Telekom Der Hoffnungsträger - Ruck durch Ricke

Nach den Milliardenverlusten des Vorjahres will Konzernchef Kai-Uwe Ricke die Wende schaffen. Der Hoffnungsträger erhält von den Aktionären einen Vertrauensvorschuss, auf ihn warten aber noch schwierige Aufgaben.

7.30 Uhr:

"Frisch in den Frühling": Köln-Deutz strahlt wieder in Magenta. Eigentlich sollte nichts mehr schief gehen heute in der Köln Arena, während der Hauptversammlung der Deutschen Telekom (Kurswerte anzeigen).

Für gute Laune hat der neue Chef Kai-Uwe Ricke bereits mit den erfreulichen Zahlen für das erste Quartal gesorgt: Das Betriebsergebnis ist gestiegen, die Schulden sind deutlich gesunken, und erstmals seit fast zwei Jahren schreibt die Telekom wieder schwarze Zahlen. Nach dem Rekordverlust von 25 Milliarden Euro im Vorjahr soll am Ende dieses Jahres wieder eine "schwarze Null" in den Büchern stehen.

Das sind andere Voraussetzungen als vor einem Jahr, als sich ein verbissener Ron Sommer vor rund 9000 Aktionären in der Köln Arena verteidigen musste. Knapp zwei Monate nach dieser turbulenten Hauptversammlung musste Sommer seinen Hut nehmen.

Dieses Schicksal hat Ricke kaum zu befürchten, der im November das Zepter von Interims-Chef Helmut Sihler übernahm. Nach sechs Monaten Amtszeit hat der ehemalige Mobilfunkchef Ricke Akzente gesetzt: Die Führungsstrukturen gestrafft, den Vorstand verkleinert, den Schuldenabbau vorangetrieben. Er wirkt wie ein Gegenentwurf zum unnahbaren Sommer: Freundlich im Ton, aber hart in der Sache. Als "Teamplayer" und "Marketinggenie" haben sie ihn bezeichnet.

Alles in Ordnung? Mitnichten. Ricke muss heute das Vertrauen der Aktionäre gewinnen. Trotz der erfreulichen Quartalszahlen sieht Ricke die Deutsche Telekom weiterhin auf einem "steinigen Weg", und auch heute wird kein Spaziergang.

In mehr als 20 Gegenanträgen machen enttäuschte Aktionäre ihrem Ärger Luft. Darin werfen sie dem Telekom-Management unter anderem Misswirtschaft vor, kritisieren die Höhe der Vorstandsbezüge oder verurteilen Firmenzukäufe als viel zu teuer. Neben dem dramatischen Kursverfall der T-Aktie müssen die Aktionäre zum ersten Mal seit dem Börsengang 1996 einen Dividendenausfall verschmerzen.

8.30 Uhr: Sogar die Sonne bricht durch die dunklen Wolken ab und zu mal durch. "Neuausrichtung 2003" titelt das großformatige Blatt, das die Telekom-Teamer in ihren schwarzen Windjacken vor der Arena verteilen. Der neue Chef Ricke, gleich rechts daneben im Bild, setzt auf Bereinigung und Neuanfang.

Die Aktionäre vor der Halle geben sich recht entspannt, aus den Lautsprechern dringt klassische Musik. "Ich will den Neuen sehen", sagt Aktionär Michael Winter aus Düren. "Ich habe genug von T wie Trauerspiel".

Ricke steht in der Tat vor einer Herkulesaufgabe, um das Trauerspiel zu beenden. Die Gewitterwolken haben sich noch nicht verzogen. Der neue Vorstandschef muss Schulden senken, Ausgaben kürzen und bis 2005 rund 50.000 Mitarbeiter abbauen. Auch UMTS muss klappen, sonst drohen milliardenschwere Abschreibungen auf die acht Milliarden Euro teure UMTS-Lizenz.

Die wichtigste und drängendste Aufgabe: Ricke muss die Glaubwürdigkeit zurückgewinnen, die Telekom und T-Aktie während der vergangenen drei Jahre verloren haben. Er muss aus dem großen T, das für Anleger in den vergangenen Jahren für Tiefflieger und Totalverlust stand, wieder ein innovatives Unternehmen machen. Eines, das Hoffnungen weckt und dem man vertrauen kann. "Seit Sommer hat sich immerhin schon was getan", sagt Winter. Die T-Aktionäre sind noch nicht zufrieden, aber sie wollen Ricke eine Chance geben.

"Vergangenheit bewältigen"

9.15 Uhr: Der junge Mann mit dem roten T-Shirt "T-Bakel.de" steht vor der Arena ziemlich allein auf weiter Flur. Ein neugieriger Polizist fragt, ob noch weitere Glaubensbrüder kämen. "Ein paar", sagt der Mann. Doch nach Aufruhr sieht es 45 Minuten vor Beginn der HV nicht aus.

Dabei gibt es auch heute einiges zu klären. Aktionär Dietrich Kutz aus Biberach geißelt in seinem Gegenantrag die "Maßlosigkeit, Plünderung und Abzockerei des Unternehmens". Dass die Vorstandsbezüge 2002 von 17 auf 41 Millionen Euro gestiegen, sei nicht zu vermitteln. Doch immerhin wurden 26 dieser 41 Millionen als Abfindungen an ausscheidende Vorstände gezahlt. Ron Sommer ging nicht als armer Mann.

