Hannover Rück Stütze für die Bonitätseinstufung

Jetzt also doch. Der Rückversicherer plant eine Kapitalerhöhung über 500 Millionen Euro. Auf diese Weise soll die Ratingposition gestärkt werden.

Hannover - Mit den angekündigten Kapitalerhöhungen zielt der weltweit fünftgrößte Rückversicherer Hannover Rück nach eigener Aussage auf eine Beibehaltung seiner "sehr positiven" Bonitätseinstufung. Zudem solle Geld in das organische Wachstum fließen, beispielsweise in die Zeichnung von Neugeschäft. Das sagte der Leiter des Finanz- und Rechnungswesens, Roland Vogel, am Donnerstag.

"Die Rückversicherungsbedingungen sind weiter sehr vorteilhaft. Wir als Rückversicherer brauchen Kapital, um wachsen zu können", sagte Vogel. "Wir planen aber keine Akquisition. Das frische Geld fließt in das organische Wachstum."

Mitte April hatte die Ratingagentur Standard & Poor's einen Tag nach Vorlage der 2002-Bilanz das Rating für die Gesellschaft von "AA" auf "AA-" gesenkt. Als Grund nannten die Analysten Sorgen über die Kapitalqualität. Wie auf andere Rückversicherer drückt die anhaltende Börsenflaute auf die Hannover Rück.

Damals wies die Hannover Rück jedoch eine Kapitalerhöhung zurück. "Wir haben derzeit eine Kapitalerhöhung nicht unbedingt nötig", sagte Vorstandschef Wilhelm Zeller bei der Vorlage der Bilanz in Hannover. Versicherer, die derzeit eine Kapitalerhöhung vorbereiteten, müssten hohe Abschläge gewähren. Hannover Rück wolle aber seine Aktien nicht zum halben Preis verkaufen, sagte Zeller. "Deshalb schieben wir eine Kapitalerhöhung so weit wie möglich hinaus", hieß es damals.

Kapitalerhöhung soll 500 Millionen Euro in die Kasse spülen

Am späten Mittwochabend hatte das MDax-Unternehmen gemeldet, seine Eigenkapitalbasis über zwei Kapitalerhöhungen um insgesamt rund 500 Millionen Euro stärken zu wollen. Geplant sind eine Barkapitalerhöhung um zehn Prozent des Grundkapitals sowie eine Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage um etwa 13 Prozent des Grundkapitals.

Die rund 9,7 Millionen neuen Aktien aus der Barkapitalerhöhung werden an diesem Donnerstag von Dresdner Kleinwort Wasserstein im Zuge einer Privatplatzierung institutionellen Investoren in Europa und den USA angeboten. Hier werden die Bücher laut Vogel noch am selben Tag geschlossen.

Teilentflechtung geplant

Mittels der Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage wird die Talanx AG zum 1. Juli 2003 Geschäftsanteile an der HDI Reinsurance Ireland Ltd. (HDI Re) gegen Ausgabe neuer Aktien in die Hannover Rück einbringen. Die Talanx ist die Zwischenholding des HDI-Konzerns (Haftpflichtverband der Deutschen Industrie). Der über die Talanx AG gehaltene HDI-Anteil an der Hannover Rück wird nach den Angaben von 75 auf etwa 72 Prozent schrumpfen. Der Streubesitz erhöht sich entsprechend von 25 auf 28 Prozent.

Dieser Schritt zielt auf eine Teilentflechtung der Hannover Rück und des HDI ab. "Der HDI will die Mehrheit behalten", sagte Vogel. "Mittelfristig will die HDI ihre Beteiligung auf bis zu 50,1 Prozent senken. Die nun angekündigten Maßnahmen sind ein erster kleiner Schritt in diese Richtung." Die Hannover Rück übernimmt seit diesem Jahr nicht mehr das gesamte Rückversicherungsvolumen ihres Mehrheitsaktionärs.