Telekom T-Aktie schmiert nach Wandelanleihe ab

Eine rund fünf Milliarden Euro schwere Wandelanleihe der Kreditanstalt für Wiederaufbau drückt den Kurs der T-Aktie deutlich. Das Bundesfinanzministerium bestreitet einen Zusammenhang der Transaktion mit den geplanten Steuererleichterungen.

Frankfurt - Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) plant die Emission einer in Aktien der Deutsche Telekom  wandelbaren Anleihe. Geplant sei ein Gesamtvolumen von 4,5 Milliarden Euro, teilte die KfW am Dienstag mit. Dies entspreche einem Anteil von rund 5,8 Prozent an dem Unternehmen. Die Emission könne durch Ausüben einer Mehrzuteilungsoption um weitere 500 Millionen Euro aufgestockt werden.

Insgesamt hält die KfW rund zwölf Prozent der Telekom-Anteile. Für die kommenden 180 Tage hat sich die KfW nach eigenen Angaben dazu verpflichtet, keine Anteile an der Telekom zu verkaufen. Mit der Emission sind die Deutsche Bank und JP Morgan Securities beauftragt.

T-Aktie gibt deutlich nach

Die Aktien der Telekom verloren am Dienstag Vormittag rund 4,40 Prozent auf 12,67 Euro. Der Dax  dagegen verbuchte Gewinne von rund einem Prozent auf 3361 Zähler.

Für die Anleihe sei eine fünfjährige Laufzeit geplant, teilte die KfW weiter mit. Nach drei Jahren solle das Papier jedoch vorzeitig kündbar sein. Die Anleihe werde nominal mit 0,25 bis 0,75 (Kupon) verzinst, die Wandlungsprämie werde 38 bis 43 Prozent betragen. Die detailierten Konditionen will die Bank am Dienstag, 8. Juli, bekannt geben. Die genaue Zahl der Aktien, die mit dem Bond ausgegeben werden, wird sich der KfW zufolge erst auf Basis des durchschnittlichen Aktienkurses während des dann endenden Bookbuilding-Verfahrens ermitteln lassen.

Telekom bewertet Pläne der KfW positiv

Die Telekom reagierte am Dienstag positiv auf die Pläne der KfW. Die Anleihe sei eine für die T-Aktie marktschonende Maßnahme, mit der gleichzeitig die Finanzierungserfordernisse der KfW und ihres Haupt-Anteilseigners, des Bundes, berücksichtigt werden könnten, teilte die Telekom mit. Ein Analyst sah das anders: "Wenn die T-Aktie ihre Talfahrt beibehält, kann man kaum von einer schonenden Maßnahme sprechen."

Ein Händler in Frankfurt vermutete allerdings nur begrenzt dauerhaftes Abwärtspotenzial für die Telekom-Aktien. Anleihen würden nicht mehr so negativ am Markt aufgefasst, wie dies in den vergangenen Monaten bei schwachen Börsen der Fall war.

"Nicht geschenkt, aber der Preis ist fair"

Am Anleihenmarkt hieß es, diese Emission sei richtungweisend und werde in keinem wichtigen Portfolio fehlen. "Es ist eine Benchmark-Transaktion, die in jedem Wandelanleihen-Portfolio vertreten sein wird. Sie wird im Grunde vom Bund begeben und wird dann in eine der größten Aktien des Dax gewandelt", sagte Brian Kelly, Leiter des Handels mit Wandelanleihen bei der Commerzbank. Im Graumarkt werde die Anleihe bereits zu Kursen unter Ausgabepreis gehandelt. "Sie ist nicht geschenkt, aber der Preis ist fair", ergänzte Kelly.

Ministerium bestreitet Zusammenhang mit Steuerreform

Mehrere Investmentbanken hatten in den vergangenen Wochen die KfW für eine solche Transaktion gewinnen wollen. Teilweise könnte der Bund mit solchen Privatisierungserlösen eine vorgezogene Steuerreform gegenfinanzieren. Dem widersprach allerdings das Bundesfinanzministerium. Die Umtauschanleihe hänge nicht mit der derzeitigen Debatte über das Vorziehen der dritten Steuerreformstufe und deren Finananzierung zusammen. Dies sei nicht der Fall und auch nicht beabsichtigt, sagte ein Sprecher des Ministeriums.

Bundesregierung und KfW hatten in der vergangenen Woche Gespräche über ein erneutes Zwischenparken von Bundesanteilen an Telekom und Post bestätigt. Für den Bund ist der Zwischenverkauf von Vorteil, da er den Erlös unabhängig von der Börsenstimmung zeitnah als Einnahme im Haushalt verbuchen kann.

Der Bund und KfW halten zusammen noch rund 43 Prozent der insgesamt knapp 4,2 Milliarden Telekom-Aktien, was einem Paketwert von rund 24,35 Milliarden Euro entspricht. Rund zwölf Prozent des Telekom-Kapitals hat der Bund bei der KfW geparkt, um die Aktien wie zuletzt im Jahr 2000 bei günstigen Marktbedingungen am Finanzmarkt zu veräußern.

Analysten beurteilen Anleihe insgesamt positiv

T-Aktie bleibt für LRP ein "Outperformer"

In einer ersten Reaktion bewerteten Analysten die Transaktion der KfW insgesamt als positiv für die Deutsche Telekom. Sie nehme Druck aus dem Markt, erklärte etwa Ilona Hasselbring, Analystin bei der Berenberg Bank. Damit sinke die Sorge um eine direkte Platzierung von T-Aktien, meinten auch andere Marktbeobachter. Allerdings könnte der psychologische Aspekt der Wandelanleihe den Kurs kurzfristig belasten. Mittelfristig jedoch sollten sich die positiven Auswirkungen durchsetzen. Immerhin steige die Anzahl der frei handelbaren Aktien, der sogenannte Freefloat. Eine Verwässerung des Gewinns je Aktie gebe es dagegen nicht.

Die Analysten der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) gehen davon aus, dass die Anleihe erfolgreich am Markt platziert werden könne. "Bewertungstechnisch halten wir die Emission für neutral beziehungsweise leicht positiv für die Aktie, da keine neuen Aktien ausgegeben werden, der Free Float letztendlich vergrößert wird und die Privatisierung fortsetzt", schrieb Analyst Per-Ola Hellgren von der LRP am Dienstag.

Aus markttechnischer Sicht erwarte die Bank keinen nachhaltigen Einfluss, da die Anleihe erst beim Kurs von rund 18 Euro in Aktien gewandelt werden könne, was über dem Kursziel der Bank für diesen Wert liege. Das weitere Kurspotenzial könne allerdings kurzfristig unter Druck geraten, wenn die KfW-Anleihe gewandelt werde. Der Experte stufte die Aktie mit dem Prädikat "Outperformer" ein und sieht das Kursziel zum Endes dieses Jahres bei 17 Euro.

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