Mannheimer Auch der "Protektor" wackelt

Die Chancen für eine Sanierung des Versicherungskonzerns sinken drastisch, da die Branche kein Geld nachschießen will. Damit könnte die Mannheimer zum ersten Fall für den "Protektor" werden. Doch jetzt wackelt selbst diese Auffanggesellschaft.

Frankfurt am Main - Die deutsche Versicherungswirtschaft hat bei ihrer Krisensitzung keinen Durchbruch für eine Rettung der Mannheimer AG Holding  erzielt. "Es gab noch keine Lösung, die Gespräche sind vertagt worden", hieß es zunächst am Mittwochabend aus Kreisen eines Treffens des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Frankfurt.

Wenig später teilte der Versicherungskonzern ad hoc mit, dass "die derzeit erwogene Sanierung der Mannheimer durch die Zuführung frischen Kapitals voraussichtlich nicht zustande kommen wird". Neben einigen kleinen Versicherern haben sich nach Informationen aus Branchenkreisen auch große ausländische Unternehmen wie die französische AXA und die Schweizer Zurich Financial Services AG geweigert, Geld nachzuschießen. "Einige Konkurrenten sind wohl einfach nicht bereit, ein Unternehmen zu retten, dass schlecht gewirtschaftet hat", sagte Helaba-Analyst Karsten Keil.

Die im SDax notierten Aktien der Mannheimer AG waren am Mittwochabend bis Handelsende vom Handel ausgesetzt worden. Am Donnerstag brach die Aktie des Unternehmens kurz nach Börseneröffnung in Frankfurt um 31,25 Prozent auf 4,95 Euro ein.

"Das hat große Symbolkraft. Die Versicherer hatten bislang den Nimbus der unantastbaren und sicheren Finanzinstitutionen", sagte ein Aktienhändler. "Die Aktie hat jetzt Optionscharakter und stellt eine Wette auf das Überleben des Unternehmens dar", schrieb LRP-Analyst Jochen Schmitt in einer Kurzstudie. Zur Mannheimer Gruppe gehören neben der Mannheimer Lebensversicherung auch ein Krankenversicherer und ein Sachversicherer.

Finanzierung des Protektors wackelt

Die Mannheimer AG war durch riskante Aktiengeschäfte in eine Liquiditätskrise geraten und braucht eine Kapitalspritze von rund 370 Millionen Euro. Damit könnte die Mannheimer der erste Fall für den "Protektor" werden. Diese Auffanggesellschaft war erst im vergangenen Jahr von der Versicherungsbranche gegründet worden, um sicherzustellen, dass in Not geratene Versicherungen aufgefangen werden und Kunden zumindest ihre Garantieverzinsung erhalten.

Doch selbst eine Rettung durch diese Auffanggesellschaft ist fraglich. "Mit einem Scheitern der Mannheimer steht auch der Protektor selbst auf dem Spiel", sagte Dr. Marco Metzler, Analyst bei Fitch-Ratings, im Gespräch mit manager-magazin.de. Der Protektor sei derzeit "noch gar nicht arbeitsfähig" und nicht in der Lage, die Mannheimer aufzufangen: Die Finanzierung der Auffanggesellschaft sei noch nicht gesichert. Selbst der nötige Eintrag im Berliner Handelsregister fehle.

Die Grenzen der Solidarität

Die Solidarität hat ihre Grenzen

Erst 70 bis 75 Prozent der beteiligten Lebensversicherer hätten Branchenkreisen zu Folge bislang eine so genannte "Nachschussverpflichtung" unterschrieben, die der Finanzierung des Protektors dient. Im Zuge des Mannheimer-Falls habe man das Ziel verfolgt, diese Quote auf 90 bis 95 Prozent zu heben. Das sei nicht gelungen. Daher bestehe nun die Gefahr, dass sich einige der Beteiligten wieder aus der Vereinbarung zurückziehen.

