Thilenius-Kolumne Finger weg von "fetten" Aktien

Tabakkonzerne haben die Auswüchse des US-Rechtssystems bereits schmerzlich zu spüren bekommen. Gut möglich, dass auch Unternehmen wie Coca-Cola und McDonald's bald die Daumenschrauben angelegt werden - Aktionäre aufgepasst!

Tabakhersteller und Produzenten von Asbest wissen ein Lied vom amerikanischen Rechtssystem zu singen. In 25 Jahren von Tabakprozessen und in mehr als 700 einzelnen Verfahren ist die Tabakindustrie, die früher eine Wachstumsbranche war, wesentlich geschwächt.

Der Marktführer Altria, früher Philip Morris, hat gerade noch ein Kursgewinnverhältnis von acht. Die Aktie ist von einem der besten Wachstumswerte inzwischen in das Value-Lager übergewechselt. Von den früheren Produzenten von Asbest ist nicht viel Besseres zu berichten.

Das amerikanische Rechtsystem ist immer wieder für neue Überraschungen gut. Die nächste Überraschung könnte die Aktionäre von McDonald's , Coca-Cola  und Cadbury Schweppes überfallen. Was haben diese Unternehmen nun gemeinsam? Die Erklärung ist einfach: Sie sind alle Produzenten von Lebensmitteln und verwenden zur Herstellung Ihrer Lebensmittel ordentlich Fett, wie McDonald's und ordentlich Zucker, wie Coca-Cola.

Schadensersatz wegen Förderung der Fettleibigkeit

Was wie eine Humoreske klingt, dürfte bald bitterer Ernst werden, nämlich Einschränkungen der Geschäftstätigkeit und möglicherweise auch Schadensersatzprozesse wegen Förderung der Fettleibigkeit.

In der letzten Zeit haben unabhängige Institute wie die Weltgesundheitsorganisation und das wirtschaftliche Forschungsinstitut der Harvard Universität Studien über die Kosten der Fettleibigkeit erarbeitet. Vor kurzem hat die amerikanische Gesundheitsbehörde die jährlichen Kosten der Fettleibigkeit auf 117 Milliarden Dollar geschätzt; das ist nicht weit weg von den 140 Milliarden Dollar die die Kosten des Rauchens darstellen sollen. Hier endet die Humoreske.

Gravierende Auswirkungen zu befürchten

Auf Basis dieser Forschungsergebnisse ist durchaus denkbar, dass die Fastfood- und Softdrinkunternehmen die nächsten Ziele für Regulierung durch die Regierung und möglicherweise auch Schadensersatz sein können. Die Regierungen, vor allem die der USA, werden wahrscheinlich nicht lange die Bitten der Gesundheitsorganisationen abschlägig bescheiden können.

Denkbar ist, dass die Einschränkung relativ harmlos beginnt. Es könnte angeordnet werden, dass diese Unternehmen zum Beispiel öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser und Regierungsgebäude nicht mehr beliefern dürfen. Das wird sich dann sicherlich auf die Bewertungen dieser Unternehmen niederschlagen.

Die Folgen für den Anleger

Der Einfluss auf die Bewertungen

Die Bewertung dieser Konzerne suggeriert jetzt, dass es ihnen gelingt, ihre Umsätze um ungefähr fünf bis sechs Prozent im Jahr für die nächsten zehn Jahre zu steigern. Das Kursgewinnverhältnis von McDonald's liegt zurzeit bei 11, das von Coca-Cola liegt bei 23.

Falls die amerikanische Regierung die Geschäftstätigkeit der Firmen einschränkt und möglicherweise Schadenersatzprozesse auf die Unternehmen zukommen, werden diese Bewertungen erheblich zurückgehen müssen, da sich der angepeilte Umsatzzuwachs nicht einstellen wird.

Das Bewusstsein hat sich gewandelt

Die Tabakprozesse sind sicher ein extremes Beispiel für die Zufälligkeiten im amerikanischen Rechtssystem. Bei deren Beginn vor 25 Jahren wäre niemand auf die Idee gekommen, dass derartige Prozesse jemals einen größeren Einfluss auf diese Unternehmen haben könnten. Hier hat sich aber das Bewusstsein gewandelt. Ebenso denkt heute niemand daran, dass Fettleibigkeitsprozesse Einflüsse auf Coca-Cola und McDonald's haben dürften.

Aber auch hier wird sich angesichts der Zahlen der amerikanischen Gesundheitsbehörde und der Weltgesundheitsorganisation möglicherweise das Bewusstsein langsam ändern. Investoren sind deshalb gut beraten, genau auf die Entwicklung zu achten und bei den geringsten Zeichen von Eingriffen der Regierung oder bei drohenden Schadensersatzklagen diese Aktien zu verkaufen. Man kann immer daran denken, sie bei günstiger Gelegenheit zu prozess- oder regulierungsbedingten niedrigen Kursen zurückzukaufen.

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