Telekom Loblied der US-Banker

Merrill Lynch ändert seine Meinung zur Deutschen Telekom und rät - ebenso wie Goldman Sachs - zum Kauf der T-Aktie. Gute Aussichten im US-Mobilfunksektor sorgen für Potenzial.

London / Frankfurt am Main - Die Investmentbank Merrill Lynch gehört nicht eben zu den traditionellen Fans der Deutschen Telekom. Nun aber haben die US-Banker ihre Meinung über den Ex-Monopolisten geändert und die T-Aktie  auf "Kauf" hochgestuft. Die Aktie sei günstig bewertet: Nach einem Meeting mit dem Management von T-Mobile USA sehen die Analysten von Merrill steigende Chancen im US-Mobilfunkgeschäft.

Das Zwölf-Monats-Kursziel für die T-Aktie wurde auf 15,50 Euro hochgestuft. Die unklare Bilanzstruktur sei der Hauptgrund, dass die Erwartungen nicht noch höher gesetzt werden, teilte Merrill Lynch am Montag in London mit. Nach der jüngsten Schwäche des Aktienkurses, der auch von der Anleihe der Kreditanstalt für Wiederaufbau belastet wurde, seien die Telekom-Aktien im Vergleich zur Branche attraktiv bewertet.

Trotz Dividendenausfall günstig - gutes Quartal bei T-Mobile USA erwartet

"Selbst unter Berücksichtigung der vergleichsweise hohen Verschuldung und dem zu erwarteten Dividendenausfall halten wir die Aktien für relativ günstig", hieß es in der Studie. Zudem hätten sich insbesondere die Geschäftsrisiken auf dem US-Mobilfunkmarkt reduziert.

Nach Einschätzung von Merrill Lynch wird vor allem der US-Mobilfunksektor in den kommenden Quartalen weiterhin solide Ergebnisse liefern. T-Mobile USA dürfte im gerade abgelaufenen zweiten Quartal einen Kundenzuwachs von 625.000 Teilnehmer verzeichnet haben, schätzten die Analysten. Die US-Tochter könne auf Grund einer starken Markenbekanntheit unter anderem von den Problemen der Wettbewerber Cingular und AT&T Wireless mit dem Wechsel der Mobilfunktechnik profitieren.

Zudem könnten sich bei den Gewinnmargen der Festnetz-Tochter T-Com, bei den Investitionen und bei der Nettoverschuldung noch positive Überraschungen ergeben, die sich auf den Barmittelüberschuss (Free Cash Flow) des größten europäischen Telekom-Konzerns auswirken könnten. Die Analysten wollen dazu die am 14. August anstehenden Quartalsergebnisse der Telekom abwarten.

Goldman Sachs setzt Kursziel deutlich höher

Goldman Sachs sieht fairen Wert bei 17,40 Euro

Mitte Juni hatte sich bereits die US-Investmentbank Goldman Sachs positiv zum US-Mobilfunkgeschäft der Telekom und zum Festnetzgeschäft in Deutschland geäußert. "Wir glauben, dass die Chance besteht, dass die Deutsche Telekom ihre selbst gesteckte Prognose für das Ebitda übertreffen wird", hatten die Analysten der Bank mitgeteilt. Den fairen Wert der Telekom-Aktie hatte Goldman Sachs bei 17,4 Euro veranschlagt.

Die Telekom will im laufenden Jahr im Konzern ein Ergebnis vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und Amortisationen (Ebitda) von 17,2 bis 17,7 Milliarden Euro erwirtschaften. Dieses Ziel werde unabhängig vom Konjunkturverlauf erreicht, hatte das Telekom-Management unlängst prognostiziert.

Anleihe der KfW belastet nur kurzfristig

In der vergangenen Woche hatte eine in Telekom-Aktien wandelbare Anleihe der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau die Aktie der Deutschen Telekom zeitweise belastet. Analysten gewinnen der Anleihe jedoch auch positive Seiten ab: Damit sinke die Sorge um eine direkte Platzierung von T-Aktien. Weiterhin steige die Anzahl der frei handelbaren Aktien, der so genannte Freefloat.

Aus markttechnischer Sicht erwarte die Bank keinen nachhaltigen Einfluss, da die Anleihe erst beim Kurs von rund 18 Euro in Aktien gewandelt werden könne. Das weitere Kurspotenzial könne allerdings kurzfristig unter Druck geraten, wenn die KfW-Anleihe gewandelt werde.

Telekom: Kreditwächter loben Schuldenabbau Aktien-Check: "Erfolgsstory Telekom"

Verwandte Artikel