Münchener Rück "Der Wind hat merklich gedreht"

Trotz des vierten Verlustquartals in Folge gibt sich Konzernchef Schinzler optimistisch. Analysten loben vor allem die steigende Profitabilität im operativen Geschäft. Mehrere Experten erneuern ihre Kaufempfehlung für den Wert.

München - Wegen hoher Abschreibungen auf kursschwache Wertpapiere hat die Münchener Rück  zum vierten Mal in Folge einen Quartalsverlust verbucht. Im operativen Geschäft kehrte der Rückversicherer jedoch in die Gewinnzone zurück.

Für die ersten drei Monate 2003 wies der weltgrößte Rückversicherer am Montag trotz deutlicher Verbesserungen im eigentlichen Versicherungsgeschäft einen Fehlbetrag von 238 Millionen Euro aus, nach einem Verlust von 2,158 Milliarden Euro im Vorquartal. Analysten hatten im Durchschnitt lediglich einen Quartalsverlust von 114 Millionen Euro erwartet.

Vor Steuern und Firmenwert-Abschreibungen erzielte die Münchener Rück jedoch erstmals seit dem ersten Quartal des Vorjahres wieder einen knappen Gewinn von 123 Millionen (Verlust im Vorquartal: 1,637 Milliarden) Euro. In einem starken Marktumfeld gewann die Aktie der Münchener Rück am Montagvormittag rund zwei Prozent auf 93,62 Euro hinzu während der Dax um rund 1,8 Prozent auf 3036 Zähler kletterte.

Vorstand schließt weitere Abschreibungen nicht aus

Erneut belasteten hohe Abschreibungen auf die umfangreichen Wertpapierdepots des Konzerns das Ergebnis. Die Münchener Rück, einer der größten institutionellen Investoren Europas, schrieb im Quartal 880 Millionen Euro auf ihren Wertpapierbesitz ab. Im ersten Quartal 2003 beliefen sich Wertberichtigungen und Veräußerungsverluste zusammen auf 2,3 Milliarden Euro. Der Konzern hat nach eigenen Angaben die Aktienquote auf 14,5 Prozent gesenkt - verglichen mit 18,1 Prozent Ende 2002.

Auch im zweiten Quartal könnten auf den Rückversicherer "durchaus erhebliche" Abschreibungen zukommen. Dies sei nicht auszuschließen, wenn sich die Kapitalmärkte seitwärts entwickelten, sagte Vorstandsmitglied Jörg Schneider am Montag bei einer Telefonkonferenz. Noch sei nicht abzusehen, ob der Konzern im laufenden zweiten Quartal wieder einen Verlust verbuche oder in die Gewinnzone zurückkehre. Die Abschreibungen würden die Größenordnung der Wertberichtigungen des ersten Jahresviertels allerdings wohl nicht erreichen.

Fortschritte im operativen Geschäft

Im operativen Geschäft der Risikoübernahme für andere Versicherer erzielte die Münchener Rück Fortschritte: Die Schaden-Kostenquote (combined ratio) als Kennzahl für die Profitabilität im reinen Versicherungsgeschäft sank im ersten Quartal auf 96,8 Prozent.

Eine Quote von 100 Prozent oder weniger bedeutet, dass ein Versicherer seine Schadenzahlungen und Verwaltungskosten voll aus den eingenommenen Prämien bestreiten kann. Bei der Kennzahl profitierte der Konzern davon, dass in den ersten drei Monaten des Jahres teure Großschäden ausblieben.

Für das laufende Jahr erwarte der Konzern einen Umsatz auf Vorjahresniveau, hieß es. Die Dollarschwäche werde hier ein Konzernwachstum verhindern. Eine Ergebnisprognose sei wegen der unsicheren Kapitalmärkte nicht möglich.