Ricke ging bei dem heiklen Thema bereits in die Offensive: Er hat sein Festgehalt von 1,25 Millionen Euro offen gelegt und auf die Zuteilung weiterer Aktien-Optionen verzichtet. Mal sehen, ob das reicht.

Im Zentrum der Kritik steht auch die teure Voicestream-Übernahme. Für das US-Mobilfunkunternehmen hat die Deutsche Telekom 35 Milliarden Euro hingeblättert und im Herbst 2002 18 Milliarden Euro davon abgeschrieben. Auch die Wirtschaftsprüfer PwC und Ernst & Young sollen aus diesem Grund nicht wieder bestellt werden, heißt es in einem Gegenantrag.

9.50 Uhr: Blitzlichtgewitter. Der neue Vorstand stellt sich den Fotografen. Noch einmal treten sie vor die grauen Schutzblenden, hinter denen sich im Vorjahr Ron Sommer und sein Team wie hinter einer Trutzburg verschanzte. Ricke, in der Mitte des Podiums, plaudert mit seinem Finanzchef Karl-Gerhard Eick. Die Tribünen der Kölnarena sind gut gefüllt, mehr als 6000 Aktionäre haben Platz genommen.

10.05 Uhr: Der Beginn verzögert sich, noch immer strömen Aktionäre in die Halle. Ricke steht mehrmals von seinem Platz in der Mitte des Podiums auf, wirkt ein wenig unruhig. Er hat auch einiges zu sagen: Aus der "schwarzen Null", die er für das Geschäftsjahr 2003 avisiert hat, soll "mindestens eine schwarze Null" werden.

10.10 Uhr: Zumwinkel, Nachfolger vom glücklosen Hans-Dietrich Winkhaus, eröffnet die Versammlung. Zwei große Leinwände zeigen das Bild des Redners überlebensgroß in der Arena.

10.20 Uhr: "Vergangenheit professionell bewältigen" gibt Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel als Motto während seiner Eröffnungsrede aus. Er redet vom "bedrohlichen" Schuldenstand der Telekom, der Bilanzwertvernichtung und der "für uns alle unerfreulichen Ergebnisse".

"Der Vorstand muss viele Probleme aus der Vergangenheit bewältigen", sagt Zumwinkel. Der Aufsichtsrat werde sich um eine verbesserte Unternehmensaufsicht (Corporate Governance) kümmern.

Die Aktionäre reißt das noch nicht vom Hocker. Von einer "nachhaltigen Verbesserung der Ergebnisse" haben sie schon zu oft gehört. Der Applaus, als Zumwinkel seinem Vorgänger Winkhaus dankt, ist sehr zaghaft.

10.28 Uhr: Der neue Telekom-Chef Ricke beginnt seine Rede. Er will "transparent und umfassend" informieren, und er "freut sich auf das Gespräch mit Ihnen, den Aktionären". Er will sich seiner Aufgabe "mit Leidenschaft" stellen und hofft auf das Vertrauen der Anleger. "Ich glaube an die Deutsche Telekom", sagt Ricke.

Ricke setzt neue Töne. "Wandel" ist sein wichtigstes Wort. Das Jahr 2003 soll "ein Jahr des Umbruchs sein".

Die Generalabrechnung

Der ehemalige Mobilfunkchef wirkt freundlich und offen, gilt aber als knallhart in der Durchsetzung seiner Ziele. Er wirkt wie ein Gegenbild zum Sonnenkönig Ron Sommer, der die immensen Schulden des Unternehmens als "Zukunftsinvestitionen" schönredete und in einer fernen, wunderbaren Telekom-Welt schwelgte.

Nicht so Ricke. Er lebt im Jetzt. Schuldenabbau, Kostensenkung und "ertragsorientiertes Wachstum" sind seine Prioritäten. Mit der Formel "6 plus 6" will er die Schulden bis Jahresende auf rund 50 Milliarden Euro drücken: Sechs Milliarden Euro soll sein Finanzchef, der Schwabe Karl-Gerhard Eick, aus Beteiligungsverkäufen beisteuern. Weitere sechs Milliarden sollen aus dem Cash Flow des operativen Geschäfts erwirtschaftet werden - das ist Rickes Baustelle und die Aufgabe seiner Divisionschefs, die er in den Vorstand berufen hat.

Vom Übermorgen zurück ins Jetzt: Ricke beginnt mit einer Generalabrechnung, erwähnt die milliardenschweren Abschreibungen aus dem Jahr 2002, dem "schwärzesten Jahr in der Geschichte der Deutschen Telekom", an dessen Ende ein Verlust von knapp 25 Milliarden Euro stand.

10.35 Uhr: Sehr betrüblich, das alles. Ricke spricht schnell, als wolle er die trübe, allseits bekannte Story schnell hinter sich bringen. Die Bilanzbereinigung war schmerzhaft, aber "Grundlage für eine künftig positive Ergebnisentwicklung". Auf die Generalinventur folgt der Neuanfang: Ricke folgt einer bei Top-Managern beliebten Strategie.

Rasch kommt Ricke auf die Geschäftsentwicklung der einzelnen Sparten. Er wirkt etwas unruhig hinter seinem Stehpult neben dem Podium, wie jemand, der endlich den Rückblick abschließen will. T-Com, die Festnetzsparte, ist immer noch der größte Umsatzträger des Konzerns.

