Märkte Das Duell

Der Dax schwächelt. US-Konjunkturdaten verleiten zu Gewinnmitnahmen. Sollten die Bären im Clinch mit den Bullen jetzt doch die Oberhand gewinnen? Die Zeit sei reif für eine Korrektur, heißt es. Doch es gibt Argumente dagegen.

Hamburg - Da droht Deutschland nach Einschätzung des DIW nun in eine Rezession abzugleiten. Der Außenhandel verliert zusehends seine tragende Funktion für die Wirtschaft, schreibt die Bundesbank. Das Beige-Book, der Konjunkturbericht der US-Notenbank, gibt nur wenig Grund zu Optimismus. Die EZB wiederum streicht ihre Wachstumsprognose für die Euro-Zone für das laufende Jahr kurzerhand auf die Hälfte zusammen. Und was macht der Dax? Er rennt und rennt und rennt.

Dämpfer durch US-Daten

Einen Dämpfer erhielt die Börse zum Wochenschluss lediglich vom US-Konsumentenklima. Der viel beachtete Verbrauchervertrauensindex der Universität Michigan ist im Juni entgegegen den Erwartungen deutlich gefallen. Der Index sei von 92,1 Punkten im Mai auf 87,2 Punkte gesunken, hieß es. Volkswirte hatten hingegen mit einem Anstieg auf 93,7 Punkte gerechnet. Der Dow gab bis Handelsschluss in Frankfurt 115 Punkte (1,3 Prozent) ab, und der Dax folgte auf dem Fuß und schloss 1,6 Prozent schwächer bei 3168 Punkten.

Nun mehren sich die Stimmen, die eine Korrekturphase erwarten. Hat der Dax doch seit seinen Tiefständen mittlerweile satte 1000 Punkte zugelegt. Spätestens bei 3300 Zählern hatten nicht nur die Analysten von Staud Research eine Korrektur erwartet. Eine längere Verschnaufpause sei dann sogar wünschenswert.

Das Glück des billigen Geldes

Vor allem institutionelle Anleger hätten die Aufwärtsdynamik unterschätzt und den Dax durch Zukäufe in die Höhe getrieben, sagen Marktbeobachter. Zugleich hätten Zinssenkungsfantasien sowohl in den USA als auch in Deutschland die Aktienmärkte nach oben befördert. Das billige Geld, der rigide Sparkurs der Unternehmen und zugleich ihre erfolgreichen Bemühungen die Schulden zu senken, - so zum Beispiel in der europäischen Telekombranche - dürften die Bilanzen der Unternehmen künftig deutlich besser aussehen lassen, hoffen die Investoren.

Doch all dies ist - wie so oft an der Börse - ein ungedeckter Scheck auf die Zukunft. Sollten die Unternehmen in der jetzt anlaufenden US-Gewinnwarnungssaison negativ überraschen, könnte sich das Blatt schnell wenden. Texas Instruments gab am vergangenen Mittwoch einen Vorgeschmack darauf, was die Märkte noch erwarten könnte.

Optimisten dagegen argumentieren, den Investoren bliebe angesichts der fallenden Zinsen und damit einhergehender immer weiter fallender Renditen an den Rentenmärkten kaum eine andere Wahl, als ihr Geld in die Aktienmärkte zu transferieren.

Das haben sie in der Vergangenheit offensichtlich auch getan. Das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen an der New Yorker Stock Exchange (NYSE) als auch an der Technologiebörse Nasdaq hat in den zurückliegenden Wochen Rekordwerte erreicht, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Händler an der Wall Street sähen dies derzeit als ein wichtiges Indiz für ein Ende des Kursaufschwunges. "Ein hohes Handelsvolumen deutet meist auf einen Wendepunkt hin", zitiert die Agentur einen Händler von J.P. Morgan.

So sicher wie das Amen in der Kirche war allerdings auch dies in der Vergangenheit nicht. So könne ein hohes Handelsvolumen durchaus auch der Vorbote einer sich abzeichnenden und vor allem nachhaltigen Aufwärtstendenz sein, heißt es.

Der Blick in die Glaskugel bleibt offenbar vernebelt. Den Investoren dürfte daher vorerst nichts anderes übrig bleiben, als mutig auf den fahrenden Zug zu springen oder mit der Herde rechtzeitig und schnellstmöglich den Absprung zu schaffen.

Anleger streichen Kursgewinne ein

Der Dax legte am Freitag zunächst einmal den Rückwärtsgang ein und schloss im Minus. Händler machten neben den schwachen US-Konjunkturdaten dafür auch Gewinnmitnahmen verantwortlich. Unter Kursabschlägen litten vor allem Finanzwerte. Deutsche Bank , Allianz , HypoVereinsbank , MLP , und Commerzbank  verbuchten Kursabschläge zwischen 2,70 und 7,20 Prozent.

SAP  hatte von den guten Zahlen profitiert, die der weltweit zweitgrößte Softwarehersteller Oracle  in der Nacht zuvor vorgelegt hatte. Die Aktie des Walldorfer Konzerns schloss 1,30 Prozent fester auf 108 Euro und zählte am Freitag damit zu den wenigen Gewinnern im Dax. Oracle hat im vierten Quartal die Erwartungen der Märkte geschlagen und auch der Ausblick stimmt zuversichtlich.

Mit Spannung beobachten nun die Märkte, wie sich die Übernahmeschlacht in der US-Softwarebranche entwickeln wird. PeopleSoft hat das Kaufangebot seines Konkurrenten Oracle abgelehnt. Zugleich droht Oracle eine Milliardenklage von J.D. Edwards. Der kleinste US-Konkurrent wirft Oracle-Chef Ellison vor, sich unerlaubt in den geplanten Zusammenschluss von J.D. Edwards und PeopleSoft eingemischt zu haben.

SAP derweil könnte von dem tobenden Übernahmekampf der unter Peoplesoft-Kunden grassierenden Unsicherheit profitieren, wie das Unternehmen selbst vermutet. Jedenfalls gewinnt SAP nach eigenen Angaben Marktanteile hinzu.

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