steuern und Sozialabgaben erarbeitet, stellte die Organisation am Freitag fest. Neue Steuern sind in Planung.

Bonn - Die Steuerzahler könnten damit für den Rest des Jahres voll für die eigene Tasche wirtschaften. Damit habe sich der Steuerzahler-Gedenktag - vor zehn Jahren noch am 23. Mai - 1998 weitere zwei Tage ins Jahr hinein verschoben.

Zur Ermittlung dieses Stichtages werden die Steuer- und Sozialabgabenquote auf das Kalenderjahr umgelegt. 43 Prozent des angenommenen Bruttoinlandsprodukts von 3 856 Milliarden Mark in diesem Jahr seien 1999 rein rechnerisch nach 156 Tagen, 22 Stunden und 48 Minuten erreicht. Danach sind in diesem Jahr gut 906 Milliarden Mark Steuern (Quote von 23,5 Prozent) und knapp 752 Milliarden Sozialbeiträge (Quote von 19,5 Prozent) zu zahlen.

Unterdessen droht eine Anleger-Steuer. Noch vor dem EU-Gipfel unter finnischer Präsidentschaft im Dezember in Helsinki solle eine Einigung für eine Quellensteuer erzielt werden. Die Europäische Kommission hatte den 15 EU-Staaten vorgeschlagen, entweder eine 20prozentige Kapitalertragsteuer einzuführen oder Zinseinkünfte von EU- Ausländern an deren heimische Finanzämter zu melden. Widerstand gegen eine Quellensteuer gibt es aber vor allem in Großbritannien, da die Regierung in London negative Auswirkungen auf den Londoner Eurobond-Markt fürchtet.

Auch in der Frage einer Harmonisierung der Energiesteuern in der EU, die mit Blick auf die deutsche Öko-Steuer vor allem von der Bundesregierung gefordert wird, solle bis Ende des Jahres eine Einigung erzielt werden, hieß es weiter. Gegen eine Energiesteuerregelung haben aber Spanien und Irland Bedenken geltend gemacht, die dadurch eine Gefahr für ihre wirtschaftliche Entwicklung sehen.

Die Staats- und Regierungschefs wollen zudem bis Ende des Jahres unfaire Steuerpraktiken im Kampf um Firmenansiedlungen in den Mitgliedstaaten abstellen. Insgesamt müßten die Steuersysteme in der EU beschäftigungsfördernd gestaltet werden.