T-Mobile, die Mobilfunksparte, "ist und bleibt wichtigster Wachstumsträger", betont Ricke. Sein Bekenntnis zu der ehemals von ihm selbst geleiteten Sparte ist eindeutig, auch bei T-Mobile USA spricht er von einem erfreulichen Zuwachs auf knapp zehn Millionen Kunden. "Auch hier zeigt die Ebitda-Entwicklung, dass wir diesen Kundenzuwachs nicht teuer erkauft haben", betont Ricke. Viele Kritiker sehen das anders.

Für das Sorgenkind T-Systems fällt die Bilanz knapp aus, immerhin habe sich das Systemhaus "besser entwickelt als die Branche". Für T-Online gibt es viel Lob: Die Online-Tochter habe die viel beschworene "Trendwende" bereits geschafft.

10.40 Uhr: Ricke stellt die Vorstandsmitglieder Josef Brauner (T-Com), Thomas Holtrop (T-Online), Rene Obermann (T-Mobile), Konrad Reiss (T-Systems), Karl-Gerhard Eick (Finanzen) und Heinz Klinkhammer (Personal) vor. "Lieber Josef, wenn Du mal einen Moment aufstehst", sagt Ricke. Ein Signal für alle Aktionäre: Im Vorstand herrscht ein neuer Ton, man duzt sich, ist offen, macht es sich aber keineswegs gemütlich. Freundlicher Ton, aber auch klare Zuständigkeiten und harte Vorgaben.

"Wir sind das Team, das die Deutsche Telekom in die Zukunft führen wird", sagt Ricke. "Wir stehen für eine neue Generation und einen Neuanfang", betont der Chef. Darum geht's.

10.50 Uhr: Für den Aktienkurs findet Ricke nur wenig Worte. Mit gutem Grund: Die Aktie notiert an diesem 20. Mai noch tiefer als vor einem Jahr, als Telekom-Chef Ron Sommer die Aktie bei einem Kurs von 12,90 Euro als "Schnäppchen" empfahl.

Aber immerhin: Die Aktie hat sich binnen eines Jahres nicht noch einmal halbiert, sondern ist annähernd stabil geblieben. Selbst die Aktionäre der ersten Stunde liegen noch mehr als zehn Prozent im Minus. Doch T-Aktionäre sind sehr geduldig geworden. Kein neuer Absturz wird schon als angenehm empfunden.

Die neue Offenheit

Doch das genügt dem neuen Telekom-Lenker nicht. Immer wieder betont er den neuen Stil, die Ziele Entschuldung und "ertragsorientiertes Wachstum". Er will diese Ziele "pragmatisch umsetzen". Das klingt schon wieder bedrohlich nach dem Wort- und Zahlengewitter aus der Sommer-Ära, mit dem der normale Aktionär herzlich wenig anfangen konnte.

Ricke weiß das. Er will weg von diesen Floskeln: Er will Schulden senken und Ebitda steigern, also das profitable Wachstum fördern. Die griffige Formel "6 plus 6" soll es richten. Sechs Milliarden aus Beteiligungsverkäufen. Sechs Milliarden aus freien Mitteln. Ergibt deutlich weniger Schulden. Heißt: "Wir gewinnen unsere Handlungsfähigkeit zurück."

Der Vorstandschef predigt die neue Offenheit, erwähnt, dass er sein Gehalt (1,25 Millionen fest) veröffentlicht hat. Erstmals brandet Applaus auf. "Herzlichen Dank", sagt Ricke. Sein Vorgänger Ron Sommer hatte auf der vergangenen Hauptversammlung Buhrufe bekommen, als das Thema Vorstandsvergütung angesprochen wurde.

11 Uhr: Qualität, Innovation, Effizienz - diese drei Eckpunkte könnten auf jedem x-beliebigen Chart eines Unternehmens stehen. Also schnell konkret werden: "Wir müssen viel besser werden", sagt Ricke, der selbst schon mal einen Tag im T-Punkt arbeitet. "Unser Service wird kritisiert. Jeder hat so seine Erfahrungen", sagt Ricke. "Ich auch". Wieder Applaus.

Der Kurs des Marketing-Profis, weg von der technischen Sicht und näher an den Kunden heran, kommt an. Er redet jetzt langsamer, entspannter, spürt, dass er beim Publikum Sympathien geweckt hat. Die Strategie scheint zunächst aufzugehen: Noch sind die Probleme längst nicht beseitigt, doch man stellt sich ihnen und will sie lösen. Für den Auftakt der Telekom-HV 2003 gilt: Der Ton macht die Musik.

11.10 Uhr: Der Kunde, der Kunde, der Kunde. Im Presseraum werden Wetten abgeschlossen, dass dies das am häufigsten gebrauchte Wort in Rickes rund 30 Seiten dickem Rede-Manuskript ist. Im Vorjahr lautete es noch "positives Ebitda." Ricke spricht vom kabellosen Festnetz, von Multimedia und neuen E-Commerce-Angeboten. Doch verfällt er nicht ins Schwärmen: "Nur der Kunde entscheidet, was für ihn relevant ist, nicht wir", sagt Ricke.

11.15 Uhr: Der Chef stellt sich einem der drängendsten Probleme der Deutschen Telekom. Die Personalkosten sind enorm hoch. Bis 2005 muss etwa jeder fünfte der 250.000 Mitarbeiter gehen. Ricke weiß, dass hinter diesen Zahlen Einzelschicksale und Familien stehen. Für einen weichen Übergang soll daher die "Personal Service Agentur" (PSA) sorgen.

