Mannheimer "Viel riskanter als der Rest"

Nach dem Kollaps der Mannheimer Leben versuchen Branchenverband und Finanzaufsicht, Versicherte zu beruhigen. Die Verträge aller Sparten würden fortgeführt. Der Mannheimer Holding droht dennoch die Zerschlagung.

Berlin - Der Kollaps der Mannheimer Lebensversicherung ist nach Einschätzung des Bundesamtes für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) nicht repräsentativ für die knapp 120 Lebensversicherer in Deutschland. "Bei den deutschen Lebensversicherern ist die Mannheimer Leben derzeit der einzige Problemfall", sagte eine BaFin-Sprecherin am Freitag.

Am Donnerstag hatte die Aufsichtsbehörde angekündigt, sie werde die Leben-Sparte der Mannheimer-Holding vom Markt nehmen und deren rund 350.000 Verträge unverzüglich auf die Auffanggesellschaft Protektor übertragen. Damit musste die Aufsichtsbehörde erstmals seit 50 Jahren einen deutschen Lebensversicherer retten. Bislang wurden in der Branche Probleme eher still und leise durch Übernahmen anderer Gesellschaften gelöst.

Protektor führt Verträge weiter

Die Erfüllung der laufenden Verträge sei sichergestellt, betonte ein Sprecher der BaFin. "Der GDV hat heute bestätigt, dass die Protektor Lebensversicherungs-AG (Protektor) einsatzbereit ist", so Karl-Burkhard Caspari, Vizepräsident der BaFin. Da Protektor die Verträge weiterführt, entstehen den Lebensversicherungs-Kunden der Mannheimer keine Nachteile.

Allerdings werden keine neuen Verträge mehr abgeschlossen. Die Policen würden samt Garantiezins und bisher zugesagter Überschussbeteiligung weitergeführt. Nach Einschätzung des Versicherungsverbandes GDV bekommen Kunden der Mannheimer-Leben durch die Protektor-Lösung Rückendeckung durch die gesamte Branche.

Sach- und Krankenversicherungssparte überlebensfähig

Die Mannheimer Leben hatte sich mit Aktiengeschäften verspekuliert und benötigt rund 370 Millionen Euro frisches Eigenkapital. In den ersten drei Monaten dieses Jahres betrug der Verlust nach Steuern im Konzern knapp 64 Millionen Euro, wovon 57 Millionen auf die Lebensversicherung entfielen.

Die Mannheimer Holding könnte ihre übrigen Versicherungssparten wie die Sach- und Krankenversicherung weiter führen, bekräftigte die BaFin-Sprecherin. Die Sach- und Krankenversicherungssparte der Mannheimer Holding seien "nach derzeitigen Erkenntnissen überlebensfähig."

Die Ansprüche der Versicherten aus den Verträgen der Mannheimer Krankenversicherung und Sachversicherung seien nicht gefährdet. Aus Branchenkreisen hieß es, dass verschiedene Versicherungen daran interessiert seien, im Falle einer Zerschlagung der Mannheimer Holding die Verträge zu übernehmen.

Holding droht die Zerschlagung

Zerschlagung der Holding droht

Doch auch wenn die Verträge der Mannheimer Lebensversicherung von der Protektor AG weitergeführt werden, ist die Mannheimer Holding AG  damit noch nicht über den Berg. Ein Problem sind die stillen Lasten der Mannheimer Leben in Höhe von 238 Millionen Euro: Die Holding ist auf Grund eines Gewinnabführungsvertrages mit der Lebenstochter verpflichtet, diese Löcher in der Bilanz zu füllen.

Offen ist, ob der Protektor diese Lasten übernimmt. Damit droht nach wie vor die erste Pleite in der deutschen Versicherungswirtschaft seit dem Zweiten Weltkrieg.

Ob sich die Mannheimer Holding einfach der hochdefizitären Mannheimer Leben entledigen und mit den restlichen Sparten seine Geschäftstätigkeit weiterführen kann, sei eher unwahrscheinlich, meint Jochen Schmitt, Analyst bei der Landesbank Rheinland Pfalz. Die Alternative wäre die Zerschlagung des Konzerns. Für die Aktionäre wäre das zugleich der worst case.

GDV: "Weitere Pleiten nicht zu erwarten"

Nach Ansicht des Bankhauses Lampe könnte eine mögliche Insolvenz der Mannheimer für den Anteilseigner Münchener Rück billiger sein als eine Fortführung des Unternehmens. Im Fall der Fortführung müssten die Münchener frisches Kapital nachschießen, meint Analyst Ralph Breßler im Gespräch mit der Nachrichtenagentur vwd.

Er vermutet, dass die Wertminderung der Beteiligung bereits in den jüngsten Abschreibungen berücksichtigt wurde. Eine Übernahme der Mannheimer durch die Münchener Rück sei wohl zu teuer gewesen. Die Aktie der Mannheimer Holding AG  setzte ihren Sturzflug am Freitag fort.

Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) rechnet nach den Worten von Verbandschef Bernd Michaels mit Fusionen und Übernahmen in der Lebensversicherungsbranche - weitere Pleiten seien aber nicht zu erwarten.

"Probleme der Mannheimer waren hausgemacht"

"Unternehmen werden sich zusammenschließen, um finanzielle Engpässe zu überwinden oder gar nicht erst aufkommen zu lassen", sagte Michaels der Nachrichtenagentur Reuters. Es sei aber eher mit einer moderaten Konsolidierung zu rechnen.

Nach Ansicht von Michaels waren die Probleme der Mannheimer hausgemacht. "Die Mannheimer hat die Entwicklung der Aktienmärkte anders eingeschätzt als ihre Wettbewerber, sie war viel riskanter als der Rest." Wegen des massiven Verfalls der langfristigen Zinsen und der nun schon seit Jahren schwachen Börsen müssten sich Kunden der Lebensversicherer in den nächsten Jahren auf niedrigere Verzinsungen einstellen, sagte Michaels.

Mannheimer: Erster Fall für den Protektor Mannheimer: "Kunden müssen sich keine Sorgen machen" Mannheimer: Auch der "Protektor" wackelt Versicherungen: Der selbstverschuldete Absturz  Mannheimer: "Die Branche kann sich eine Pleite nicht leisten"

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