MLP Der alte Glamour ist dahin

Vorstandschef Termühlen bestätigt nach einem schwachen Quartal dennoch die Jahresprognosen. Analysten haben allerdings ihre Zweifel. Das Papier gibt deutlich ab.

Heidelberg/Frankfurt - Der angeschlagene Finanzdienstleister MLP  hat für das erste Quartal den von vielen Analysten erwarteten Gewinneinbruch ausgewiesen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum rutschte das Vorsteuerergebnis um zwei Drittel auf rund 8,5 Millionen Euro ab. Vorstandschef Bernhard Termühlen bekräftigte gleichwohl die Jahresprognose.

Analysten äußerten allerdings Zweifel, dass MLP die zum Jahresende avisierten 65 Millionen Euro vor Steuern erreichen könne. Die Aktie gab am Dienstag zeitweilig mehr als fünf Prozent ab und notierte knapp über zehn Euro.

Den Gewinneinbruch führte Termühlen vor allem darauf zurück, dass die umstrittene Praxis, das Neugeschäft in der Lebensversicherung durch die Weitergabe an Rückversicherer vorzufinanzieren, weitgehend aufgegeben worden sei. Dies habe das Ergebnis im ersten Quartal mit 8,8 Millionen Euro belastet.

Neuer Finanzchef

MLP hatte zu Beginn dieses Jahres seine Rückversicherungspolitik und Bilanzierungspraxis nach heftiger Kritik umgestellt. Die konservativere Rechnungslegung verhagelte dem Unternehmen die Bilanz 2002. MLP verbuchte nach Abschreibungen und Wertberichtungen horrende Verluste. Um diesen Paradigmenwechsel glaubhaft zu untermauern, hatte sich MLP zuvor Uwe Schroeder-Wildberg als Finanzchef ins Haus geholt. Der ehemalige Finanzvorstand des Online-Brokers Cortal Consors, der bei dem Finanzprofessor Wolfgang Gerke promoviert hat, gilt in Analysten-Kreisen als kompetent.

Im laufenden Jahr werde MLP das Rückversicherungsgeschäft weiter reduzieren. "Da wollen wir das zurückfahren, was wir zurückfahren können", sagte Termühlen weiter. "Nach 2003 sind wir damit vollkommen durch."

Für das laufende Jahr wollte der Vorstandschef von MLP keine Erlösprognose abgeben. Ungeachtet der anhaltenden Konjunkturflaute strebe das Unternehmen in den nächsten drei bis sechs Jahren weiter ein Wachstum von jährlich 20 Prozent an. Diesen Optimismus teilten Analysten am Dienstag allerdings nicht.

Analysten bleiben sehr skeptisch

Analysten bleiben sehr skeptisch

Zwar traf das Quartalsergebnis weitgehend die Erwartungen der Analysten von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). "Mit einem Ergebnis vor Steuern von 8,5 Millionen Euro dürfte es allerdings schwierig werden, das vom Vorstand ausgegebene Gesamtjahresziel zu erreichen", schrieb Analyst Olaf Kayser. Er beließ die Aktie auf "Underperformer".

Dierk Schaffer von der WGZ-Bank erneuerte seine Verkaufsempfehlung für den Wert. Positiv bewertete die Bank die Neukundenzahl von 13.000 Kunden. Im Vorjahreszeitraum hatte MLP allerdings noch 24.000 neue Kunden hinzugewinnen können. Von einer nachhaltigen Erholung bei MLP wollte der Experte deshalb auch noch nicht sprechen. Das Unternehmen müsse jetzt unter Beweis stellen, dass es trotz geänderter Rückversicherungspraxis seine Ertragskraft ausbauen könne. "Die Zahlen lassen noch nicht darauf schließen, ob MLP seine Probleme überwunden hat", sagte auch Werner Schirmer von der LBBW.