Doch mit der Weitervermittlung der Mitarbeiter an externe Unternehmen hapert es. Intern steht PSA bereits für "Palmen, Sonne, Strand" - die Chancen auf einen neuen Job sind gering. Besonders T-Com-Chef Jo Brauner muss die Mitarbeiterzahl drastisch reduzieren. Bis auf weiteres verschafft der Kunstgriff "PSA" dem Unternehmen nur etwas Zeit. Kosten werden verlagert, aber nicht beseitigt.

11.20 Uhr: Zum Abschluss seiner Rede kommt Ricke auf seine Vier Säulen zurück. Im Festnetzbereich T-Com heißt der Hoffnungsträger, der einen Umsatzrückgang verhindern soll Breitbandanschluss. Der kabellose Internetanschluss, Wireless LAN, kommt hinzu. Für den hässlichen Personalabbau in der umsatz- und gewinnstärksten Sparte hat die Telekom-Marketingabteilung einen hübschen Begriff gefunden: Projekt WIN - Wertsteigerung im nationalen Bereich. Nun ja.

Bei T-Mobile hütet sich Ricke davor, wie sein Vorgänger ins Schwärmen zu verfallen. Auch wenn es ihm schwer fällt. Zentrales Ziel: Die finanzielle Performance, der Return on Investment. Investitionen müssen sich lohnen, so einfach ist das.

Ricke betont die "hohe Bedeutung" des Großkundengeschäfts T-Systems. Immer wieder war über einen möglichen Verkauf der Sparte spekuliert worden. Bei der Internet-Tochter T-Online beruft sich Ricke auf die "führende Position" im Inland. Im Ausland ist dagegen noch viel zu tun.

Das Stigma der Drittklassigkeit

11.25 Uhr: Finale. Ricke schleudert dem Saal seine wichtigsten Vokabeln entgegen. Glaubwürdigkeit, Integrität, Bescheidenheit, Fairness, Offenheit, Leidenschaft. Sinkende Schulden, steigender Cash Flow: "Wir sind auf dem richtigen Weg", ruft Ricke.

Doch bei dieser schönen, wolkigen Formel bleibt es nicht. Das wäre zu einfach für den Aufräumer und Pragmatiker. "Wenn wir uns im nächsten Jahr hier wiedersehen, werde ich entsprechende Resultate präsentieren", verspricht Ricke. Auch der Aktienkurs "muss wieder hoch". Hehre Vorgaben. Der Applaus zum Schluss ist kurz, aber kräftig.

11.30 Uhr: Lars Labryga, Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK), tritt ans Pult. Er hatte bereits im Vorjahr die Deutsche Telekom scharf kritisiert und dafür viel Applaus eingeheimst. Die Aktionärsschützer gehören zu der kleiner werdenden Schar der Kritiker: Die Vertreter der Fondsgesellschaften DWS und Union Investment wollen sich im Gegensatz zum Vorjahr diesmal nicht äußern.

Labryga spricht über die Prospekthaftungsklage gegen die Deutsche Telekom, die Zeichner der dritten Tranche angestrebt haben. Die Erfolgsaussichten seien "nicht besonders gut", sagt der SdK-Vertreter. Wer sich der Klage anschließen wolle, müsse dies innerhalb der nächsten sechs Tage tun - sonst droht Verjährung. Die SdK bietet in dieser Frage Beratung an - ein bisschen Werbung in eigener Sache gehört zum Geschäft.

Die dritte Tranche - Aktien zu 66,50 Euro im Juni 2000 - seien "in eine bereits platzende Blase hineinplatziert worden", sagt Labryga. Er fordert das neue Aufsichtsratsmitglied, Staatssekretär Manfred Overhaus, auf, zu diesen Fragen direkt Stellung zu nehmen: Das Gefühl, der Bund habe auch zum eigenen Wohl auf den hohen Ausgabepreis bestanden, teilen viele Aktionäre.

Der Aktionärsschützer lobt den "guten Start" Rickes. Aber: "Sie müssen noch die phantastischen Kurspotenziale erschließen, die jenseits der 66,50 Euro auf uns lauern". Und zum Thema Aktienoptionen: "Bitte kippen sie doch gleich den ganzen Plan." Labryga verabschiedet sich mit viel Applaus.

12.00 Uhr: Hans-Richard Schmitz, Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) tritt ans Pult. Das Stehpult für die Aktionäre, die Gegenanträge stellen, ist unterhalb des Vorstands-Stehpults platziert. Auf einem Schirm des Stehpults läuft in großen, roten Lettern eine Uhr. Aus der 13stündigen Hauptversammlung des Vorjahrs hat man gelernt und will die Kritiker jetzt zur Kürze zwingen.

Trotz Mittagszeit bleibt die Kölnarena gut besetzt. Mehr als 6000 Zuhörer lauschen den Aktionärsschützern: Es soll nicht nur bei warmen Worten des und für den Vorstandsvorsitzenden bleiben. Auch Schmitz nennt die dritte Tranche ein "rabenschwarzes" Kapitel in der Geschichte der Deutsche Telekom . Die Verärgerung über zu hoch bewertete Aktien und zu teuer eingeschätzte Immobilien sitzt tief. Er erwarte, dass nun endlich auch die Bonner Staatsanwaltschaft zu einem Ergebnis kommt.

Thema Führungswechsel, das Sommer-Theater 2002: Die Suche nach einem neuen Chef sei aus dem Ruder gelaufen und sei zu einem Possenstück geraten, sagt Schmitz. Dadurch hafte Ricke das Stigma der Drittklassigkeit an. "Und das, Herr Ricke, haben Sie nicht verdient." Der Aufsichtsrat soll daher nicht entlastet werden.

