Allianz Die Spekulationen halten sich

Analysten schließen derzeit zumindest einen Teilverkauf der Tochter Dresdner Bank nicht mehr aus. Der Versicherungskonzern wäre damit einen Großteil seiner Probleme los. Doch es gibt auch gute Argumente dagegen.

Frankfurt am Main - Marktgerüchte, die Bank of America habe möglicherweise Interesse an einem Kauf der Dresdner Bank, haben der Aktie der Allianz  am Mittwoch weiteren Schub verliehen. Die Aktie des Allfinanzkonzerns kletterte bis 14 Uhr um weitere 2,5 Prozent, nachdem sie bereits am Vortag rund sieben Prozent zugelegt hatte.

Die Gerüchte halten sich hartnäckig, obwohl alle Beteiligten einen Kommentar bislang ablehnten. Zwei Jahre nach der Übernahmne erscheint ein Verkauf der Dresdner Bank durch die Allianz eher als abwegig. Allerdings sind nach dem Stabwechsel bei der Allianz die Chancen auf einen Verkauf gestiegen: Henning Schulte-Noelle hatte den Kauf der Dresdner Bank stets verteidigt, doch der amtierende Vorstandschef Michael Diekmann geht mit der defizitären Banktochter kritischer um.

Investmentsparte Dresdner Kleinwort begehrt

Schon mehrmals waren in der Vergangenheit Gerüchte aufgekommen, dass die amerikanische Großbank vor allem an der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein interessiert sei. Die Bank of America hatte im vergangenen Jahr einen Nettogewinn von 9,25 Milliarden Dollar erzielt.

Analyst Jochen Schmitt von der Landesbank Rheinland-Pfalz hält einen kompletten Verkauf der Dresdner durch die Allianz eher für unwahrscheinlich. Bei einem Verkauf hätte der Versicherungskonzern zwar mit einem Schlag sämtliche mit der Bank-Tochter verbundenen Probleme gelöst. Andererseits verliere die Allianz dann auch einen wichtigen Vertriebskanal, wenn nicht gleichzeitig eine Exklusivkooperation für den weiteren Vertrieb von Allianz- Produkten mit der Dresdner Bank abgeschlossen werde.

Einen Teilverkauf der Dresdner, etwa der Sparte Investment Banking, hält der Analyst insofern für wahrscheinlicher, zumal das Investment Banking nicht zur Kernstrategie der Allianz zähle. Bliebe es allerdings lediglich bei dem Verkauf dieser Sparte, seien damit eben nicht alle Probleme vom Tisch, die die Allianz mit der Dresdner habe, gibt der Experte in seiner Analyse vom Mittwoch weiter zu bedenken. "Vor allem im Kreditportfolio der Bank sehen wir nach wie vor Risiken." Ein Verkauf von Dresdner-Teilen müsste daher genau auf die Details untersucht werden.

Ein anderer Analyst eines Frankfurter Bankhauses erklärte: Sollte die Allianz die Dresdner verkaufen, wäre dies ein klares Eingeständnis, dass der Kauf der Bank ein Fehler war und das Konzept eines Allfinanzkonzerns gescheitert wäre. "Diese Blöße wird sich die Allianz nicht geben", sagte der Analyst. Den Verkauf der Investmentsparte Dresdner Kleinwort Wasserstein hielt er da schon für realistischer, gab allerdings zu bedenken, dass die Allianz derzeit mitten in der Umstrukturierung dieses Bereichs stecke.

Die Spekulationen kamen der gesamten Versicherungssparte zu Gute. Neben der Allianz gehörte auch die Münchener Rück am Tag der Hauptversammlung zu den Kursgewinnern. Aegon sowie ING Groep stiegen nach einem freundlichen Analystenkommentar von Morgan Stanley. Für die Finanzbranche sei außerdem positiv, dass mittelfristig über weitere Zinssenkungen der EZB spekuliert werde, sagte ein Händler.

Abschied aus Global Titans - Gewicht im Dax erhöht

Für die Allianz kommen die Spekulationen zur rechten Zeit. In der In der vergangenen Woche hatte der Indexanbieter Dow Jones mitgeteilt, dass die Allianz-Aktie Ende Juni ihren Platz im Global Titans 50 Index verlieren wird. Das Papier hatte dennoch mit dem freundlichen Markt die Erholung fortgesetzt.

Nach Ansicht der Analysten der HypoVereinsbank (HVB) wecke auch der nächste Verkettungstermin der Deutschen Börse (20. Juni) Kaufinteresse für die Allianz: Das Gewicht der Aktie im Dax werde von 4,9 auf 7,1 Prozent steigen. Durch die Kapitalerhöhung habe sich sowohl die Aktien-Zahl als auch der Free-Float deutlich nach oben entwickelt.

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