Märkte Dax springt auf Jahreshoch

Spekulationen und eine feste Wall Street treiben die Aktienmärkte in Deutschland. Der Dax klettert auf seinen höchsten Stand in diesem Jahr. Der Nasdaq Composite gewinnt in der Spitze mehr als drei Prozent.

Frankfurt/New York - Der deutsche Aktienmarkt ist ausgesprochen freundlich in die neue Woche gestartet. Der Dax schloss  am Montag mit einen Plus von 2,9 Prozent bei 3332,9 Punkten. Am Nachmittag hatte der wichtigste deutsche Index nach dem positiven Start der US-Börsen mit 3359 Zählern ein neues Jahreshoch markiert. Der TecDax gewann 3,2 Prozent auf 444,6 Punkte. Der MDax verbesserte sich um 1,2 Prozent auf 3590,7 Punkte.

Börsianer führten die Kursanstiege vor allem auf zum Teil massive Umschichtungen aus Staatsanleihen in Aktien zurück. Diese Tendenz sorge auch an den US-Börsen für deutliche Kursgewinne, hieß es. Dabei verteuern sich vor allem Finanzwerte, Technologieaktien und Chemietitel.

Die Aktien an der Wall Street tendierten am Montagabend ebenfalls freundlich. Der Dow Jones  stieg bis 20.15 Uhr um 1,6 Prozent auf 9215 Punkte. Beste Kaufstimmung herrschte an der US-Technologiebörse: Der Nasdaq Composite  schnellte gar um bis zu drei Prozent empor und knackte dabei die Marke von 1700 Punkten.

Aktien von ThyssenKrupp  profitierten von Übernahmegerüchten in der Rohstoffbranche. Das Papier des Unternehmens stieg um bis zu 6,70 Prozent auf 11,64 Euro und führte damit lange die Gewinnerliste im Dax an. Händler verwiesen auf eine Meldung, wonach der kanadische Aluminiumproduzent Alcan  den französischen Mitbewerber Pechiney für umgerechnet 41 Euro pro Aktie übernehmen wolle.

MAN nach Presseberichten stark gefragt

Spekulationen um eine mögliche Übernahme der MAN-Nutzfahrzeugsparte  durch Volkswagen  bescherten am Montag mehreren Unternehmen kräftige Kursgewinne.

"Die Aussicht auf ein mögliches Übernahmeangebot lässt die MAN-Aktie steigen, die Hoffnung aus Verkaufserlöse zieht die Finanzwerte", sagte ein Aktienhändler. Die Papiere von MAN verteuerten sich um rund 4,76 Prozent auf 16,50 Euro, hatten am Morgen allerdings schon mit rund neun Prozent im grünen Bereich gestanden. Die Aktien der MAN-Großeigner Allianz , Münchener Rück  und der Commerzbank  legten ebenfalls zu.

In Branchenkreisen hieß es, VW habe Gespräche über einen Einstieg bei MAN aufgenommen. Konkrete Verhandlungen gebe es jedoch noch nicht. Medienberichten zufolge hat sich Europas größter Auto-Hersteller VW mit der Allianz über einen Kauf der MAN-Nutzfahrzeugsparte geeinigt. Die betroffenen Firmen wollten die Darstellung nicht kommentieren.

Wovon Tagessieger Infineon profitierte

Infineon profitieren von positiven Kommentaren

Mit einem Plus von mehr als 7 Prozent auf 9,97 Euro waren die Titel von Infineon  der Gewinner des Tages. Sie profitieren Börsianern zufolge von der Hoffnung auf eine Erholung der Konjunktur in der Halbleiterbranche und den angehobenen Gewinnprognosen zweier Investmentbanken.

Die hohen Gewinne bei der Commerzbank  führten Händler auch auf die Nachricht zurück, dass die Bank im ersten Halbjahr 2003 bei den Einsparungen über Plan liegen soll. Der Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller bestätigte in einem Interview mit dem "Handelsblatt", dass die Bank im laufenden Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben werde. Darüber hinaus bekräftigte er sein Interesse an der Übernahme der Direktbank DAB Bank . Dies beflügelt auch die Aktien der HypoVereinsbank , die bis Börsenschluss um 5,65 Prozent auf 14,95 Euro stiegen. Die DAB ist eine Tochtergesellschaft der HypoVereinsbank.

Altana-Aktionäre zeigen sich verschreckt

Weiterhin gegen den Trend fielen Altana , die ihre Verluste auf 2,1 Prozent ausweiteten. Marktteilnehmer werteten die Aussagen des Unternehmens zum negativen Einfluss des starken Euro als Umsatz- und Gewinnwarnung. Der Konzern hatte gesagt, es werde schwer, das Ziel eines prozentual zweistelligen Wachstums zu erreichen. Der Markt werde nun die Prognosen vermutlich leicht nach unten anpassen, hieß es.

Der anhaltende Kursanstieg ist vor allem getrieben von der Hoffnung auf eine Konjunkturerholung in den USA im zweiten Halbjahr und hohen Erwartungen an die in dieser Woche startende Berichtssaison an der Wall Street. Im Vorfeld dieses Zahlenreigens haben sich die Warnungen von Unternehmen und vor allem ihr Ausmaß auf einem bislang niedrigen Niveau gehalten, berichte erst vor wenigen Tagen der US-Informationsdienst Thomsen First Call. Die Hoffnungen auf ein gutes zweites Quartal könnten sich also erfüllen.

Der Markt setzt auf eine gute US-Berichtssaison

Rechnen Analysten durchschnittlich mit einem Gewinnanstieg der US-Unternehmen von 5,3 Prozent, erwartet First Call sogar acht bis zehn Prozent. Damit blieben die Konzerne allerdings immer noch unter den 11,6 Prozent des ersten Quartals.

Die Latte allerdings liegt hoch, und ein gutes zweites Quartal sei in den Kursen eigentlich bereits eingepreist, heißt es. Sorgen bereite vor diesem Hintergrund den Experten von First Call vor allem der steile Anstieg von Technologie-Aktien. Hat der Nasdaq Composite seit Mitte März doch bereits mehr als ein Drittel zugelegt. Ob die Konjunkturwette an der Börse aufgeht, dürften dann vor allem die Ausblicke der Unternehmen auf das zweite Halbjahr zeigen. Sollten die Unternehmen hier enttäuschen, dürften die Analysten ihre Prognosen sehr schnell wieder anpassen und eine fallende Wall Street auch die deutschen Aktienmärkte nach unten ziehen.

Dies gilt um so mehr, als Analysten zwar auch von den Dax-30-Konzernen einen durchschnittlichen Gewinnanstieg von acht Prozent und mehr bei nur leicht steigenden Umsätzen erwarten. Die Mehrzahl allerdings führt das zu erwartende Plus vornehmlich auf die immer stärker greifende Restrukturierungsprogramme und Kosteneinsparungen der Konzerne zurück. Vor diesem Hintergrund und angesichts der zurückliegenden Rallye halten sich folglich auch hier die Erwartungen an weiter steigende Kurse im zweiten Halbjahr in Grenzen.

Zweites Halbjahr an der Börse: Aktienstrategen verhalten optimistisch Alle Marktberichte im Überblick


Verwandte Artikel