MLP "Die Krise ist überstanden"

Auf der Hauptversammlung gibt sich Vorstandschef Termühlen betont optimistisch und weist Vorwürfe der Bilanzmanipulation zurück. Aktionäre kritisieren die Informationspolitik des Konzerns harsch.

Frankfurt - Der Finanzdienstleister MLP  will in diesem Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben und eine Dividende an seine Aktionäre ausschütten. Vorstandschef Bernhard Termühlen sagte am Dienstag auf der Hauptversammlung in Mannheim: "Die Talsohle ist durchschritten und die Krise ist überstanden."

Das laufende Jahr werde wieder ein Jahr des operativen Wachstums sein. Termühlen bekräftigte die Prognose für den angepeilten Vorsteuergewinn von 65 Millionen Euro. Das Unternehmen wolle aber auch stärker auf die Kosten achten.

Termühlen sagte, MLP bewege sich in einem langfristig sehr dynamischen Wachstumsmarkt. Dies zeige allein die aktuelle Diskussion um die Zukunft der sozialen Sicherungssysteme in ganz Europa. Im Jahr 2002 hatte MLP tiefrote Zahlen geschrieben und einen Fehlbetrag von 47,58 Millionen Euro ausgewiesen. Deshalb lies das Unternehmen für das vergangene Jahr auch die Dividende ausfallen.

Vorwürfe der Bilanzmanipulation zurückgewiesen

Der Vorstandschef wies erneut Vorwürfe der Bilanzmanipulationen gegen MLP zurück. Die Staatsanwaltschaft hatte das Unternehmen durchsucht, weil der Verdacht besteht, dass die Bilanz 2001 nicht seriös erstellt worden sein soll.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist ein Ende der Ermittlungen nicht absehbar.

Nicht zuletzt um die anhaltenden Diskussionen und Spekulationen um Einzelpunkte der Bilanzierung ein für alle Mal zu beenden, habe der Vorstand sich Anfang 2003 entschieden, für den Abschluss 2002 auf eine sehr konservative Bilanzierung überzugehen, sagte Termühlen.

Neben dem bereits beschlossenen Verzicht auf den Verkauf zukünftiger Provisionsansprüche sei die Rückversicherungsfinanzierung massiv zurückgeführt worden. Darüber hinaus seien erhebliche Wertberichtigungen für mögliche wirtschaftliche Risiken und Rückstellungen gebildet worden.

Positiver Ausblick treibt die Aktie an

Die optimistischen Prognosen von Termühlen sind am Markt gut angenommen worden. Die in den vergangenen Wochen stark gestiegene Aktie von MLP setzte auch am Dienstag ihren Höhenflug fort. Bis zum frühen Mittag gewann das Papier rund 2,3 Prozent auf 12,85 Euro.

Anleger setzen dabei zudem auf die Hoffnung, dass sich MLP noch auf lange Sicht im Dax halten wird. Der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse  hat MLP nach seinem jüngsten Treffen Mitte Mai trotz des drastisch geschrumpften Börsenwertes eine weitere Gnadenfrist eingeräumt. Der Grund: Aus Sicht des Arbeitskreises gebe es derzeit keinen Ersatzkandidaten für MLP.

Harsche Kritik von Aktionären

Harsche Kritik von Aktionären

Die Union-Investment-Gruppe und die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) forderten, die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat abzulehnen. Als Grund nannte der Manager der Fondsgesellschaft der Volksbanken und Raiffeisenbanken, Olgerd Eichler, die ungenügenden und mitunter der Täuschung nahe kommenden Informationspolitik von MLP. Der Absturz des Aktienkurses basiere auf Managementfehlern. Eine Aktionärin forderte den Rücktritt des Vorstandschefs.

Harald Petersen von der Schutzgemeinschaft rügte, der Finanzdienstleister habe die Aktionäre nicht über die Gewinnsituation des Unternehmens informiert.

Ein Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz warf dem MLP-Vorstand eine "Bunker-Mentalität" vor. Mangelnde Transparenz bei MLP war auch eine Hauptkritik der Analysten. Die Aktionärsvertreter erklärten jedoch, mit der Einstellung von Finanzchef Uwe Schroeder-Wildberg habe es einen positiven Kurswechsel gegeben.

Ergebnis deutlich verschlechtert

2002 hatte der Finanzdienstleister beim Ergebnis nach Steuern einen Fehlbetrag von 47,6 Millionen nach plus 98,9 Millionen Euro im Vorjahr erzielt. Das Ergebnis vor Steuern lag bei minus 36,6 Millionen Euro (2001: plus 151 Mio). Die Erlöse stiegen auf 1,13 Milliarden nach 1,05 Milliarden Euro.

Im ersten Quartal sank der Gewinn vor Steuern auf 8,5 Millionen nach 24,5 Millionen Euro. Der Überschuss lag bei 5,1 (Vorjahr: 15) Millionen Euro. Der Umsatz verringerte sich auf 233,7 Millionen nach 241,9 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Hopp scheidet aus dem Aufsichtsrat aus

Auf der Hauptversammlung wollte der Mitbegründer des größten deutschen Softwarekonzerns SAP, Dietmar Hopp, aus dem Aufsichtsrat von MLP ausscheiden. Hopp gehört seit 2001 dem Kontrollgremium an.

Gegen ihn hatte die Staatsanwaltschaft Mannheim wegen des Verdachts ermittelt, mit Geld aus seiner eigenen gemeinnützigen Stiftung für MLP-Chef Termühlen gebürgt zu haben. Ende Mai wurde angekündigt, dass die Ermittlungen gegen Hopp eingestellt werden.

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