Sachsenmilch Ärger mit dem Mega-Milchmann

Die zur bayerischen Müller-Milch-Gruppe gehörende Sachsenmilch zahlt erneut keine Dividende. Dies bringt die Aktionäre auf die Palme: Sie ziehen gegen den Mehrheitseigner Müller aus Aretsried vor Gericht.

Dresden - Auf die Bekanntgabe des Geschäftsberichts 2002 reagierten am Freitag auf der Hauptversammlung die Kleinaktionäre mit herber Kritik.

Der Bericht weist einen Verlust in Höhe von 9,1 Millionen Euro aus. Ein deutlicher Einbruch, nachdem für 2001 noch ein Gewinn nach Steuern von 17,5 Millionen Euro ausgewiesen worden war.

Ein Verlust in dieser Größenordnung sei bei den guten Umsätzen des Unternehmens mit Sitz in Leppersdorf nicht nachvollziehbar, sagte Hermann Locarek-Junge von der Initiative der Kleinaktionäre der Sachsenmilch AG. Er vermute einen "bilanztechnischen Trick", um den Kurs der Aktie gering zu halten.

Sachsenmilch-Kleinaktionäre führen seit Jahren mehrere Prozesse gegen den Mehrheitseigner Molkerei Alois Müller GmbH & Co (Aretsried), der 1994 die insolvente Sachsenmilch AG übernommen hatte. Müller besitzt 85 Prozent der Aktien.

"Aktionären wird Dividende vorenthalten"

Kleinaktionäre fochten unter anderem die Entscheidung an, das Grundkapital von rund 38,4 Millionen auf rund 51.000 Euro herabzusetzen. Sie lehnen den damit verbundenen Umtausch der Nennaktien im Verhältnis 750:1 ab, weil sie um ihren Einfluss fürchten. "Wir wollten eine vollständige Auflösung der damaligen Sachsenmilch und einen Neuanfang", sagte Locarek-Junge. Auch ein Prozess wegen Nichtzahlung der Dividende für 2001 läuft derzeit vor dem Dresdner Landgericht.

Harald Petersen von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre kritisierte die Erhöhung der Rückstellungen für Risiken bei der Zahlung der Körperschafts- und Gewerbesteuern im Vorjahr um 17 Millionen Euro auf insgesamt 49,6 Millionen Euro. Als unverständlich bezeichnete er die Aufnahme eines zinslosen Kredits von 100 Millionen Euro von der Alois Müller GmbH. Das diene nur dazu, keinen Bilanzgewinn ausweisen zu müssen. "Und damit wird den Aktionären die Dividende vorenthalten", sagte Petersen.

Sieben Prozent mehr Umsatz - Kapazität ausgeweitet

Die große Nachfrage der Verbraucher nach Schnittkäse, Mozzarella, Milch und Milchprodukten soll der Sachsenmilch in diesem Jahr einen weiteren Umsatzschub bringen. Für 2002 wurde ein Umsatz von 720 Millionen Euro erreicht, sieben Prozent mehr als im Vorjahr, sagte der Vorstandsvorsitzende Thomas Bachofer.

Er nannte zwar keine konkrete Zahlen für Umsatzsteigerungen, jedoch soll die zu verarbeitende Rohmilchmenge in diesem Jahr im Vergleich zu 2002 um rund 125 Millionen Kilogramm auf rund 1325 Millionen Kilogramm steigen. Die erst 2002 gegründeten vier neuen Tochtergesellschaften sollen dazu ihre Kapazitäten erweitern.

Sachsenmilch galt nach der Wende als Sanierungsfall und war 1991 das erste ostdeutsche Unternehmen, dass an die Börse ging. Durch die Bildung der Tochterunternehmen sank die Zahl der Mitarbeiter auf 533.

Müller-Milch: Hier werden Sie gemolken

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