Mannheimer "Kunden müssen sich keine Sorgen machen"

Versicherte der Mannheimer Leben können nach Auskunft des Branchenverbandes GDV durchatmen. Die Auffanggesellschaft Protektor sei "voll handlungsfähig" und könne Kunden ihr Kapital samt Garantiezins und bisher erreichter Überschussbeteiligung zusichern, sagt GDV-Sprecherin Gabriele Hoffmann.

Hamburg / Berlin - Die Spekulation, dass die Auffanggesellschaft Protektor in der Branche nicht genügend Unterstützung habe, sei "Quatsch", sagte die Sprecherin des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Gabriele Hoffmann. Alle 120 im Verband organisierten deutschen Lebensversicherer hätten sich verpflichtet, am Protektor teilzunehmen und damit ein Netz für in Not geratene Lebensversicherer zu schaffen.

Zwar habe es in der Branche unterschiedliche Auffassungen gegeben, ob die angeschlagene Mannheimer Leben mittels einer zusätzlichen Finanzspritze zu retten sei. Doch der Protektor selbst stehe nicht in Frage, betonte Hoffmann im Gespräch mit manager-magazin.de.

Die Auffanggesellschaft "Protektor Lebensversicherungs AG" war im November 2002 gegründet worden. Sie soll in Bedrängnis geratene Lebensversicherer auffangen, ihre Policen im Notfall weiterführen und auf diese Weise sicherstellen, dass Kunden zumindest ihre garantierten Versicherungssummen erhalten.

Rund fünf Milliarden Euro Finanzmittel

Zur Finanzierung der Auffanggesellschaft stellen die beteiligten Versicherer der Protektor AG je nach ihrem Marktanteil Kapital zur Verfügung. Die Gesellschaft hat derzeit zwar weder eine Telefonnummer noch eine Adresse, ist aber beim Münchener Handelsgericht registriert und könne über Finanzmittel von rund fünf Milliarden Euro verfügen, so Hoffmann.

Nach den gescheiterten Rettungsbemühungen des Verbandes für die Mannheimer wird nun die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin die Verträge der Mannheimer an den Protektor übertragen. Der Protektor führt dann die Verträge weiter.

"Aussichten gar nicht so schlecht"

Hoffmann sieht keinen Grund, warum Kunden der Mannheimer jetzt ihre Verträge kündigen sollten. "Warum sollten Kunden, die ihre Verträge bei der Mannheimer noch nicht gekündigt haben, dies ausgerechnet gegenüber der Auffanggesellschaft tun? Hinter Protektor steht die gesamte Versicherungsbranche - etwas Besseres kann den Kunden in dieser Situation kaum passieren."

Die Garantieverzinsung sei gesichert - einschließlich der bislang zugeschriebenen Überschussbeteiligung aus der Vergangenheit. Alle diese Leistungen würden von Protektor übernommen, der dazu nur einen Bruchteil des vorhandenen Kapitals benötige. Für künftige Überschussbeteiligungen gebe es zwar keine Sicherheit: Diese würden aber dem Kunden zugewiesen, sofern sie von der Auffanggesellschaft erwirtschaftet werden. "Die Aussichten dafür sind gar nicht so schlecht", so Hoffmann.

"Zukunftsinvestment" für beteiligte Versicherer

Auch die Finanzierung der Protektor AG sei gesichert und für die beteiligten Lebensversicherer ein Zukunftsinvestment. Die Zahlungen an die Auffanggesellschaft seien "kein verlorener Zuschuss ", sondern ein Beitrag mit der Perspektive auf ein erträgliches Investment. Die Versicherungsunternehmen hätten außerdem verschiedene Möglichkeiten, das nötige Kapital für den Protektor aufzubringen. Sowohl Aktienkapital als auch Genussscheine gehörten zu den Finanzierungswegen.

Der Deckungsstock des Protektor reiche aus, um kurzfristig gekündigte Verträge zu bedienen. Doch auch Verbraucherschützer raten von einer vorschnellen Kündigung langfristiger Versicherungsverträge ab. Dass schon in kurzer Zeit weitere Lebensversicherer ein Fall für den Protektor werden könnten, hält Hoffmann für unwahrscheinlich. "Die BaFin kennt die finanzielle Situation der Unternehmen genau", sagte Hoffmann. Die Behörde habe erst vor kurzem erklärt, dass es außer der Mannheimer keinen weiteren Wackelkandidaten gebe.

Mannheimer: Erster Fall für den Protektor Mannheimer: Auch der "Protektor" wackelt Versicherungen: Der selbstverschuldete Absturz 

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