US-Notenbank Zinsen bleiben auf Rekordtief

Die Leitzinsen sollen dauerhaft niedrig bleiben, sagt Fed-Chef Alan Greenspan. Sogar eine weitere Zinssenkung sei möglich, denn Deutschland und Japan könnten das US-Wirtschaftswachstum gefährden.

Washington - US-Notenbankchef Alan Greenspan hat am Dienstag ungewohnt deutlich signalisiert, dass die Fed die Leitzinsen zur Konjunkturbelebung für eine beträchtliche Zeit auf niedrigem Niveau belassen will. "Der FOMC (Offenmarktausschuss der Fed) steht bereit, seine sehr lockere geldpolitische Haltung so lange beizubehalten wie nötig, um eine befriedigende Wirtschaftsleistung zu bekommen", sagte der wichtigste Notenbanker der Welt bei seiner mit Spannung erwarteten Anhörung vor dem Finanzdienstleistungs-Ausschuss des Repräsentantenhauses in Washington.

Sollte das Wachstum der weltgrößten Volkswirtschaft nicht kräftig an Fahrt gewinnen, stehe die Fed zu weiteren Zinssenkungen bereit. Greenspan räumte ein, es bestehe eine - allerdings sehr geringe - Gefahr einer konjunkturschädlichen Deflationsspirale, der die Fed entgegentreten werde. In dem schwachen Wirtschaftswachstum der wichtigen US-Handelspartner Deutschland und Japan sah er ein Risiko auch für die weitere Konjunkturentwicklung in den USA.

"Bei einem Schlüsselzins von derzeit 1,00 Prozent könnten weitere deutliche Lockerungen der Geldpolitik anstehen, wenn der FOMC derartige Schritte für notwendig erachtet", sagte Greenspan vor den Parlamentariern. Der Möglichkeit ungewöhnlicher geldpolitischer Schritte zur Erhöhung der Liquiditätsversorgung, wie dem massiven Rückkauf von Staatsanleihen, erteilte er jedoch eine Absage. "Angesichts der sehr stark stimulierend wirkenden Fiskal- und Geldpolitik (...) ist es höchst unwahrscheinlich, dass eine Situation eintritt, die derartige Schritte erforderlich machen würde."

Greenspan warnt vor der Deflationsspirale

Greenspan hob aber erneut die grundsätzliche Gefahr einer weiter rückläufigen Inflation hervor. Daraus könne sich bei schwacher Nachfrage auch eine Deflationsspirale entwickeln, was aber sehr unwahrscheinlich sei.

Eine rückläufige Entwicklung der Erzeuger- und Verbraucherpreise zum jeweiligen Vormonat hatte in den vergangenen Monaten Befürchtungen aufkommen lassen, den USA drohe eine Abwärtsspirale aus sinkendem Preisniveau und rückläufiger Nachfrage.

An den Finanzmärkten sorgten Greenspans Äußerungen zunächst nur für verhaltene Reaktionen. Die US-Börsen und der Dollar tendierten kaum verändert. Die meisten Analysten erwarten, dass die Fed angesichts der sich weiter nur langsam erholenden Konjunktur grundsätzlich zu einer weiteren Zinssenkung bereit ist.

Die US-Notenbank hatte zuletzt Ende Juni den Schlüsselzins um 25 Basispunkte auf das niedrigste Niveau seit 1958 reduziert. Damit senkte sie den Leitzins seit Anfang 2001 in 13 Schritten um insgesamt 5,5 Prozentpunkte.

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