Zinssenkung Alan Greenspan und die Wilde 13

Die US-Wirtschaft zeigt nach Angaben der Notenbank erste Anzeichen einer Belebung. Aber die Konsumausgaben bleiben niedrig und der Arbeitsmarkt schwächelt. Börsianer werten dies als Anzeichen, dass Alan Greenspan bald die 13. Zinssenkung folgen lässt.

Washington - Die Erholung nach dem Ende des Irakkriegs sei insgesamt zwar verhalten ausgefallen, hieß es im am Mittwoch veröffentlichten monatlichen Konjunkturbericht der US-Notenbank (Beige Book) für den Zeitraum Mitte April bis Mitte Mai. In keinem der zwölf Bezirke der US-Notenbank habe es jedoch einen Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität gegeben.

Deutliche Erholung nach Irak-Krieg ausgeblieben

Das Ende des Irakkriegs habe sowohl das Geschäftsklima als auch das Verbrauchervertrauen etwas gestützt. Die positiven Auswirkungen seien jedoch nicht deutlich gewesen.

Börsianer fassten dies als Hinweis auf, dass die Fed die Zinsen während ihrer Sitzung am 25. Juni erneut senken könnte. Im späten Handel am Mittwoch bauten die US-Indizes ihre Gewinne aus. Dass die Zinsen bereits auf Rekordtief notieren, scheint derlei Überlegungen nicht zu stören: Seit Januar 2001 hat die US-Notenbank die Zinsen bereits zwölf Mal gesenkt und von 6,0 Prozent auf 1,25 Prozent gedrückt - das ist der niedrigste Stand seit mehr als 40 Jahren. Insgesamt sei die Entwicklung der Konsumausgaben in den USA trübe gewesen. Die Lage in der Industrie habe sich gemischt dargestellt. Der Arbeitsmarkt sei weiterhin schwach und der Preisdruck gedämpft. Eine Deflationsgefahr zeige sich aber auch nicht.

Schwacher Dollar fördert US-Exporte

Die Einzelhandelspreise seien in einigen Bezirken jedoch gesunken. Dieser Entwicklung hätten jedoch höhere Preise bei Erdgas, Chemikalien, Studiengebühren, Versicherungen und Anstiege bei Steuern von Bundesstaaten entgegen gestanden. Der Banken- und der Energiesektor hätten sich robust gezeigt, andere Dienstleistungsbranchen dagegen eher schwach. Die Kreditvergabe habe sich auf einem gesunden Niveau befunden.

Unternehmen aus dem Distrikt San Francisco berichteten, dass der schwache Wechselkurs des Dollar die Exporte von landwirtschaftlichen Produkten gefördert habe. Auf der anderen Seite seien jedoch die Preise für importierte Textilien und Rohstoffe gestiegen.

Das Beige Book wurde dieses Mal von der Federal Reserve Bank of Dallas erstellt. Das Beige Book beruht auf einer Umfrage von mehreren Tausend Unternehmen in den USA. Die Befragung wurde am 2. Juni abgeschlossen.

Duisenberg rudert zurück

Börsianer erwarten am Donnerstag außerdem die Berichterstattung des EZB-Präsidenten Wim Duisenberg sowie den Monatsbericht der Europäischen Zentralbank (EZB). Analysten erhoffen sich vor allem von der Rede Duisenbergs Hinweise auf die Zinspolitik der Notenbank. Duisenberg hatte am Mittwoch Erwartungen auf weiter fallende Zinsen gedämpft, nachdem zuvor Äußerungen Duisenbergs als Hinweis auf weitere Zinssenkungen interpretiert worden waren.

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