Immerhin, die Transparenz steigt

Lobend erwähnten die Analysten von SEB, MLP habe seine Kommunikationspolitik verbessert und sorge so "zumindest für mehr Transparenz". Mit Blick auf die Ergebnissituation sei vermutlich das Gröbste ausgestanden. Die alten Wachstumsraten früherer Jahre werde MLP aber nicht mehr erreichen.

Die Experten der Bank erachten den Titel derzeit angesichts des deutlich verlangsamten Wachstums auch für zu teuer. Die durchschnittlichen Gewinnschätzungen für 2003 lägen aktuell bei 0,39 Euro und für 2004 bei rund 0,45 Euro. Dafür müsste MLP sein Wachstum in diesem Jahr allerdings noch deutlich steigern, was die Analysten für "sehr ambitioniert und kaum erreichbar" halten. Überdies sei nicht sicher, ob MLP im Dax verbleiben werde, auch wenn gegenwärtig der Deutschen Börse AG Alternativen für einen Aufstieg fehlten. Vor diesem Hintergrund erneuerten die SEB-Analysten ihre Verkaufsempfehlung.

Experten von HSBC Trinkaus halten das Neugeschäft im ersten Quartal für "nicht sehr beeindruckend". Das Jahr 2003 dürfte für MLP schwierig bleiben. Das Ergebnisziel sei durch die Reduzierung operativer Kosten aber noch erreichbar, hieß es.

Arne Jockusch vom Bankhaus Merck Finck deutete die Aussagen des Vorstandes dahingehend, dass sich die Lage bei MLP zusehends stabilisiere. "Wenn zu erkennen ist, dass MLP ansatzweise auf seinen Wachstumspfad zurückkehrt, ist die Aktie noch billig", sagte er. "Aber 2003 ist noch ein Jahr des Übergangs."

Frank Ertz von der HypoVereinsbank bewertete die Bestätigung der Jahresziele positiv. Das Wachstum bei den Kundenzahlen und beim Umsatz von bestehenden Kunden signalisierten, dass das Vertrauen entweder zurückkehre oder weniger als erwartet gelitten habe. Gleichwohl beließ der Analyst seine Einschätzung für die Aktie auf "Neutral".

Die Konkurrenz um Akademiker-Kunden wächst

Die Konkurrenz um Akademiker-Kunden wächst

Zielgruppe von MLP sind vor allem Hochschulabsolventen. Dass die Zahl der erwerbslosen Akademiker im Vergleich zu nicht studierten Beschäftigten im vergangenen Jahr schneller gestiegen ist, sieht Vorstandschef Termühlen gelassen. "Der Akademikerarbeitsmarkt läuft besser als andere Arbeitsmärkte. Man stellt Junge ein." Der Finanzdienstleister will die Zahl seiner Kunden bis zum Jahresende um 14 Prozent auf 575.000 steigern.

Die vielversprechende Klientel hat allerdings auch der Konkurrent AWD  im Auge. Der Hannoveraner Finanzdienstleister setzt verstärkt auf den Akademiker als Kunden und will in diesem Segment überproportional wachsen. Für die Tochter Horbach erwartet AWD-Finanzvorstand Ralf Brammer im laufenden Jahr ein Plus bei Gewinn und Umsatz um rund 20 Prozent. AWD will in diesem Geschäftsbereich die Zahl der Berater von derzeit 200 auf mindestens 400 in den kommenden fünf Jahren verdoppeln, sagte der Finanzchef dem Handelsblatt.

AWD wird am morgigen Mittwoch seine Zahlen vorlegen. Das Unternehmen hatte Anfang April für das erste Quartal ein Umsatzplus von 15 Prozent auf rund 122 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) dürfte sich auf rund 10,4 Millionen Euro verbessern. Im Vorjahresquartal waren es 8,5 Millionen Euro.

MLP: Gewinne brechen weg Dax: Weitere Gnadenfrist für MLP "Akute Krise ist überstanden" Der Finanzdienstleister räumt auf Bilanzexperte: "Termühlen lügt nicht" Ausgereizt - zerbricht der Konzern 

Verwandte Artikel