Euro Kurze Atempause

Der Aufwärtstrend der Europäischen Gemeinschaftswährung ist nach Ansicht von Analyst Hellmeyer nur unterbrochen. Eine Trendwende zugunsten des Dollar sei noch nicht in Sicht.

Frankfurt am Main - Trotz der jüngsten Kursverluste des Euro zum Dollar befindet sich die Gemeinschaftswährung nach Einschätzung des Chefanalysten der Bremer Landesbank weiter in einem Aufwärtstrend. Der Anstieg des Dollar sei vor allem auf technische Faktoren zurückzuführen, sagte Folker Hellmeyer am Montag. Die kritische Wirtschaftslage in den USA dürfte künftig weiter auf dem Dollar lasten.

Am Montagmittag war der Euro mit 1,1335 Dollar auf den niedrigsten Stand seit dem 8. Mai 2003 gefallen. Damit notiert die europäische Gemeinschaftswährung fast fünf Prozent unter ihrem historischen Höchststand von 1,1929 Dollar, den sie Ende Mai erreicht hatte.

Das derzeitige niedrige Eurokursniveau biete gute Kaufmöglichkeiten für Zentralbanken und internationale Investoren, sagte Hellmeyer im Gespräch mit dpa/AFX. Der zur Zeit herrschende Konjunkturoptimismus für die USA sei nicht berechtigt. An den Finanzmärkten werde bereits eine Konjunkturerholung vorweggenommen. "Es stellt sich die Frage, woher bei abnehmender Beschäftigung und historisch hoher Verschuldung der privaten Haushalte die Nachfragebelebung herrühren sollen", sagte der Experte. Zudem befänden sich in den USA der Bundeshaushalt, vor allem aber die Haushalte der Bundesstaaten, in einer prekären Lage.

Trotzdem werde der Optimismus seitens Organisationen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der Zentralbanken oder der US-Administration "unreflektiert" an den Märkten wiedergespiegelt. "Die Erfahrungswerte der letzten drei Jahre mit derartigen Prognosen findet jedoch kaum Berücksichtigung."

Positive Euro-Faktoren werden vernachlässigt

Positive Entwicklungen in der Eurozone würden zur Zeit hingegen an den Finanzmärkten ignoriert. "Während in den USA Steuersenkungen nur für Besserverdienende und ohne Gegenfinanzierung überschwänglich begrüßt werden, wird eine Steuersenkung für alle in Deutschland nicht beachtet oder kritisch gesehen", sagte der Volkswirt.

"An den angelsächsisch dominierten Finanzmärkten gehe die Angst um, dass der Euro vom Dollar die Führungsrolle übernimmt", sagte Hellmeyer. Dies gelte insbesondere für die US-Investmentbanken. Jede Kursbewegung des Euro werde als negativ für die Eurozone ausgelegt und als positiv für die USA. Dies sei beim Absturz der Gemeinschaftswährung nach der Einführung zu beobachten gewesen als auch beim jüngsten Anstieg seit Beginn des vergangenen Jahres.

"Auch die unseriöse Geldpolitik der USA wird positiv aufgenommen", sagte Hellmeyer. Negative Realzinsen würden als Notfallmaßnahme zur Stützung der US-Wirtschaft genutzt. Dies beschädige die Glaubwürdigkeit der US-Notenbank. Die Europäische Zentralbank (EZB) betreibe eine "professionelle" Geldpolitik. Sie richte ihre Zinsen an der tatsächlichen Inflationsrate aus. Der Chefanalyst erwartet daher bei einem weitern Rückgang der Inflationsrate in der Eurozone im vierten Quartal eine erneute Leitzinssenkung um 0,25 Prozentpunkte.

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