Siemens Wer nicht investiert, der verliert

Eher früher als später sollten Telekomkonzerne ihren strikten Sparkurs aufgeben, so die Argumentation im Hause Siemens. Dies dürfte die gebeutelte Festnetzsparte beflügeln - zumal sie auf Grund des eigenen brutalen Sparkurses deutlich schlanker geworden ist.

München - Der Elektronikkonzen Siemens  sieht nach zwei Jahren striktem Sparkurs neue Wachstumschancen für die gebeutelte Telekommunikationsbranche. Das Hauptproblem der Festnetz-Betreiber sei nicht mehr die hohe Verschuldung, sondern die fehlenden Wachstumsperspektiven, meinen die Konzernstrategen.

Diese gebe es aber gerade in der Entwicklung von netzübergreifenden Anwendungen, wie zum Beispiel zwischen Fest- und Mobilfunknetz, so die hoffnungsfrohe Prognose des Elektronikriesen. Nur durch Investitionen in den Netzausbau könnte das Wachstum gesichert werden.

Den Anlegern gefiel die Argumentation: Bei dünnen Umsätzen legte die Aktie von Siemens  in einem freundlichen Gesamtmarkt am Mittwoch deutlich zu. Der Aktie kam außerdem zu Gute, dass sie während der vergangenen Monate hinter dem Dax zurückgeblieben ist und nach Ansicht von Analysten noch Aufholpotenzial habe.

Prognose bestätigt

Zudem hatte der Chef der Netzwerksparte, Thomas Ganswindt, die Gewinnziele bekräftigt. Dies bedeute eine Verringerung der Kosten in einem Maße, das im laufenden Quartal nach langer Zeit wieder die Rückkehr in die Gewinnzone erlaube, bekräftigte Ganswindt in der "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Bis Ende September sei der Abbau von rund 20.000 Arbeitsplätzen auf weniger als 34.000 abgeschlossen. Damit habe die Netzsparte der Siemens AG auf den Markteinbruch reagiert.

In der Krise bewege sich ICN trotz der zuletzt noch hohen Verluste bisher immer über den Erwartungen des Konzerns, sagte Ganswindt weiter. ICN versuche, wieder Wachstum zu erzielen und mehr Marktanteile zu gewinnen. Erster Ansatz sei ein Konzept für Netze und Anwendungen von Unternehmen und Netzbetreibern, das Siemens "Lifeworks" nenne.

Als Beispiel nannte Ganswindt ein einziges Adressbuch für das Festnetztelefon, das Mobiltelefon und den Taschencomputer (PDA). Alle Kommunikationsleistungen würden zusammengeführt und von einer großen Zentrale betrieben. Das eröffne Unternehmen Wachstumschancen, da sie die Leistungen nicht nur für sich selbst nutzen könnten, sondern auch für andere betreiben. Ganswindt denkt dabei nach eigenen Worten an Konzerne wie IBM oder SAP. Weitere Konzepte werde ICN in einem Vierteljahr vorstellen, kündigte er an.

Der Markt war bislang skeptisch gewesen, ob die Sparte ICN tatsächlich die gesteckten Ziele erreichen werde. Noch im April hatte Konzernchef Heinrich von Pierer die Zurückhaltung der Unternehmen beklagt. "Wir beobachten mit Sorge die anhaltende Investitionszurückhaltung in unseren wesentlichen Märkten", sagte von Pierer.

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