Japan "Ein Fass ohne Boden"

Mit einer milliardenschweren Geldspritze versucht die Zentralbank der Bankenkrise zu trotzen. Branchenexperten bezweifeln den Erfolg der Rettungsaktion.

Tokio - Zur Stabilisierung der Finanzmärkte hat die japanische Zentralbank am Montag eine Billion Yen (rund 7,5 Milliarden Euro) in den Geldmarkt gepumpt. Die Finanzspritze erfolgte, nachdem sich die Regierung am Wochenende zur Rettung der fünftgrößten Bank des Landes, Resona, bereit erklärt hatte. Die wieder aufgeflammten Sorgen um Japans Finanz- und Bankensystem führten zu Kursverlusten an der Tokioter Börse.

Der Nikkei-Index schloss am Montag um 0,96 Prozent niedriger bei 8039,13 Punkten. Am stärksten waren die Kursverluste bei den Banktiteln. Die angeschlagene Resona-Bank gab um 17 Prozent nach.

Die Regierung hatte am Wochenende angekündigt, dass Resona eine Kapitalaufstockung aus Steuergeldern erhält, da die Reserven der Bank unter das gesetzlich vorgeschriebene Niveau gefallen waren. Die Bank hatte offenbar über Jahre hinweg die Ergebnisse in ihren Bilanzen geschönt.

"Die Situation bei Resona ist so, als ob man Wasser in ein Fass ohne Boden pumpen würde", erklärte Masaaki Kanno, Chefvolkswirt von J.P. Morgan in Tokio. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die vier größten japanischen Banken vor ähnlichen Problemen stehen. Regierungsvertreter erklärten dagegen, die anderen Banken seien sicher.

Die japanische Regierung hatte das Bankensystem bereits in den Jahren 1998 und 1999 mit hohen Summen unterstützt. Die Bankenkrise wird vor allem von faulen Kredite und mangelnder Profitabilität verursacht.

Resona hatte am Wochenende mitgeteilt, dass sie unter Anwendung strengerer Bilanzregeln im Finanzjahr Verluste von 838 Milliarden Yen in den Büchern hat (6,3 Milliarden Euro), fast drei Mal so viel wie zuvor geschätzt. Medienberichten zufolge wird die Regierung rund zwei Billionen Yen zur Stützung der Bank mit Sitz in Osaka aufbringen müssen.

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