Springer Verlag soll international wachsen

Der Verlag will seine prallgefüllte Kasse im Ausland ausgeben und dort künftig rund ein Drittel des Umsatzes machen. In der Pipeline sind auch neue Wirtschaftsblätter. Die "Welt" kostet weiterhin einen zweistelligen Millionenbetrag.

Berlin - Springer will in den nächsten zehn Jahren den im Ausland erwirtschafteten Umsatz von heute 13 auf mindestens 30 Prozent ausbauen. Das kündigte der Vorstandsvorsitzende August Fischer an. Eingesetzt werden sollen dafür die deutlich wachsenden liquiden Mittel. Ende vergangenen Jahres erreichten die 715 Millionen Mark. Bis Ende April stiegen sie sogar auf 760 Millionen, rechnete Finanzvorstand Falk Ettwein vor.

Der Verlag habe eine strategische Größe erreicht, die den Schritt in neue Wachstumsmärkt möglich mache - ohne daß Fischer freilich konkrete Projekte benennen wollte. Mit den bisher getroffenen Weichenstellungen im Konzern sei jedoch "the point of no return" auf dem Weg zum internationalen Medienunternehmen überschritten.

Die beiden Firmengründungen Axel Springer Publishing International Ltd sowie die Axel Springer TV-International Ltd, beide London, dienten der Sondierung neuer Märkte, in die Fischer "forciert" investieren will. Daneben soll in Deutschland noch 1999 eine neue Zeitschrift auf den Markt kommen. Um die ökonomische Kompetenz zu stärken, will Vorstand Claus Larass ausgehend von "Euro am Sonntag" und der schweizerischen "Handelszeitung" eine "Kette von Wirtschaftszeitungen" aufbauen.

Die ursprünglich 20prozentige, seit 1997 knapp 41prozentige Beteiligung an SAT.1 hat Ettwein zufolge inzwischen rund 330 Millionen Mark gekostet. Die Welt", die laut Ettwein in spätestens fünf Jahren schwarze Zahlen schreiben müsse, habe 1998 einen Verlust erwirtschaftet, der "nicht einstellig" war, sich also auf mindestens zehn Millionen Mark belief.

Als 1998er DVFA/SG-Ergebnis weist Springer 240 (223) Millionen Mark aus, was 70,47 (65,48) Mark je Aktie entspreche.

Von den Gesamt-Erlösen von 4,811 Milliarden Mark (plus 4,6 Prozent gegenüber 1997) erwirtschafteten der Vertrieb 1,98 Milliarden Mark (plus 3,2 Prozent), Anzeigen 2,055 (3,8 Prozent) sowie die übrige Bereiche 778 Millionen Mark, was einer Steigerung von gut einem Zehntel entspricht, die allerdings hauptsächlich auf die Neukonsolidierung der Buchverlage zurückzuführen ist. Die Umsatzrendite wurde auf 5,7 (4,6) Prozent angehoben, die Eigenkapitalrendite gibt Ettwein mit inzwischen 31,8 (28,3) Prozent an.

Eine Gegenüberstellung der liquiden Mittel mit den langfristigen Verbindlichkeiten von 205 Millionen Mark zeige, daß der Verlag rechnerisch schuldenfrei sei.