MLP Die Hoffnungsrallye

Zur Hauptversammlung regiert der Optimismus. Unternehmenschef Bernhard Termühlen hat stolze Ziele ausgegeben und will in diesem Jahr 65 Millionen Euro verdienen. Analysten haben ihre Zweifel - die Aktie hat sich seit März dennoch fast verdoppelt.

Frankfurt - Die Aktie des Finanzdienstleisters MLP  hat einen Tag vor der Hauptversammlung am Dienstag erneut kräftig zugelegt. Der Wert legte um mehr als zehn Prozent zu und kletterte über die Marke von 12,50 Euro. MLP wird heute (17. Juni) seine Aktionäre über den Geschäftsverlauf informieren: Ungeachtet der anhaltenden Konjunkturflaute strebt der Finanzdienstleister in den nächsten drei bis sechs Jahren weiter ein Wachstum von jährlich 20 Prozent an. Der Vorsteuergewinn soll in diesem Jahr 65 Millionen Euro betragen.

"Da bleiben wir dabei", hat Vorstandschef Bernhard Termühlen erklärt. Ähnliche Äußerungen Termühlens sowie ein anziehender Gesamtmarkt hatten der Aktie bereits während der vergangenen Wochen zu einem Höhenflug verholfen.

Derzeit kein Dax-Ersatzkandidat für MLP

Andererseits mehren sich unter Investoren, dass sich MLP noch auf lange Sicht im Dax wird halten können. Doch der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse  hat MLP nach seinem jüngsten Treffen Mitte Mai eine weitere Gnadenfrist eingeräumt. Der Grund: Aus Sicht des Arbeitskreises gebe es derzeit keinen Ersatzkandidaten für MLP.

Der im MDax notierte Nivea-Hersteller Beiersdorf  gilt schon seit vielen Monaten als Übernahmekandidat, und gegen die im TecDax geführten T-Online AG  sprechen sowohl der geringe Anteil an frei handelbaren Aktien (Streubesitz) sowie der große Einfluss der Muttergesellschaft Deutsche Telekom (Kurswerte anzeigen).

Aktionärsschützer wollen Vorstand nicht entlasten

Ein ruhiger Spaziergang dürfte die Hauptversammlung für den Vorstand am morgigen Dienstag allerdings nicht werden. Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) kritisiert die Bilanzierungspraxis des Unternehmens im abgelaufenen Geschäftsjahr und hat für das Aktionärstreffen in Mannheim einen Antrag gestellt, dem Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern.

Die Gesellschaft habe in den Jahren 2000 und 2001 durch den Verkauf von Forderungen einen Gewinn von rund 100 Millionen Euro erzielt. Den Anlegern sei diese Art der Gewinnmaximierung nicht mitgeteilt worden, begründen die Aktionärsschützer ihren Antrag. In 2002 habe der Vorstand die Informationen darüber erst veröffentlicht, als der Prüfungsbericht bekannt wurde. Dies sei weder hinreichend noch aus eigenem Antrieb des Vorstandes gewesen. Bereits das aus Sicht der Aktionärsschützer unvollständige Informieren über so hohe ergebniswirksame Faktoren, "unabhängig von der rechtlichen Verpflichtung", könne nicht toleriert werden.

MLP hatte zu Jahresbeginn einen schweren Gewinneinbruch erlitten. Vorstandschef Termühlen begründete dies vor allem damit, dass die umstrittene Praxis, das Neugeschäft in der Lebensversicherung durch die Weitergabe an Rückversicherer vorzufinanzieren, weitgehend aufgegeben worden sei. Der Gewinn vor Steuern sank im ersten Quartal 2003 folglich auf 8,5 Millionen nach 24,5 Millionen Euro. Gleichwohl strebt das Unternehmen für das laufende Geschäftsjahr einen Vorsteuergewinn in Höhe von 65 Millionen Euro an.

Analysten sind skeptisch

Analysten teilen hohe Erwartungen nicht

Analysten haben allerdings Zweifel, dass MLP die zum Jahresende avisierten 65 Millionen Euro vor Steuern erreichen kann. So bemerkten die Experten der Landesbank Rheinland-Pfalz: "Mit einem Ergebnis vor Steuern von 8,5 Millionen Euro dürfte es schwierig werden, das vom Vorstand ausgegebene Gesamtjahresziel zu erreichen." Die Experten beließen den Titel auf "Underperformer".

Die WGZ-Bank hatte ihre Verkaufsempfehlung erneuert. Die im ersten Quartal neu hinzugewonnen 13.000 Kunden bewertete die Bank zwar positiv, erinnerte aber daran, dass im Vorjahreszeitraum MLP noch 24.000 Neukunden gewonnen hatte. Von einer nachhaltigen Erholung bei MLP könne deshalb keine Rede sein.

Akademiker als Kunden hart umkämpft

Experten der WestLB hatten nach den Erstquartalszahlen den Wert von "Neutral" auf "Underperformer" abgestuft und zugleich ihre Gewinnprognose für das laufende und das kommende Jahr gesenkt. Zur Begründung hatten die Experten auf die Ankündigung der Geschäftsführung verwiesen, im vierten Quartal über 50 Prozent des angestrebten Jahresgewinnes zu erreichen. Auch wenn höhere Umsätze im vierten Quartal normal seien, halten sie dieses Ziel für deutlich zu hoch gesteckt.

Das Hauptproblem sehen die Experten im Bereich Krankenversicherung. Die schwache Wirtschaftslage betreffe anders als frühere Krisen auch viele Akademiker und mache es für junge Akademiker schwierig, die notwendige Einkommensgrenze von 3825 Euro im Monat zu überwinden. MLP setzt vor allem auf Akademiker als Kunden. Die vielversprechende Klientel hat allerdings auch der Konkurrrent AWD  im Auge und will in diesem Segment überproportional stark wachsen. Der MLP-Konkurrent hatte Ende Mai ein Quartalsergebnis über den Erwartungen der Märkte ausgewiesen.

Dietmar Hopp verlässt den Aufsichtsrat

Auf der Tagesordnung der Hauptversammlung steht überdies eine Satzungsänderung, nach der die Aufsichtsratsmitglieder eine Vergütung von 30.000 Euro erhalten sollen. Die neue Regelung soll vom Geschäftsjahr 2003 an gelten. Aus dem sechsköpfigen Kontrollgremium will der Mitbegründer des größten deutschen Softwarekonzerns SAP , Dietmar Hopp, ausscheiden. Hopp gehört seit 2001 dem Aufsichtsrat des Finanzdienstleisters an.

Gegen Hopp wurden Ende Mai die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Mannheim eingestellt. Ihm wurde vorgeworfen, mit Geld aus seiner eigenen gemeinnützigen Stiftung für Bernhard Termühlen, den Vorstandsvorsitzenden des Finanzdienstleisters MLP, gebürgt zu haben. Der SAP-Mitbegründer hatte erst Anfang Mai seinen Posten als Aufsichtsratschef des Software-Riesen an den ehemaligen SAP-Chef Hasso Plattner abgegeben.

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