Worldcom US-Justiz stimmt Rekordstrafe zu

Der Telefonkonzern muss wegen Bilanzbetrug 750 Millionen Dollar zahlen. Nun soll aus dem Skandalunternehmen ein Musterbeispiel an Corporate Governance werden.

New York - Wegen Bilanzbetrugs muss der US-Telekommunikationskonzern WorldCom eine Strafe in der Rekordhöhe von 750 Millionen Dollar (660 Millionen Euro) zahlen. Das zuständige Gericht in New York stimmte am Montag (Ortszeit) einer entsprechenden Einigung zwischen WorldCom und der US-Börsenaufsicht SEC zu.

Eine noch höhere Strafe hätte das endgültige Aus für das Unternehmen bedeuten können, erklärte Bezirksrichter Jed Rakoff. "Dies würde die 50.000 Beschäftigten ungerecht bestrafen und einen wichtigen Wettbewerber aus dem Markt drängen."

Ursprünglich hatten sich die beiden Parteien auf eine Zahlung von 500 Millionen Dollar geeinigt, in der vergangenen Woche aber die Summe um Aktien im Wert von 250 Millionen Dollar erhöht. Die SEC hat dem zahlungsunfähigen Konzern vorgeworfen, die Bilanzen gefälscht und Verluste in Milliardenhöhe verschleiert zu haben.

Größte Firmenpleite der US-Geschichte

Knapp einen Monat nach Bekanntwerden des Bilanzskandals hatte WorldCom im Juli vergangenen Jahres Insolvenzantrag gestellt. Es war die größte Firmenpleite in der US-Geschichte.

Die Zustimmung zu der Einigung bedeute nicht, dass die "Sünden der Vergangenheit vergessen oder völlig vergeben sind", erklärte Richter Rakoff in seiner 14-seitigen Urteilsbegründung. WorldCom-Chef Michael Capellas sagte, die Bemühungen, das Unternehmen aus der Insolvenz herauszuführen, lägen weiter im Zeitplan. Der Konzern werde nun ein "Musterbeispiel an Corporate Governance", versprach er.

Das Unternehmen, das im Telekom- und Internet-Boom der späten 90er Jahre zu den aggressivsten und am schnellsten wachsenden Firmen gehörte, hofft, die Insolvenz bis zum Herbst abwickeln zu können. Die Firma will dann wieder den alten Namen MCI annehmen.

Verwandte Artikel