MLP Experten sehen das Ende der Zitterpartie

Der Vorstand schürte unlängst noch Optimismus. Doch Analysten glauben, die Tage des Finanzdienstleisters im Dax-30 sind gezählt. Sie halten das Unternehmen im MDax für besser aufgehoben. T-Online gilt als heißer Aufstiegskandidat.

Frankfurt - Die Tage von MLP  im Dax  scheinen nun endgültig gezählt zu sein. Wenn die Deutsche Börse im August entscheidet, wer in welchem Index bleibt, könnte es für den Finanzdienstleister eng werden, sagen Marktteilnehmer.

Nach monatelangem Zittern schätzen nun immer mehr Börsianer, dass die Aktie im MDax  besser aufgehoben sei und erwarten, dass die Strategen der Börse das ebenso sehen. Einen potenzieller Nachfolger, der den Platz im Dax am 22. September erobern könnte, haben die Auguren im Frankfurter Bankenviertel auch schon gefunden: T-Online .

"Wir sähen die MLP-Aktie lieber im MDax , dort könnte sie sich besser vom Kurssturz des vergangenen Jahres erholen", sagte Analystin Rabea Bastges von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Dann wären auch die Diskussionen um die Fast-Exit-Regel vom Tisch und MLP-Aktien würden nicht mehr so wild wie bisher hin und her schwanken.

Mit dieser Regel ist festgelegt, dass eine Aktie aus dem Dax verbannt werden kann, wenn das Unternehmen unter Platz 45 bei Börsenumsatz oder Marktkapitalisierung fällt. Doch ab August gilt die strengere 35/35-Regel. Zurzeit nimmt MLP laut Händlern die Plätze 45 und 31 ein. Entschieden wird aber anhand der Börsendaten vom 31. Juli.

Auf der jüngsten Rangliste, die im Juni erstellt worden war mit Stichtag 31. Mai, war MLP bei Börsenumsatz von Platz 25 auf 30 zurückgefallen. Das war genug, um einen Dax-Platz zu rechtfertigen. Schwieriger war schon damals die Marktkapitalisierung. Hier belegte das Heidelberger Unternehmen weiter nur Platz 51.

Aktie sollte ungeschoren davon kommen

Eine neuerliche Talfahrt an der Börse erwarten die meisten Marktteilnehmer jedoch nicht, falls der Börsenbetreiber tatsächlich gegen MLP entscheidet. "Wir rechnen schon lange mit dieser Entscheidung", sagte ein Händler. MLP werde deshalb "relativ ungeschoren davon kommen". MLP hat in diesem Jahr in Sachen Marktkapitalisierung unter Platz 50 rangiert, resümierte ein anderer Börsianer. Nun werde es Zeit für einen neuen Anwärter auf den Dax-Platz.

T-Online gilt als heißer Dax-Kandidat

Den haben die Marktteilnehmer inzwischen auch ausgemacht: Der Internetdienstleister T-Online gilt allgemein als Favorit mit den Plätzen 28 und 33 auf der Rangliste. Zwar hält die Konzernmutter Deutsche Telekom  75 Prozent an dem Unternehmen, sagte Volker Borghoff, Marktstratege bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Aber die Regel, dass ein so hoher Besitz nicht erlaubt sei, um beide Unternehmen in einem Premium-Segment zu listen, sei ja zum Glück abgeschafft.

Die "Zugangsdaten" des Kosmetikherstellers Beiersdorf  zum Dax seien zwar attraktiver - hier ermittelten die Marktteilnehmer Rankings von 27 und 34 - aber zu unsicher sei, wer künftig wie viel Anteil am Nivea-Hersteller haben werde: "So lange die Gefahr besteht, dass der Anteil frei handelbarer Aktien (Free Float) sinkt, ist ein Dax-Aufstieg für Beiersdorf unwahrscheinlich", sagte Volker Borghoff.

Continental scheitert an Kriterien

Der Free Float würde sinken, wenn zum Beispiel der Kaffeeröster Tchibo seinen Anteil (derzeit 30,06 Prozent) weiter erhöhen würde. Die Allianz  will ihre 44 Prozent am Unternehmen verkaufen - und Tchibo hält bereits die Hände auf. 30 Prozent frei handelbarer Aktien sind aber eine weitere Bedingung, um in der obersten Börsenliga notiert sein zu können.

Zweitanwärter Continental  würde derzeit ebenfalls an den hohen Hürden ins oberste Börsensegment scheitern. Der Reifenhersteller belegt beim Umsatz Platz 29, bei der Marktkapitalisierung Rang 36, sagte Volker Borghoff.

Bei Analysten steht die Aktie ohnehin nicht mehr sonderlich hoch im Kurs. Sie haben Zweifel, dass das Unternehmen in diesem Jahr seine Gewinnprognose von 65 Millionen Euro vor Steuern erreichen kannt. Experten von Helaba Trust stuften den Wert unlängst von "Neutral" auf "Untergewichten". Sal. Oppenheim sieht in der Aktie nur noch einen "Underperformer". Die Nord LB stufte den Titel auf "Reduzieren" und begründeten dies damit, dass sie in MLP einen potenziellen Dax-Abstiegskandidaten sehen.

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