Den Spagat zwischen Sparkurs und Ertragswachstum ordnet Schmitz der Disziplin "schwieriges Kunstturnen zu". Auch sein Vorredner war noch nicht überzeugt, dass das Festhalten an Sommers Vier-Säulen-Strategie wirklich Sinn macht. "Wäre es nicht charmanter, sich von T-Systems zu trennen und dadurch die Schulden deutlich zu senken?", fragt Schmitz.

Auch an den neuen Vormann Ricke hat Schmitz kritische Fragen, doch der Sympathie-Bonus überwiegt: "Ich wünsche Ihnen eine glückliche Hand", sagt Schmitz.

Rickes Drahtseilakt

12.15 Uhr: Weitere Aktionäre sprechen. Nur wenige der Vorstandsmitglieder blättern ab und an in ihren Akten. Ricke und Eick drehen sich halb im Stuhl um, wenden sich den Sprechenden zu und lauschen offensiv, als hätten sie die Vorwürfe nicht schon x-mal gehört. Die Crew hat sich fest vorgenommen: Nur keine Schnitzer. Nicht nur über Offenheit reden, sondern sie auch demonstrieren.

In der Halle ist spürbar: Die Aktionäre sind es leid, über die vergangenen drei Jahre zu klagen. Sie wollen den von Ricke eingeschlagenen Weg ein Stück mitgehen. Sein Bonus speist sich auch aus dieser Bereitschaft, endlich etwas Neues zu beginnen.

Klagen über die Sünden der Vergangenheit richten sich selten an Ricke selbst, sondern statt dessen meist an den Bund: "Das Finanzministerium muss zur Kenntnis nehmen: Die Gelddruckerei Telekom hat ihren Betrieb wegen Überforderung eingestellt", sagt ein enttäuschter Aktionär. Doch Ricke selbst wird kaum hart angegangen: Der soll es ja richten.

Ein Buhmann, ein Hoffnungsträger. Von dieser Zweiteilung kann Ricke auch nach sechs Monaten Amtszeit noch profitieren. Ein junger Chef, der sich mit neuem Ton und neuem Stil von der Vergangenheit absetzt und erstmals seit zwei Jahren wieder schwarze Zahlen präsentiert hat. Der Neue hat eine starke Position, aber er hat nicht unendlich viel Zeit.

12.30 Uhr: Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel nimmt zu den Fragen Stellung. Er habe "Verständnis" für den Ärger über das Führungstheater bei der Telekom, den Sommer-Rücktritt im Juli 2002 und die Interims-Führung durch Helmut Sihler. "Das Image des Unternehmens war zu dieser Zeit in der Tat nicht gut", sagt Zumwinkel. Zumwinkel lobt vor allem die Arbeit Sihlers: Er habe bis November alle gestellten Aufgaben erfüllt.

Die bohrenden Fragen nach UMTS zwingen Konzernchef Ricke zum Drahtseilakt. "Wir werden nicht frühere Fehler wiederholen und vorschnell in den Markt gehen", sagt der Telekom-Chef. Doch Kritiker monieren: Je länger sich der Start der neuen Mobilfunk-Technologie verzögert, desto drängender werden Abschreibungen für die Lizenz.

Ricke argumentiert anders. Er will das heikle Thema nicht isoliert sehen. T-Mobile rechne für UMTS mit "keinem separaten Business-Case", es sei die Fortsetzung des Standards GSM. Die GSM-Lizenz laufe nur bis zum Jahre 2009. Die UMTS-Lizenz sichere den Zeitpunkt dahinter ab.

Das bleibt eine recht wolkige Antwort auf die Frage, ob sich die acht Milliarden Euro für die UMTS-Lizenz jemals rechnen werden. Noch hat die Deutsche Telekom keinen Cent davon abgeschrieben.

Diese felsenfeste Überzeugung an den Erfolg von UMTS erinnert an Ron Sommer, von dem Ricke auch die Vier-Säulen-Strategie übernommen hat. "Was mache ich anders als meine Vorgänger?" fragt Ricke. Er will keine Wertung vornehmen, doch man habe Ron Sommer auch "viel Positives" zu verdanken. Dann geht er rasch wieder auf Distanz, höflich, aber deutlich: "Jeder hat seinen eigenen Stil", heißt das bei Ricke.

Beim Thema Prospekthaftungsklage wegen des dritten Börsengangs ist die Situation der Telekom recht komfortabel. Die Entscheidung, ob der Bericht des Rechnungshofes öffentlich gemacht werden soll, liege nicht in der Macht der Deutschen Telekom, betont Ricke. Das soll wohl heißen: Wir können nichts machen, und das ist derzeit wohl auch ganz gut so.

Jedoch ist es ihm wichtig, Selbstbewusstsein zu demonstrieren: Für die Klagen der Aktionäre gebe es keine Grundlage, hat er bereits vor der HV betont. Für die Telekom sei das vor allem ein "Imageschaden".

Nicht alle Ziele der Vorjahre sind aufgegeben. "Der Börsengang von T-Mobile ist noch nicht vom Tisch", sagt Ricke. Er stehe aber auch nicht unmittelbar auf der Tagesordnung. Das passt zu der Strategie: Abwarten, die Wichtigkeit des Schuldenabbaus betonen, sich aber alle Optionen offen lassen.

