Alexander Falk Nach Razzia in U-Haft

Der Verlagserbe wurde in Untersuchungshaft genommen. Dem Multimillionär wird Betrug und Verstoß gegen das Börsengesetz vorgeworfen.

Hamburg - Der seit einigen Tagen wegen Verdachts des Betruges und Verstoßes gegen das Aktiengesetz gesuchte Verlagserbe Alexander Falk sitzt in Hamburg in Untersuchungshaft. Falks Rechtsanwalt Gerhard Strate bestätigte am Samstag einen Bericht der "Bild"-Zeitung, wonach sich der Unternehmer den Behörden gestellt habe.

Am Freitagabend um 21.50 Uhr sei Falk mit einem Flugzeug aus London in der Hansestadt gelandet, um 22.20 habe er sich beim Landeskriminalamt gemeldet.

Am Sonnabend sei der Haftbefehl verkündet worden, sagte Strate. Wenige Tage zuvor, am Dienstag, hatten Dutzende von Polizisten und Staatsanwälten in einem Großeinsatz 24 Privat- und Büroräume von Falk und sechs weiteren Beschuldigten in mehreren Bundesländern durchsucht und Beweismaterial gesichert.

Weil der 34 Jahre alte Erbe des Falk-Stadtplanverlages sich in Kenntnis der Vorwürfe selbst gestellt habe, besteht nach Strates Ansicht keine Fluchtgefahr, und der Haftbefehl sollte außer Vollzug gesetzt werden. "Ich habe Hoffnung, dass sich die Argumentation durchsetzen wird", sagte er.

Vorwurf: Kursmanipulation durch Scheingeschäfte

Falk und andere Manager sollen zur Zeit des Neuen Marktes den Aktienkurs der Internet-Firma Ision  durch Scheingeschäfte in die Höhe getrieben oder zumindest stabilisiert haben, um einen unrealistisch hohen Verkaufspreis zu erzielen. Falk verkaufte die Ision AG im Januar 2001 für 812 Millionen Euro an die britische Energis plc, die anschließend in die Insolvenz ging. Die Kleinaktionäre der Ision verloren dabei ihr Geld.

Strate sagte für Falk, es habe keinen Betrug zum Nachteil des Unternehmens Energis gegeben. Falk selbst betonte in der Bild: "Ich werde mich aktiv verteidigen, da die Vorwürfe keine Berechtigung haben."

Der 1969 geborene Falk hatte von seinem Vater den Falk-Stadtplanverlag geerbt und 1995 für rund 50 Millionen Mark an Bertelsmann verkauft. Das Geld investierte er in Bereichen wie Internet, Mobilfunk, Software und Informationstechnik. Der junge Unternehmer gehörte lange Zeit zu den Aushängeschildern des Neuen Marktes.

Die von ihm gegründete Ision AG allerdings hatte zuletzt vor allem durch massive Probleme von sich reden gemacht. Anfang Mai 2002 musste der Vorstand schließlich für seine operativ tätigen Gesellschaften die Insolvenz beantragen. In einer Ad-hoc-Mitteilung hieß es dazu, der Vorstand sei zu diesem Schritt gezwungen worden, weil der Mehrheitsaktionär Energis trotz gegenteiliger Zusagen vom 3. April überraschend beschlossen habe, die Finanzierung der Ision Internet AG mit sofortiger Wirkung einzustellen.

Sorgen machen sich nun auch die Beschäftigten der Wertpapierhandels- und Investmentbank Hornblower Fischer  in Frankfurt. Dort hat sich Falk als Mehrheitsaktionär und Vorsitzender des Aufsichtsrats ein neues Betätigungsfeld gesucht.

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