Thiel Logistik Prognosen waren "deutlich zu optimistisch"

Erst hat der Logistikspezialist mit dem Umbau seiner Führungsriege überrascht. Jetzt verfehlt das Unternehmen seine Prognosen und gibt einen Quartalsverlust bekannt.

Grevenmacher - Der Logistikdienstleister Thiel Logistik  ist im ersten Quartal trotz Umsatzanstieg operativ in die roten Zahlen gerutscht und hat von seiner bisherigen Planung für das Gesamtjahr Abstand genommen. In den ersten drei Monaten 2003 sei ein Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 8,6 Millionen Euro nach einem Gewinn von 17,7 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum angefallen, teilte das seit kurzem unter neuer Führung stehende Unternehmen am Mittwoch mit.

Der Umsatz stieg auf 413,8 (Vorjahr: 352,2) Millionen Euro. Ausschlaggebend für den Verlust sei insbesondere die negative Ergebnisentwicklung in den Berichtssegmenten Westeuropa und Schweiz, hieß es.

Bisherige Prognosen "deutlich zu optimistisch"

Auf Grund des enttäuschenden Quartals beurteile das neue Management die Planungen des früheren Vorstands für das Geschäftsjahr 2003 als "deutlich zu optimistisch". Nach derzeitigem Kenntnisstand seien konkrete Prognosen für Umsatz und Ergebnis nicht möglich. Gleichwohl sei das neue Managementteam davon überzeugt, 2003 im operativen Geschäft einen Gewinn auszuweisen.

Noch im März hatte Thiel auf Grund eines neuen Kooperationsvertrages mit dem Axel Springer Verlag sein Umsatzziel erhöht. Danach rechnete das Unternehmen in diesem Jahr mit einem Umsatz von 1,95 Milliarden Euro und einem operativen Gewinn von 40 Millionen Euro.

Großes Stühlerücken bei Thiel

In den vergangenen Monaten hatte es ein großes Stühlerücken bei Thiel gegeben, nachdem die Bad Homburger Holding Delton des Industriellenrrben Stefan Quandt die Firma im August 2002 überraschend übernommen hatte. Anschließend wurde das Unternehmen mit Sitz im luxemburgischen Grevenmacher mit dem kleineren Mitbewerber Microlog verschmolzen.

Vorstandschef und Firmengründer Günter Thiel war wegen Differenzen über die Führung des Konzerns Mitte März von all seinen Ämtern zurückgetreten. Nachfolger wurde zum 1. April 2003 der ehemalige Bertelsmann- und Karstadt-Vorstand Klaus Eierhoff.

Thiel hatte im Februar mit einem dramatischen Einbruch des Ergebnisses vor Steuern und Zinsen (Ebit) im Geschäftsjahr 2002 auf 1,5 Millionen Euro von 65,1 Millionen Euro im Vorjahr überrascht. Kurz zuvor hatte Thiel das Ausscheiden von Finanzchef Rodolphe Schoettel wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Zusammenarbeit nach der Übernahme von Delton angekündigt.

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