Ärzte Generationswechsel beim Verband

Nach 21 Jahren gibt Ärzte-Präsident Vilmar das Amt an seinen Wunschnachfolger ab. Jörg-Dietrich Hoppe setzte sich bei der Wahl deutlicher als erwartet gegen Ulrich Montgomery durch.

Cottbus - Mitten in einem scharfen Konflikt mit der rot-grünen Regierung um die Gesundheitsreform 2000 übernimmt der Dürener Pathologe Jörg-Dietrich Hoppe nach 21 Jahren vom langjährigen Ärztepräsident Karsten Vilmar das Ruder. Am Freitag wählte der Deutsche Ärztetag den 58 Jahre alten Krankenhausarzt in Cottbus zum neuen Spitzenvertreter der 358 000 Ärzte.

Klarer als erwartet setzte er sich in einem Wahlduell gegen den redegewandten Vorsitzenden des Marburger Bundes, Frank Ulrich Montgomery (47), durch. Hoppe erhielt 181 Stimmen, sein Rivale nur 60.

Eine Schonfrist bleibt dem neuen "Chefarzt der Nation" nicht. Im Streit um die Bonner Reform muß das CDU-Mitglied einerseits die Ärzteschaft einen und den Abwehrkampf gegen die Bonner Reformpläne führen, die viele Mediziner als Kriegserklärung empfinden.

Anderseits muß der bisherige Vizepräsident der Bundesärztekammer die schwer gestörten Beziehungen zur rot-grünen Regierung, wenn nicht kitten, so zumindest entspannen, und den Ärzten mehr Gehör in Bonn verschaffen.

Nach 21 Jahren Vilmar wird Hoppe auch im Stil eigene Akzente setzen. Die griffigen, provokanten Sprüche seines Vorgängers sind seine Sache nicht. Der hagere Krankenhausarzt bevorzugt eher sachliche Töne, formuliert bedächtig und meist differenziert.

Medizin-ethische Fragen sind ihm besonders wichtig. Den mediengerechten Auftritt muß er noch üben. Die scharfe Analyse liegt ihm mehr als der polemische Schlagabtausch. Dabei besticht der zunächst trocken wirkende Pathologe mit jungenhaftem Charme und verschmitztem Humor.

Hoppe gilt als "Integrationsfigur", die die Grabenkämpfe zwischen Klinik- und Kassenärzten sowie Haus- und Fachärzten befrieden könnte. Ihm wird die Gabe zum Ausgleich nachgesagt. Vilmar machte keinen Hehl daraus, daß er sich Hoppe als Nachfolger wünscht.

Beide sind seit Jahren politische Weggefährten und Freunde. Und beide eint die Ansicht: Ins Gesundheitswesen muß mehr Geld. So will Hoppe gegen das "Diktat der Ökonomie und eine staatliche Zuteilungsmedizin kämpfen".

Der Vater dreier Kinder fühlt sich zu "drei Vierteln als Westfale und einem Viertel als Westpreuße". Er wurde am 24. Oktober 1940 in Thorn an der Weichsel geboren und flüchtete als Kind mit seinen Eltern in den Westen nach Recklinghausen. Im Bombenbeschuß verlor er das linke Auge und trägt nun ein Glasimitat.

Seit 1982 arbeitet der leidenschaftliche Bergsteiger als Chefarzt am Institut für Pathologie der Krankenhaus Düren GmbH. Als Nachfolger von Vilmar und Vorgänger von Montgomery stand er von 1979 bis 1989 an der Spitze des Klinikärzteverbandes Marburger Bund. Seit 1993 ist er Präsident der Ärztekammer Nordrhein, der drittgrößten Ärztekammer.