"Es geht spürbar voran"

Trotz der immer noch trüben konjunkturellen Lage blickt das Unternehmen zuversichtlich in die Zukunft. "Es geht spürbar voran, trotz der Unsicherheiten der weiteren Kapitalmarktentwicklung", sagte Konzernchef Hans-Jürgen Schinzler. Operativ habe die Münchener Rück in den ersten drei Monaten bereits deutliche Fortschritte erzielt. Wenn der Konzern von außergewöhnlichen Schadenereignissen verschont bleibe, werde sich dies auch deutlich auf das Gesamtergebnis 2003 auswirken. Schinzler gibt zum Jahresende sein Amt auf. Neuer Chef des weltgrößten Rückversicherers wird Nikolaus von Bomhard (46).

Auch Vorstandsmitglied Jörg Schneider zeigte sich trotz des Verlusts zuversichtlich: "Der Wind hat merklich gedreht. Die ersten drei Monate bestätigen ungeachtet der Nachlaufbelastungen aus den schwachen Kapitalmärkten, dass wir unser Geschäft in Ordnung gebracht haben."

Analysten loben die steigende Profitabilität

Analysten loben die gefallene Schaden-Kostenquote

Erfreulich entwickelte sich aus Sicht von Analysten vor allem die gefallene Schaden-Kostenquote. Die Combined Ratio in der Rückversicherung lag mit 96,8 Prozent deutlich unter dem Wert des Vorjahresquartals (101,7), erklärten am Montag Analysten der Landesbank Rheinland-Pfalz und der WestLB Panmure. "Dies zeigt, dass die Münchener Rück stark auf ihre Profitabilität geachtet hat", sagte Frank Stoffel von der WestLB Panmure. Für ihn sei dies die wichtigste Nachricht des Quartalsberichtes. Der Experte hatte eine Quote von 100 Prozent erwartet. Er geht davon aus, dass der Konzern seine Profitabilität und damit auch die Gewinne im laufenden Jahr deutlich erhöhen werde.

Die Landesbank Rheinland-Pfalz beließ den Wert zunächst unverändert auf "Outperformer". Mit Blick auf die Combined Ratio gab Analyst Jochen Schmitt jedoch zu bedenken, dass der weltgrößte Rückversicherer von größeren Naturkatastrophen verschont geblieben war. Durch das Ausbleiben oder durch eine Kumulation derartiger Ereignisse könnten die Quartalsergebnisse beziehungsweise die Combined Ratio durchaus Schwankungen unterliegen, sagte Schmitt.

Kritisch wertete der Experte, dass sich das Eigenkapital des Konzerns von 13,9 Millionen Euro gegen Ende des vergangenen Jahres auf 12,5 Millionen Euro im ersten Quartal verringert habe. Da sich die Märkte allerdings seit Ende März wieder erholt haben, dürfte die aktuelle Eigenkapital-Situation erfreulicher aussehen, hieß es in der Kurzstudie vom Montag weiter.

"Aktie ist nicht zu teuer"

Auch die Analysten der SEB lobten die deutlich geringere Schaden-Kostenquote. Sie beweise, dass die Münchener Rück operativ deutlich besser wirtschafte. Der Konzern werde operativ die Profitabilität weiter steigern. Das Wachstum dürfte sich mengenmäßig allerdings etwas verlangsamen. Vor diesem Hintergrund würden die Analysten ihre Gewinnprognose geringfügig nach unten revidieren, kündigten sie am Montag an.

Auf Basis der neuen 2004er-Gewinnschätzung sei die Aktie mit einem 12-fachen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für einen Marktführer nicht zu teuer, schrieben die Analysten weiter. Sie erneuerten ihre Kaufempfehlung ebenso wie die Experten von der WGZ-Bank.

Dierk Schaffer von der WGZ-Bank bewertete die niedrige Schadenquote im ersten Quartal als positiven "Ausreißer". Gleichwohl sehe er nun die Erreichung einer Combined-Ratio unter 100 Prozent auch für das Gesamtjahr als realistisch an. Ab dem zweiten Quartal werde wie bei vielen Wettbewerbern der Einfluss von Wertberichtigungen stark abnehmen, so dass die operative Entwicklung und die derzeit positiven Kapitalmärkte zunehmend in den Blickpunkt rücken sollten, schrieb der Analyst der Bank weiter.

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