Dyckerhoff Buzzi Unicem geht in die Offensive

Der italienische Mitbewerber und Großaktionär Buzzi Unicem will seine Position stärken und bietet den Vorzugsaktionären ein Umtauschangebot an. Die Aktie klettert kräftig.

Frankfurt am Main - Der italienische Konzern Buzzi Unicem  hat den Vorzugsaktionären des deutschen Zementherstellers Dyckerhoff  ein Umtauschangebot zur Übernahme ihrer Anteile unterbreitet. Eine Fusion mit dem deutschen Konkurrenten plant Buzzi nach eigenen Angaben aber nicht.

Die Dyckerhoff-Vorzüge stiegen nach Bekanntwerden des Umtauschangebots um über 40 Prozent auf 11,35 Euro. Dyckerhoff wollte das Angebot zunächst nicht kommentieren.

Je Dyckerhoff-Vorzugsaktie sollen die Anteilseigner 2,4 Buzzi-Vorzugsaktien aus einer Kapitalerhöhung erhalten, teilte Buzzi am Donnerstag mit. Für Buzzi Unicem verstärke ein erfolgreiches Angebot den Führungsanspruch bei Dyckerhoff, auch im Hinblick auf eine mögliche Konzernstrategie, und bringe mehr Flexibilität bei der Hebung künftiger Integrations- und Synergiepotenziale, hieß es in einer Mitteilung. Analysten sagten, Buzzi wolle offenbar auf dem jetzt recht günstigen Kursniveau die Vorzugsaktionäre abfinden.

Vor einem Jahr kosteten die Dyckerhoff-Vorzüge noch 15,64 Euro. Bis zum März 2003 fielen sie auf ein Tief von 3,90 Euro, erholten sich dann aber wieder. Dyckerhoff hatte im vergangenen Jahr einen hohen operativen Verlust ausgewiesen, aber im ersten Quartal 2003 Zeichen einer Erholung gezeigt.

Buzzi hält nach Angaben der Dyckerhoff-Internetseite bereits 49,24 Prozent der Stammaktien an Dyckerhoff und verfügt über eine Kaufoption für weitere Anteile aus dem Besitz der italienischen IMI Investments. Wenn Buzzi diese Option Ende 2004 zieht, verfügt es über 73 Prozent der Stammaktien. Auch ohne die jetzt umworbenenen Vorzüge würde Buzzi schon dann über mehr als zwei Drittel des gesamten Dyckerhoff-Aktienkapitals verfügen.

Die Besitzer von Stammaktien sind auf einer Hauptversammlung stimmberechtigt, die Vorzugsaktionäre hingegen nicht. Dafür werden sie im Regelfall mit einer höheren Dividende entschädigt.

Aktie reagiert mit Kurssprung

Die zunächst vom Handel ausgesetzten Dyckerhoff-Vorzugsaktien reagierten mit einem Kurssprung auf die Nachricht. Nach Reuters-Berechnungen auf Basis des letzten Buzzi-Kurses vor Bekanntwerden des Angebots bietet das italienische Unternehmen den Dyckerhoff-Aktionären 13,89 Euro je Anteilsschein. Ein Aktienhändler kommentierte die Differenz zum Angebotspreis mit den Worten: "Die Überraschung ist vorbei und der Markt kalkuliert jetzt das Risiko."

Ein Frankfurter Analyst, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte: "Buzzi ergreift die Gelegenheit, um die Vorzugsaktien günstig zu bekommen. Den Preis halte ich aber für zu niedrig", fügte er hinzu. Buzzi habe in einer Telefonkonferenz den durchschnittlichen Preis für die bereits gekauften 50 Prozent der Stämme und die fünf Prozent der Vorzüge mit 57 Euro beziffert. Der Dyckerhoff-Buchwert liege bei 26 bis 28 Euro je Aktie. Zu Handelsschluss am Donnerstag kosteten die Dyckerhoff-Vorzüge 11,35 Euro und die Stämme 14,70 Euro.

Aus mit der Transaktion vertrauten Kreisen verlautete, dass Buzzis Hauptmotivation darin bestehe, die Aktionärsstruktur bei Dyckerhoff zu vereinfachen, nachdem einige Vorzugsaktionäre ihre Bereitschaft zum Verkauf signalisiert hätten. "Es sieht so aus, als ob den Minderheitsaktionären die Anteile abgekauft werden sollen, um so die Beteiligungsstruktur zu vereinfachen", hieß es in den Kreisen.

In einer Pressemitteilung von Dyckerhoff hieß es, der Vorstand werde zum Umtauschverhältnis und den weiteren Einzelheiten des Angebots nach Erhalt der Unterlagen eine Stellungnahme abgeben. Bis dahin werde die Gesellschaft das Angebot nicht kommentieren.

Buzzi will nach eigenen Angaben möglichst alle Vorzugsaktien umtauschen. Die Annahmefrist werde in Abstimmung mit den Behörden noch bekannt gegeben. Mit einer Veröffentlichung der Angebotsunterlagen sei Anfang August zu rechnen.

Buzzi plant jedoch keine Fusion mit seinem deutschen Konkurrenten. "Dyckerhoff als eigenständiges Unternehmen wird nicht aufhören zu existieren", sagte Buzzi-Co-Chef Franco Buzzi am Donnerstag in einer Telefonkonferenz.

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