Allianz Kapitalbedarf scheint gedeckt

Der Handel für die Bezugsrechte läuft. Trotz des Abschlags durch den Verwässerungseffekt schlägt sich die Aktie prächtig. Der Versicherer habe nun nahezu seinen gesamten Kapitalbedarf gedeckt, heißt es.

Frankfurt - Aus Sicht der Investoren ist die milliardenschwere Kapitalerhöhung der Allianz  offensichtlich der richtige Weg gewesen, die angegriffene Kapitalbasis des Allfinanz-Konzerns zu stärken. Allianz-Aktien legten am ersten Tag - bereinigt um die Bezugsrechte für neue Anteilsscheine - deutlich zu.

Ohne Bezugsrechte notierten die alten Aktien gegen Dienstagmittag nur noch geringfügig im Minus bei 56,25 Euro. Am Vortag schloss die Aktie mit 56,35 Euro.

Für die Altaktien ergibt sich damit ein Kursanstieg von mehr als zehn Prozent, wenn der Wert des Bezugsrechts von 5,36 Euro berücksichtigt wird. Diesen Bezugsrechtskurs erhält man, wenn aus dem weniger aussagekräftigen Brutto-Kurs (5,84) noch die Dividende für die Alt-Aktien herausgerechnet wird.

"Der Kurs der Allianz-Aktie ist schon beachtlich, vor allem wenn man sich das prozentual noch zweistellige Minus im frühen Handel vor Augen führt. Wenn die Amerikaner am Nachmittag in den Markt kommen, könnte die Aktie sogar unbereinigt ins Plus drehen", sagte ein Frankfurter Händler. Der europäische Versicherungssektor notierte rund fünf Prozent im Plus und der Dax  gut drei Prozent höher.

Die Deutsche Börse stellte den Einheitspreis für das Bezugsrecht auf Grund der vorliegenden Orders am Nachmittag mit 7,27 Euro fest, was die hohe Nachfrage nach den jungen Aktien reflektiert.

Die Allianz räumt im Rahmen ihrer Kapitalerhöhung ihren Anteilseignern das Recht ein, für 15 alte Aktien sieben neue zu kaufen. Insgesamt kommen rund 117 Millionen neue Allianz-Titel auf den Markt. Der Versicherer nimmt mit dieser Kapitalerhöhung 4,4 statt der erwarteten 3,5 Milliarden Euro ein und braucht das Geld zur Stärkung seiner Kapitalbasis, nachdem wegen der Börsenschwäche 2002 beim Wertpapierportfolio Abschreibungen in Milliardenhöhe vorgenommen worden waren.

Der Münchener Konzern hatte mit 1,2 Milliarden Euro für 2002 erstmals in seiner Geschichte einen Jahresverlust ausgewiesen.

Fondsmanager müssen wieder rein in den Wert

Analysten zeigten sich wenig überrascht von den Kursgewinnen der Allianz. "Das war bislang eines der schwächsten Papiere im deutschen Markt - außerdem weiß jeder, dass das Indexgewicht der Allianz im Dax mit der Kapitalerhöhung steigen wird", erklärte Lorenzo Carcano, Fondsmanager bei Metzler, den Kursanstieg.

Selbst Fondsmanager, die Allianz untergewichten, müssten jetzt den relativen Anteil dieser Papiere erhöhen, fügte er hinzu. "Die ganze Kapitalerhöhung ist gut gelaufen", sagte eine Händlerin. "Da versuchen offenbar einige, unbedingt in diese Aktie hereinzukommen."

Kapitalbedarf der Allianz scheint zunächst gedeckt

Die Allianz hat ihren Kapitalbedarf für 2003 jetzt fast vollständig gedeckt und kann sich mit der ebenfalls schon Ende März angekündigten Aufnahme von Hybrid-Kapital Zeit lassen.

"Für 2003 sind nach wie vor fünf Milliarden angepeilt. 2004 und auf absehbare Zeit sind dann keine weiteren Schritte vorgesehen", hatte es am Montag in Unternehmenskreisen geheißen. Hybrid-Kapital ist nachrangiges, besonders langfristiges Fremdkapital, das deshalb teilweise als Eigenkapital angerechnet wird. Der Hybrid könnte in der zweiten Jahreshälfte oder auch im ersten Halbjahr 2004 kommen und wird wahrscheinlich in der Größenordnung von 600 Millionen Euro liegen. Ursprünglich hatte die Allianz noch 1,5 Milliarden Euro Hybrid-Kapital für die zweite Jahreshälfte in Aussicht gestellt.

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