Die besagte Nachschussverpflichtung sei in der nur sehr schwer zugänglichen Satzung des "Protektor" ohnehin nicht fixiert, sondern ausschließlich in einzelvertraglichen Vereinbarungen mit dem GDV festgehalten. Aus Kreisen der Branche heißt es darüber hinaus, dass selbst einige große Versicherer diese Verpflichtungserklärung nicht unterschreiben wollten. Metzler führte die ablehnende Haltung von einzelnen Versicherern gegenüber dem "Protektor" auf die eigene Kapitalknappheit dieser Unternehmen zurück.

Dem Plan zufolge sollen die Versicherer im Notfall ein Prozent ihrer Kapitalanlagen bereit stellen. So kämen immerhin rund fünf Milliarden Euro für einen Sicherungsfonds zusammen. Müsste die Branche dieses Geld aber tatsächlich locker machen, könnten einzelne Versicherer selbst zu einem Fall für Protektor werden, meinte Metzler. Deshalb sei zu befürchten, dass diese Unternehmen im Notfall zur Finanzierung des Protektor Kundengelder dafür aufwenden müssten. "Das ist natürlich nicht akzeptabel", sagte der Analyst weiter.

Noch kein Netz für gescheiterte Lebensversicherer

Im Gegensatz zur Versicherungsbranche sind Bankensicherungsfonds hauptsächlich beitragsfinanziert, eine Nachschusspflicht besteht in diesem Sinne nicht. Überdies sei im Statut der Sicherungsfonds der deutschen Banken ganz eindeutig geklärt, wer, wann und wieviel einbezahlt. In der Satzung des Protektor suche man nach solchen Passagen vergeblich.

Das bedeutet im Ergebnis, derzeit gebe es für gescheiterte Lebensversicherer in Deutschland noch kein sicheres Netz, das sie auffängt, gab Metzler zu verstehen.

Wird die BaFin einen Sonderbeauftragten einsetzen?

Seiner Einschätzung nach werde jetzt die Finanzaufsicht (BaFin) wohl in Kürze einen Sonderbeauftragten einsetzen, der einen eigenen Sanierungsplan entwickeln müsse. Damit habe die Mannheimer zumindest erst einmal Zeit gewonnen.

Doch was wird passieren, falls der "Protektor" nicht in der vorgestellten Art und Weise eingesetzt wird? "Erste Gesellschaften stehen kurz vor der Pleite, diese können ohne Protektor in einem Insolvenzverfahren abgewickelt werden", sagte der Analyst von Fitch-Ratings weiter. Den Insolvenzfall habe indes das Aufsichtsamt festzustellen.

Vorstand wartet noch auf Antwort der BaFin

Angesichts der sich zuspitzenden Situation bei der Mannheimer forderte Metzler: "Die Versicherungsbranche muss aktiv und fair mit den Kunden und Vermittlern kommunizieren und nicht versuchen, Probleme zu vertuschen." Darunter leide das Image der Lebens- und Rentenversicherung, die mit den vorhandenen Kapital- und Verzinsungsgarantien noch immer eines der attraktivsten Produkte zur Altersvorsorge und zum Vermögensaufbau sei. Wichtig sei vor allem die Transparenz der Finanzstärke, wofür Ratingagenturen wie Fitch-Ratings einen entscheidenden Beitrag leisteten.

Die Versicherungswirtschaft will eine Insolvenz der Mannheimer zwar unbedingt abwenden, um einen Imageschaden für die gesamte Branche zu vermeiden. Zudem wartet die Mannheimer noch immer auf eine Antwort der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) auf ihr eigenes Sanierungskonzept, wie ein Mannheimer-Sprecher am Mittwoch bestätigte. Für den Mannheimer Konzern sei alleine die Antwort der BaFin auf das Konzept entscheidend. Die BaFin selbst wollte sich am Mittwoch nicht zum Stand der Prüfung äußern.

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