Klagefrist läuft ab - lange Schlangen vor SdK-Pult

Selbst bei T-Mobile USA, der ehemaligen Voicestream, wiegelt Ricke Verkaufsspekulationen ab. Ziel sei Kundenwachstum. Man wolle für das schnell wachsende Mobilfunkunternehmen eine "kritische Größe" erreichen. Kritische Größe kann man auch anders lesen: Ist die Braut T-Mobile erst einmal groß genug, findet sich vielleicht ein Bräutigam. Doch bis dahin muss sie noch wachsen

13.05 Uhr: Finanzchef Karl-Gerhard Eick widmet sich dem Thema "Abführungsverträgen bei Tochtergesellschaften". Im Vorjahr war der tapfere Schwabe mehrmals von "Aufhören, Aufhören" genervter Aktionäre unterbrochen worden. Eick weiß, dass seine Themen nicht durch Lebendigkeit bestechen. Aber er kann nicht anders, er muss das alles erwähnen, doch auch er hat aus dem Vorjahr gelernt: "Ich versichere Ihnen, mich kurz zu fassen", verspricht Eick.

13.09 Uhr: Eick hält Wort. Diesmal muss ihm der Aufsichtsratschef nicht zu Hilfe eilen. Akribisch rattert er Zahlen zu einzelnen Aktionärsfragen herunter, in einem Tempo, dass sich mancher wünschen würde, er habe die Frage nicht gestellt. Das Publikum im Saal verfällt in Starre. Nur einige Freaks machen sich Notizen. Die Mittagszeit gehört dem Zahlenmann.

Eick redet nüchtern, akribisch und emotionslos. Irgendwie beruhigend, dass dieser Mensch einer der Hauptverantwortlichen für den Schuldenabbau der Telekom ist. Er wird den Berg rauf- und runterrechnen, eisern, bis dieser kleiner wird.

13.30 Uhr: Im Saal bildet sich eine Schlange vor dem Tisch des SdK-Vertreters Lars Labryga. Der kurze Werbeauftritt nach der Ricke-Rede hat gewirkt: Hunderte von Aktionären der dritten Tranche erteilen der SdK Vollmacht, um sich fünf Tage vor Ablauf der Verjährungsfrist (am Montag, 26. Mai) der Prospekthaftungsklage anzuschließen.

"Kann doch nicht schaden", meint ein Aktionär der dritten Tranche, der ungenannt bleiben will. Bis zum Einstandspreis von 66,50 Euro ist es noch ein weiter Weg, aber vielleicht gibt es wenigstens eine Entschädigungszahlung. Für viele Aktionäre sind damit die Disziplinen im Hauptversammlungs-Triathlon abgehakt: Den neuen Chef hören, sich der Klage anschließen, Mittagessen und dann ab nach Hause.

14.00 Uhr: Einige T-Aktionäre reden sich in Rage. Aufsichtsratschef Zumwinkel hat die Redezeit inzwischen auf je zehn Minuten verkürzt. Nach Ablauf dieser Frist beginnen die roten Uhr-Leuchtziffern am Aktionärs-Rednerpult zu blinken. Die Vorstandsriege lauscht hinter ihrem hohen, silbernen Podium nunmehr komplett den Rednern. Aktenstudium ist verboten. Auf besonders lautstarke Kritik reagiert Zumwinkel gelassen: "Wir danken Ihnen für diesen engagierten, aufschlussreichen Vortrag". So kann man Kritik charmant abtropfen lassen.

14.15 Uhr: Der Privatanleger Hans-Dietrich Müller unterstützt seinen Vortrag mit Illustrations-Papptafeln. Die üblichen Symbole: Pleitegeier, zusammenbrechende Gebäude, Raubritter, die mit Geldsäcken auf dem Rücken davoneilen. Von "Gauklern und Hütchenspielern" ist die Rede. Die Bilder sind nicht originell, doch der Saal ist dankbar für die Abwechslung.

14.25 Uhr: Rechtsanwältin Daniela Bergdold, die Anleger in der Prospekthaftungsklage vertritt, schlägt einen anderen Ton an. Betroffenheit statt Unterhaltung. "Ich vertrete die Eltern, die für ihre Kinder T-Aktien gekauft haben", sagt Bergdolt. "Ich vertrete all diejenigen, die geglaubt haben, dass die T-Aktie tatsächlich eine "Volksaktie" wird.

Bergdold will wissen, welche Rückstellungen die Telekom für die Prospekthaftungsklagen in Deutschland und für die Sammelklage in den USA gebildet hat. "Es hat mich beeindruckt, mit welcher Leidenschaft Herr Ricke hier gesprochen hat", sagt Bergdold. "Lösen Sie nun auch das Klageproblem mit der gleichen Leidenschaft. Geben Sie Aktionären der dritten Tranche ein Vergleichsangebot? Damit würden Sie Vertrauen schaffen."

"Schlimmer als Honecker" - Aktionäre rechnen ab

14.40 Uhr: Ricke wiegelt Befürchtungen wegen des LKW-Mautprojektes ab. "Wir werden unsere Verpflichtungen erfüllen." Prinzipiell bestehe für alle Partner des Konsortiums das Risiko von Vertragsstrafen, falls das System nicht rechtzeitig in Betrieb genommen werden kann.

14.50 Uhr: Der Telekom-Chef betont erneut, dass er UMTS "nicht isoliert betrachten will". Langfristig sollen alle D1-Kunden zu UMTS-Kunden werden. Es soll einen "fließenden Übergang" geben. Mit dem Netzausbau sei man im Plan: Die Telekom starte das neue "mobile Multimedia-Netz" im Herbst. Ricke redet nicht mehr von UMTS-Netz und wehrt sich abermals gegen einen übereilten Start: "Wir wollen Evolution, keine Revolution. Die Anwendungen müssen funktionieren."

