Comroad "Ständige Werbung mit Falschmeldungen"

Ein geprellter Anleger gewinnt vor dem Landgericht Frankfurt und bekommt Schadensersatz. Grund: Die Irreführung habe in diesem Fall eine "andere Qualität".

Frankfurt - Erstmals hat ein geprellter Aktionär im Comroad-Betrugsskandal einen juristischen Erfolg erzielen können. Das Landgericht Frankfurt verurteilte den Telematik-Spezialisten zur Zahlung von 7.500 Euro an den Anleger. Das Urteil sei aber noch nicht rechtskräftig, teilte das Gericht am Mittwoch in Frankfurt mit.

Durch den Verfall der Comroad-Aktie  hatten zahlreiche Anteilseigner viel Geld verloren. Bislang waren aber alle Aktionäre im Kampf um Schadenersatz vor Gericht gescheitert.

"Vorsätzliche sittenwidrige Schädigung"

Die Richter hielten dem Münchner Unternehmen vor, mit erfundenen und falschen Geschäftszahlen habe die ehemals am Neuen Markt notierte Gesellschaft eine "dauernde positive Anlagestimmung" beim Kläger erzeugt. Wegen dieser "vorsätzlichen sittenwidrigen Schädigung" stehe dem Anleger ein Ersatz für seinen Schaden zu, heißt es in dem Urteil (Aktenzeichen 3-7 O 47/02).

Bisher scheiterten klagende Anleger daran, dass sie ihre Kaufentscheidung nicht auf konkrete Falschmeldungen zurückführen konnten. Dies sahen die Frankfurter Richter in dem betreffenden Fall anders: Nicht mit einzelnen Täuschungen, sondern "durch die ständige Werbung mit Falschmeldungen, Pflichtmitteilungen und sonstigen Erklärungen über Umsatz- und Gewinnsteigerungen" habe die Beeinflussung "eine andere Qualität" erreicht.

Das Gericht bestätigte damit am Mittwoch einen Bericht des Anlegermagazins "Börse Online". Dort war allerdings von zwei Anlegern die Rede, die ihre Ansprüche erfolgreich geltend gemacht hätten. Das Gericht gab an, dass noch weitere Verfahren anhängig seien.

Comroad hatte in den Jahren 1999 bis 2001 beinahe seinen gesamten Jahresumsatz vorgetäuscht. Dies war der größte Skandal in der Geschichte des Börsensegments Neuer Markt. Das Landgericht München verurteilte den AG-Gründer Bodo Schnabel Ende 2002 wegen Kursbetrugs, Betrugs und Insiderhandels zu sieben Jahre Haft.

Mitte April hatten bereits einige Aktionäre einen Sieg gegen die Comroad-Konsortialbank Concord Effekten errungen. Sie einigten sich außergerichtlich mit der Bank, die sich nach längeren Verhandlugen bereit erklärte, den maximalen Prospekthaftungsbetrag an die 45 Kläger auszuzahlen. Diese zogen daraufhin ihre Klage zurück.

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