Tagesausblick Aufatmen an der Börse

Die geplanten Steuererleichterungen haben Signalwirkung für den Aktienmarkt. Händler begrüßen den Vorstoß der Regierung und hoffen auf weitere Reformen.

Hamburg/Frankfurt am Main - Es bewegt sich etwas in Deutschland. Erst überraschte am Samstag die IG Metall mit der Ankündigung, dass der Streik der Metaller im Osten ergebnislos abgebrochen wird, und nur einen Tag später hat sich die Regierungskoalition zur vorgezogenen dritten Stufe der Steuerreform durchgerungen. Für die Börse sind das überwiegend gute Nachrichten.

Mit dem Reformprogramm verbinden viele Marktteilnehmer auch die Hoffnung auf einen stimmungs- und konsumgetragenen Konjunkturaufschwung. Schließlich sollen die Bürger nach Berechnungen der Bundesregierung künftig zehn Prozent weniger Einkommenssteuer zahlen. Dies würde zehn Prozent mehr für den Konsum bedeuten. Nicht überraschend deshalb die Einschätzung des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE): "Wir versprechen uns davon einen kräftigen Impuls für den Konsum."

Börsianer sollten deshalb vor allem die Konsumtitel wie Metro  oder KarstadtQuelle  im Auge behalten. Etwas skeptischer zeigte sich jedoch Giuseppe Amato, Marktanalyst bei Lang & Schwarz: "Die Frage ist doch, geben die Leute das zusätzliche Geld auch aus oder nicht. Wer Furcht vor dem Verlust des Arbeitsplatzes hat, könnte auch zum Angstsparen neigen und dann hat die Wirtschaft sehr wenig davon."

Insgesamt wird die Entscheidung aber auch als Signal für den Reformwillen der Bundesregierung angesehen. "Der deutsche Reformprozess gewinnt wieder an Momentum - das Feedback der Angelsachsen in den letzten Wochen sieht danach aus, als ob der internationale Value Investor nach Deutschland zurückkommen kann", hatte Rolf Elgeti, in London ansässiger Aktienstratege der Commerzbank, zuletzt in einer Studie zu den Auswirkungen des Reformprozesses geschrieben. In den vergangenen Monaten hatten sich internationale Großanleger nach Einschätzung von Börsianern wegen des ihrer Meinung nach schleppenden Reformprozesses mit Engagements in Deutschland zurückgehalten.

Automobilwerte nach dem Streik im Fokus

Von dem Streikabbruch im Osten dürften vor allem den Automobilwerte profitieren. Nach Unternehmensangaben von BMW  und Volkswagen  soll schon in Kürze die Produktion wieder voll angelaufen sein. Da Zulieferer in der vergangenen Woche keine neuen Teile liefern konnten, standen bei den beiden Autobauern die Bänder still.

Auftrieb könnte es auch für die Lufthansa-Aktie  geben. Deutschlands größte Fluggesellschaft will nach einem Bericht des "Spiegel" die Tarifverträge für das Bord- und Bodenpersonal ändern, um den Konzern für den Wettbewerb mit Billig-Fliegern zu rüsten.

Nachrichten gibt es zudem zur Deutschen Telekom . Diese wird nach eigenen Angaben ihre Grundgebühren auf Grund von EU-Vorgaben für die analogen Telefon-Festanschlüsse wahrscheinlich zum 1. September erhöhen.

Tokios Börse schließt uneinheitlich

Die Aktienbörse in Tokio hat am Montag uneinheitlich geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte gab um 20,95 Punkte oder 0,2 Prozent nach und ging beim Stand von 9083 Punkten aus dem Markt. Der breit angelegte Topix stieg dagegen knapp um 0,4 Punkte oder 0,04 Prozent auf 903,44 Punkte.

Gemischte Aussichten: Rolf Elgeti und Johannes J. Reich im Interview Alle Marktberichte im Überblick

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