15.00 Uhr: Personalchef Heinz Klinkhammer verteidigt die Personal-Service-Agentur PSA, die von vielen Mitarbeitern nur als Verschiebebahnhof in den vorzeitigen Ruhestand gesehen wird. Abschied von 50.000 Mitarbeitern bis 2005: Das ist kein Pappenstil. Vor allem, weil beileibe nicht nur die Telekom mit einer ausgelagerten Vermittlungsagentur auf einem nachfrageschwachen Arbeitsmarkt agiert.

"Es gibt keine Alternative zur PSA", betont Klinkhammer. Neue Arbeitsplätze hervorzaubern kann auch die PSA nicht, doch immerhin biete sie mehr Flexibilität auf einem schwachen Markt.

15.10 Uhr: Aufsichtsratschef Zumwinkel verkürzt die Redezeit erneut, diesmal von zehn auf sieben Minuten. Aktionär Henry Matthews ficht das nicht an: "Wir können uns kurz fassen, aber wir erwarten, dass unsere Fragen nicht als rhetorische Fragen aufgefasst und wirklich beantwortet werden", sagt er. Starker Applaus. Doch das Gesetz der Hauptversammlungen dürfte dadurch nicht gebrochen werden: Ausführliche Stellungnahmen, aber wenig konkrete Antworten auf kritische Fragen. Es bleibt ein Katz-und-Maus-Spiel.

15.20 Uhr: Aktionär Wolfgang Philipp kehrt auf die Bühne zurück. Im vergangenen Jahr hatte der Rechtsanwalt aus Mannheim einen rauschenden Erfolg im Saal gefeiert. Philipp kritisiert erneut den "völlig überhöhten" Kaufpreis von rund 35 Milliarden Euro für den US-Mobilfunker Voicestream. Die UMTS-Lizenz sei überdies "nicht annähernd" die gezahlten acht Milliarden Euro wert gewesen.

Hauptversammlung 2003: Hier treffen sich alte Bekannte, hier werden Fehden fortgesponnen. Philipp legt mit seiner massiven Kritik am Großaktionär Bund nach: Der Bund sei zwar immer noch Großaktionär der Deutschen Telekom, doch inzwischen stecke kein Cent Staatsgeld mehr in dem Unternehmen, betont Philipp in seiner Rede. "Selbst Honecker" habe die Bürger nicht so getäuscht.

Als Zumwinkel zart darauf verweist, dass der Redner die Zeit bereits deutlich überzogen hat, wird der Aufsichtsratschef abgebürstet. HV-Profi Philipp hat mehrere Gegenanträge gestellt, folglich benötige er auch mehr Redezeit. Der Ton wird rauer, Philipp redet sich weiter in Rage. Viel wäre noch zu sagen. Doch der Zeitdruck zwinge zum Aufhören. Durchatmen auf dem Vorstandspodium.

Immerhin - die versammelte Führungsriege hört sich die Kritik an. Eine HV dient auch zum Dampfablassen. "Illusorisch" nennt Aktionär Matthews das Ziel, in den nächsten Jahren 50.000 Stellen bei der Telekom abzubauen. Der drastische Personalabbau helfe vielleicht der Aktie, doch "am anderen Ende bezahlen auch die Aktionäre das mit höheren Steuern und Sozialabgaben."

15.45 Uhr: Ricke geht auf die Klagen gegen die Deutsche Telekom ein. Das Unternehmen hat "außer Anwaltskosten in einstelliger Millionenhöhe" für die Prospekthaftungsklage keine Rückstellungen gebildet, da die Telekom die Erfolgsaussichten der Klage als "gering" einschätzt. Er werde den Aktionären der dritten Tranche kein Vergleichsangebot machen und auch nicht auf die Verjährungsfrist verzichten, da er "als Unternehmenschef im Interesse des Unternehmens handeln muss".

Da ist sie nun doch, die Grenze zum Aktionärsvolk. Gemeinsam geht eben nicht alles. Manchmal treffen Interessen unvereinbar aufeinander. Da hilft auch Rickes Nachsatz nicht, dass "er das Ansinnen sehr gut verstehen kann" und "um Verständnis bittet, dass er auch das Interesse der übrigen Aktionäre im Blick behalten muss". Zur Verbrüderung mit den Aktionären aus dem Boomjahr 2000 wird es nicht kommen. Nach einer kurzen, betretenen Pause übergibt Ricke an seinen Finanzchef: Ein erneutes kleines Zahlengewitter soll nach dieser heiklen Frage erstmal die Gemüter beruhigen.

12,5 Millionen Euro Bußgeld

16.30 Uhr: Aktionär Stefan Krüger will dem Vorstand die Entlastung "auf Grund des inflationären Gebrauchs deutsch-englischer Modewörter" verweigern. Er will nicht "mit einem Call-by-Call Happy Digits sammeln" und nebenbei erfahren, dass der "Shareholder Value der T-Aktie am Crashen ist". Vor den verbliebenen rund 1000 Aktionären in der Halle beginnt nun definitiv der entspannte Teil.

"Bitte nennen Sie sich doch in German Telecom um. Dann weiß ich wenigstens, dass die Deutsche Telekom eines nicht mehr kann: Mit ihren Kunden deutsch sprechen", sagt Krüger. "Wir dürfen keine Kunden mehr verlieren, weil sie uns nicht mehr verstehen."

