Allianz Die Dresdner bleibt ein Klotz am Bein

Der Allfinanzkonzern enttäuscht mit einem überraschend hohen Verlust, verbucht im operativen Geschäft aber wieder erste Erfolge. Das Sorgenkind bleibt die Dresdner Bank, bei der eine Trendwende noch nicht in Sicht ist.

Hamburg/München - Die Allianz  kann wieder erste Erfolge im operativen Geschäft verbuchen, bleibt aber weiter in den roten Zahlen. Für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres gab der größte deutsche Finanzkonzern ein Minus von 520 Millionen Euro bekannt und verfehlte damit die Erwartungen der Branchenexperten. Analysten hatten für den Berichtszeitraum lediglich einen Fehlbetrag von knapp über 400 Millionen Euro erwartet.

Für die kommenden Quartale gab sich der Konzern nur verhalten optimistisch. Zwar geht Chefbuchhalter Helmut Perlet - unter der Voraussetzung gleich bleibender Börsenkurse - von einem positiven Ergebnis im zweiten Jahresviertel aus. Der Konzern räumte jedoch auch ein, dass "weitere erhebliche Abschreibungen auf Wertpapiere" drohten, sofern sich die Märkte nicht erholten. Es sei noch zu früh, von einer Trendwende zu beim Geschäft zu sprechen.

Das unerwartet schlechte Ergebnis in den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres begründete der Konzern mit Abschreibungen auf Wertpapiere und Restrukturierungen bei der Dresdner Bank. Im Berichtszeitraum wurden insgesamt 2,3 Milliarden Euro auf Kapitalanlagen wertberichtigt, davon waren 800 Millionen Euro ergebniswirksam. Für das zweite Quartal werden wegen der Börsenschwäche Abschreibungen in Höhe von 500 Millionen Euro prognostiziert.

Kerngeschäft Versicherungen läuft wieder besser

Angesichts der ersten Erfolge im operativen Geschäft und dem Ausblick von Perlet hat die Aktie  nach einem leichteren Start im Handelsverlauf zugelegt. Am Freitagmittag kletterte das Papier um rund 2,5 Prozent und notierte damit knapp unter der 69-Euro-Marke.

Vor allem im Kerngeschäftsfeld verbucht die Allianz wieder Erfolge. Mit einer Senkung der Schaden-Kostenquote im Bereich Schaden- und Unfallversicherung von 103,4 Prozent auf 97,7 Prozent ist ein wichtiges Konzernziel erreicht worden.

Diese auch "Combined Ratio" genannte Kennzahl gibt das Verhältnis von Schadenaufwendungen und Kosten zu den verdienten Beiträgen an. Bei einem Wert über 100 Prozent muss das Unternehmen mehr auszahlen als es einnimmt. Insgesamt stiegen die Beitragseinnahmen um rund zehn Prozent auf 25 Milliarden Euro. "Das zeigt, dass sich das Abarbeiten unser Hausaufgaben auszahlt", sagte Perlet.

Analysten hatten bereits im Vorfeld damit gerechnet, dass der Versicherer wegen der geringen Schadensfälle und Katastrophen diese Quote deutlich senken kann. Die Allianz geht davon aus, die Combined Ratio im laufenden Geschäftsjahr unter 100 Prozent halten zu können.

Merrill Lynch bleibt skeptisch

Börsenflaute und Dresdner Bank drücken die Bilanz

Ganz anders sieht die Situation jedoch bei den eigenen Wertpapierbeständen und der Dresdner Bank aus. Unter dem Strich trug die Tochter einen Verlust von 353 Millionen Euro zum Konzern-Ergebnis bei. Damit fiel das Minus mehr als dreimal so hoch aus als im Vorjahreszeitraum. Angesichts der unsicheren Lage an den Kapitalmärkten befürchtet die Allianz nun auch im Gesamtjahr rote Zahlen bei der Dresdner Bank.

Noch vor wenigen Wochen hatte der neue Allianz-Chef Michael Diekmann das Ziel bekräftigt, die Bank nach einem Milliardenverlust 2002 wieder operativ in die Gewinnzone zu führen. Dahinter stehe nun ein deutliches Fragezeichen, sagte Perlet. Das Ziel dürfte jetzt nur "sehr schwer" zu schaffen sein.

Die Bank soll durch massive Kostensenkungen operativ wieder in die Gewinnzone gedrückt werden. Die Senkung der Verwaltungsaufwendungen im Bankgeschäft um 10,8 Prozent zeigt laut Perlet, dass die eingeleiteten Kostensenkungsmaßnahmen greifen.

Die Fusion mit der Dresdner Bank wurde im Juli 2001 angekündigt. Seit August vergangenen Jahres gehört das Institut zu 100 Prozent in den Allfinanzkonzern. Schon im vergangenen Jahr hatte die Tochter die Bilanz belastet. Zusammen mit dem Jahrhunderthochwasser und der Börsenflaute stand ein Rekordverlust von 1,2 Milliarden Euro unter dem Strich. Der Bärenmarkt setzt der Allianz überproportional zu, da sie einer der größten institutionellen Investoren weltweit ist.

Merrill Lynch bleibt skeptisch

Brian Shea, Analyst der US-Investmentbank Merrill Lynch, warnte in einer Reaktion auf den Quartalsbericht Anleger davor, sich von der Entwicklung im operativen Geschäft tuschen zu lassen. Sondereffekte hätten die Ergebnisse geschönt, das Rating für die Aktie bleibe auf "Verkaufen".

Die Landesbank Rheinland-Pfalz hat von einem "gemischten Bild" gesprochen. Auf Vorsteuerebene hat die Allianz die Erwartungen von Analyst Jochen Schmitt übertreffen können. Allerdings sei der Ausblick relativ vage und zudem sei bei einer Seitwärtsbewegung der Märkte mit weiteren erheblichen Abschreibungen zu rechnen.

Positiver haben sich die Experten der SEB geäußert. Der Aufwärtstrend sei operativ intakt, dies würde vor allem die Combined Ratio belegen. Zudem habe sich das Handelsgeschäft positiv entwickelt. Insgesamt gestalte sich die Sanierung der Dresdner Bank äußerst schwierig. Der neue Vorstandschef Michael Diekmann wolle jedoch alle Sparten auf den Prüfstand stelle und habe mit der jüngst erfolgreich abgeschlossenen Kapitalerhöhung bereits ein "Meisterstück" vollbracht.

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