Texaco Großfusion gescheitert

Der Konzern sagt den geplanten Zusammenschluß mit dem Konkurrenten Chevron ab. Die Großfusion in der Ölbranche scheiterte an unterschiedlichen Preisvorstellungen und Kartellproblemen.

Richfield - Die Kartellprobleme seien wegen Texacos Kooperation mit der britisch-niederländischen Royal Dutch/Shell im Raffineriegeschäft zu groß. Außerdem biete Chevron zu wenig, teilte Texaco mit.

Texaco ist der drittgrößte, Chevron der viertgrößte US-Ölkonzern. Bei einer Fusion wäre ein Konzern mit 62 Milliarden Dollar Umsatz entstanden. Chevron kam 1998 auf 30,6 Milliarden Dollar Umsatz, Texaco auf 31,7 Milliarden.

Der Börsenwert von Chevron war mit 62 Milliarden Dollar aber fast doppelt so hoch wie der von Texaco mit 36 Milliarden gewesen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg lehnte Texaco ein Angebot von 37 Milliarden Dollar oder 70 Dollar je Aktie ab. Das Angebot hätte 13 Prozent über dem Börsenwert von Texaco bei Bekanntwerden der Verhandlungen am 6. Mai gelegen.

In der weltweiten Ölbranche läuft wegen des starken Einbruchs der Ölpreise im vergangenen Jahr eine beispiellose Fusionswelle. Der US- Branchenprimus Exxon kauft den Branchenzweiten Mobil für 91 Milliarden Dollar und wird damit Weltmarktführer. BP hat Amoco - die Nummer fünf in den USA - für 62 Milliarden Dollar geschluckt und will jetzt die US-Ölgesellschaft Atlantic Richfield (Arco) - die alte Nummer sechs in den USA - für 34,5 Milliarden Dollar übernehmen.

Bloomberg zufolge hatte sich der Texaco-Chef Peter Bijur Exxon wegen eines Zusammenschlusses an Chevron gewandt, nachdem BP Ende 1998 sein Angebot für Amoco abgegeben hatte. Ernsthafte Verhandlungen seien aber erst im Mai 1999 aufgenommen worden, nachdem Arco ein Fusionsangebot von Chevron über 31,5 Milliarden Dollar abgelehnt und sich für die Übernahme durch BP Amoco entschieden habe.

Die US-Wettbewerbsbehörden bestanden dem Vernehmen nach darauf, daß Chevron im Falle einer Fusion mit Texaco Raffinerien verkauft. Streit soll es auch über die Frage gegeben haben, wer nach einem Zusammenschluß den Konzern führen solle.

Der Chevron-Chef Kenneth Derr äußerte sich überrascht darüber, daß Texaco "eine so bedeutende Prämie für die Texaco-Aktionäre abgelehnt und die Gelegenheit versäumt" habe, "Chevron-Aktien mit ihren anerkannt guten Aussichten zu erhalten". Chevron halte nun nach anderen Akquisitionen Ausschau.