Auch diesen Wörter-Streit ficht die Telekom jedes Jahr aufs Neue aus. Doch es reicht auch diesmal zur Heiterkeit.

Die Aktionäre wollen entspannen. Sie wollen neue Worte finden. Und neue Wege, die ihnen der Unternehmenschef verspricht.

17.15 Uhr: Der Saal in Köln leert sich. Nach dem HV-Marathon, der am Morgen begann, folgen nur noch wenige hundert Anwesende den Ausführungen der Aktionäre und des Vorstandes. Vorstandschef Ricke, Finanzvorstand Eick und Aufsichtsratschef Zumwinkel arbeiten Schritt für Schritt die unzähligen Fragen ab, die sich von der Verpflegung auf der Hauptversammlung bishin zur Nutzung der Firmenjets durch das Telekom-Management erstrecken. So mancher Vorstand wirkt mittlerweile leicht ermüdet.

Aktionär Buhlmann geißelt die "Kapitalvernichtung" durch die UMTS-Pläne der Telekom. Auch mit der gestrichenen Dividende will sich der Redner nicht abfinden. Solle doch der Großaktionär, der Bund, zugunsten so lange auf seine Dividende verzichten, bis die anderen Aktionäre entsprechend entschädigt sind für ihre vergangenen Verluste. Erstmals seit dem Börsengang von 1996 müssen die T-Aktionäre auf die Ausschüttung einer Dividende verzichten. Wie lange die Durststrecke noch anhalten wird, will Vorstandschef Ricke indes nicht beantworten.

Die zuvor gestellte Frage eines Aktionärs nach Schadenersatz für Anleger im Zusammenhang mit der umstrittenen Bewertung der Immobilien der Telekom weist Aufsichtsratschef Zumwinkel zurück. Sie stellt sich für Zumwinkel nicht. Der Konzern habe hier korrekt gehandelt.

18 Uhr: Der Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK), Lars Labryga, meldet sich nach langer Abwesenheit erneut zu Wort. Der SdK-Mann will Finanzstaatssekretär Manfred Overhaus persönlich befragen und fordert ihn auf, ans Mikro zu kommen. Overhaus soll als Vertreter des Bundes in den Aufsichtsrat gewählt werden.

Am Abend ist er aber nicht mehr anwesend. Er sei "vielleicht nur kurz hinter dem Podium", spekuliert Aufsichtsratschef Zumwinkel. Das findet Labryga schade und wenig professionell. Hätte doch die Hauptversammlung unter dem Motto "Vergangenheit professionell bewältigen", bemerkt Labryga spitzfindig. Er erntet einen letzten aber schwachen Beifall. Zumwinkel indes weist den Vorwurf der Unprofessionalität zurück. Bereits zuvor hatte der SdK-Vertreter kritisiert, der Bund habe zuletzt seine Aktien für 66,50 Euro verkauft. Jedoch sei der versprochene Kursanstieg ausgeblieben.

Zumwinkel beendet wenig später die Runde der Redebeiträge und liest im Eiltempo die zur Abstimmung anstehenden Tagesordnungpunkte vor. Musik dringt aus den Lautsprechern, die Auszählung beginnt.

Gerüchte über Millionen-Bußgeld gegen die Telekom

Derweil geht eine delikate Meldung über die Nachrichtenticker. Die Europäische Kommission will nach Angaben aus informierten Kreisen gegen die Telekom ein Bußgeld von rund 12,5 Millionen Euro verhängen. Eine entsprechende Entscheidung solle die EU-Behörde am Mittwoch auf Vorschlag von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti treffen, hieß es aus den Brüsseler Kreisen.

Dem Ex-Monopolisten wird vorgeworfen, den Wettbewerb im Ortnetz verhindert zu haben. Von der EU-Behörde selbst gab es dafür noch keine Bestätigung. Ein Sprecher lehnte dazu eine Stellungnahme ab und sagte nur, die Entscheidung falle am Mittwoch.

19 Uhr: Zumwinkel schließt die Hauptversammlung der Deutschen Telekom. Die wegen angeblicher Duldung von Misswirtschaft von zahlreichen Aktionären verlangte Nichtentlastung von Vorstand und Aufsichtsrat ist wie in den Vorjahren mit der faktischen Stimmenmehrheit des Bundes abgeschmettert worden. Auch die Berufung von fünf neuen Arbeitgebervertretern in den Aufsichtsrat fand trotz Kritik an einer Ämterhäufung eine überwältigende Zustimmung.

Die vom Aufsichtsrat vorgeschlagenen Kandidaten Hans-Jürgen Schinzler, Klaus Schlede und Porsche-Chef Wendelin Wiedeking als Vertreter der Anteilseigner sind somit neu in den Aufsichtsrat gewählt worden.

Gert Becker, Helmut Sihler und Hans-Dietrich Winkhaus haben ihr Mandat mit Ablauf der Hauptversammlung 2003 niedergelegt. Bestätigt wurden Manfred Overhaus und Klaus Zumwinkel. Sie waren für die ausgeschiedenen André Leysen und Heribert Zitzelsberger zunächst gerichtlich bestellt worden. Klaus Zumwinkel ist seit dem 14. März 2003 Chef des Aufsichtsrats der Deutschen Telekom.

Quartalszahlen: Ricke spricht von "Turnaround" T-Aktie: Chronik des Niedergangs

Mehr lesen über

Verwandte Artikel

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.